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    Region/KoblenzKatzenjammer: In Tierheimen wird es eng

    Die Tierheime in Andernach, Mayen und Koblenz arbeiten am Rande ihres Limits. Zu viele Tiere werden abgegeben oder anonym ausgesetzt - vor allem vor Ferienzeiten. Weil die menschen ihre Tiere nicht mitnehmen können, wollen sie sie nicht mehr haben. Diesen Herbst wimmelt es zudem von unerwünschten Katzenbabys, die ohne ihre Mutter ausgesetzt werden und dann mit den Flashe aufgezogen werden müssen. Neben Pflegefamilien wird nicht nur Platz, sondern auch Futter dringend benötigt.

    Mit großen Augen schaut sich Dana im Tierheim Andernach um. 
Foto: Hilko Röttgers
    Mit großen Augen schaut sich Dana im Tierheim Andernach um.
    Foto: Hilko Röttgers - Hilko Röttgers

    Region/Koblenz - Das Andernacher Tierheim ruft um Hilfe. Grund ist eine "wahre Katzenschwemme", wie es in einer Mitteilung heißt. "Seit sechs Wochen ist es besonders schlimm", berichtet Tierheimleiterin Cathrin Nohner. Zwar seien Katzenhaus und Kleintierzimmer auch sonst immer gut belegt. "Aber im Moment ist es extrem."

    Knapp 35 Katzen sind derzeit in den acht Katzenzimmern des Andernacher Tierheims untergebracht. Auch im Aufenthaltsraum, in dem eigentlich keine Tiere leben, finden sie vorübergehend eine Unterkunft. Damit ist die Einrichtung am Rande ihrer Kapazität angelangt. "Neuzugänge können wir im Moment nur in Pflegefamilien unterbringen", sagt Nohner.

    Doch auch dort stehen kaum mehr Plätze zur Verfügung. Neue Pflegestellen werden daher zurzeit ebenso dringend gesucht wie Tierfreunde, die dauerhaft eine Katze zu sich nehmen möchten. In diesem Zusammenhang weist Nohner darauf hin, dass den Pflegefamilien keine Kosten entstehen. "Das Tierheim zahlt bei Katzen, die in Pflegestellen leben, für Tierarztbesuch, Katzenstreu, Futter und Zubehör", betont die Tierheimleiterin.

    Ein großes Problem in diesem Herbst sind Katzenbabys, die zum Teil auch ohne ihre Mütter im Tierheim abgegeben werden. "Diese Katzen müssen wir dann mit der Flasche aufziehen", sagt Nohner. "Das ist sehr aufwendig."

    Damit steht das Tierheim Andernach nicht allein da. Derselbe Trend zeichnet sich seit einigen Wochen auch in Mayen ab. "Es wimmelt von Katzenkindern", bestätigt Susan Kerl vom Tierheim in der Eifelstadt. "Es vergeht kein Tag, an dem nicht mehrere Leute anrufen, die Katzenbabys gefunden haben oder abgeben möchten." Auch in Mayen sind die Kapazitäten so gut wie erschöpft: 20 Katzen leben derzeit im Tierheim, einige weitere sind in Pflegestellen untergebracht. Zudem stehen noch gut 30 Katzen auf der Warteliste. Dass sich die Situation in absehbarer Zeit entspannt, ist wenig wahrscheinlich. Viele Katzen sind noch tragend: "Der Höhepunkt", mutmaßt Susan Kerl, "kommt erst noch."

    Als Grund für die prekäre Situation in den Tierheimen machen sowohl Cathrin Nohner als auch Susan Kerl ein Versäumnis der Tierhalter aus. "Sie lassen ihre Katzen nicht kastrieren", erläutert Kerl. Eine Einstellung, für die Nohner kein Verständnis hat. "Das macht mich wütend", sagt sie.

    Kirstin Höfer vom Koblenzer Tierheim bestätigt das: "Man müsste ein Kastrationsgebot aufstellen", sagt sie. Im Koblenzer Tierheim sind derzeit 71 Katzen untergebracht, in den Sommermonaten waren es zeitweise mehr als 100. "Da mussten wir sogar einen Aufnahmestopp verhängen", berichtet Höfer. Auch derzeit gilt: Für drei Katzen, die ein neues Zuhause finden, kommen acht neue.

    Ebenfalls schlimm, wenn auch nicht so dramatisch wie bei den Katzen, ist die Tierheimsituation bei den Kleintieren. "Es werden zurzeit viele Tiere ausgesetzt oder abgegeben", berichtet Nohner. Im Andernacher Tierheim tummeln sich neben Kaninchen, Meerschweinchen und Vögeln auch drei Wasserschildkröten. Im Mayener Tierheim hat sich die Situation ebenfalls verschärft. "Wir nehmen von Jahr zu Jahr mehr Tiere auf", sagt Susan Kerl. "Vor allem Kaninchen werden häufig ausgesetzt."

    Bereits im Juli hatten die Tierheime vermehrt Tiere aufnehmen müssen. Damals waren die Sommerferien der Grund: Wenn manchem Tierbesitzer bewusst wird, dass ein Leben mit Tieren auch mit Einschränkungen verbunden ist, werden die Tiere abgegeben oder einfach ausgesetzt. Doch während die Situation im Sommer angespannt war, wird sie durch die gegenwärtige Lage noch übertroffen.

    Das hat auch zur Folge, dass es in den Tierheimen mittlerweile nicht allein an Platz mangelt. Cathrin Nohner: "Wir benötigen inzwischen auch Futter." Dazu zählen Katzen- und Hundefutter ebenso wie frisches Obst und Gemüse.

    Infos über Vierbeiner, die im Mayener Tierheim auf neue Familien warten: www.tierschutz verein-mayen.de

    Von unseren Redakteuren Hilko Röttgers und Angela Kauer

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