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    WesterwaldkreisEx-Schulschwänzer: Kreis zu Einigung bereit

    Der Fall des ehemaligen notorischen Schulschwänzers Patrick Scharping (19) aus Fehl-Ritzhausen hat im Westerwald für Aufsehen gesorgt. Doch nun nimmt die Geschichte um den früheren Hauptschüler wohl doch ein gutes Ende. Denn der Westerwaldkreis ist zu einer Einigung bereit.

    Patrick Scharping sieht wieder eine Perspektive: Unter Vermittlung von Andrea Weber hat er sich im Schulschwänzer-Streit mit dem Kreis geeinigt. Foto: Jöckel
    Patrick Scharping sieht wieder eine Perspektive: Unter Vermittlung von Andrea Weber hat er sich im Schulschwänzer-Streit mit dem Kreis geeinigt.
    Foto: Jöckel

    Von unserer Redakteurin Stephanie Kühr

    Zuletzt hatte die Behörde gedroht, gegen Scharping eine Erzwingungshaft zu beantragen, sofern er das säumige Bußgeld wegen Schulschwänzens nicht zahlt (die WZ berichtete). In einem klärenden Gespräch in der Kreisverwaltung haben Landrat Achim Schwickert und der 19-jährige Hilfsarbeiter jetzt eine gemeinsame Lösung erzielt. "Es war ein gutes Gespräch. Positiv sehe ich, dass Patrick Scharping die Dinge auch selbstkritisch sieht", sagte Schwickert der WZ.

    Unter Vermittlung der bündnisgrünen Direktkandidatin bei der Bundestagswahl im Wahlkreis 205, Andrea Weber, haben Schwickert und Scharping vereinbart, sich noch in dieser Woche in einem Schreiben an das zuständige Amtsgericht Westerburg zu wenden und um eine Umwandlung der Geldbuße in Sozialstunden zu bitten. "Die Sozialstunden sollen zudem möglichst gering gehalten werden, da Patrick bereits gut 2300 Euro bezahlt und auch schon Sozialstunden geleistet hat", erläuterte Andrea Weber.

    Die Kommunalpolitikerin, die von Beruf Gymnasiallehrerin ist, erklärte, Patrick werde dem Gesamtschreiben einen eigenen Brief an den vorsitzenden Richter beilegen, in dem er seine jetzige Lebenssituation schildert, und darin darlegen, dass sich sein Leben zum Positiven gewendet habe. Vorausgesetzt das Gericht schließt sich der Einigung an, könnte die Akte Scharping bald geschlossen werden. "Wir halten es für vernünftig, wenn Patrick Scharping eine angemessene Anzahl von Sozialstunden leistet", sagte Schwickert. Über die Größenordnung habe das Amtsgericht zu entscheiden. Seines Erachtens solle dabei aber die positive Entwicklung Scharpings nicht gehemmt werden. Zugleich machte Schwickert deutlich, dass dauerhafte Schulschwänzer auch künftig mit Konsequenzen zu rechnen hätten.

    "Das Gespräch mit dem Landrat war sehr freundlich. Nach dem ganzen Schriftverkehr hätte ich damit nicht gerechnet", sagte Scharping der WZ. Bei dem Treffen haben beide Seiten bewusst darauf verzichtet, sich Vorwürfe zu machen. "Der Landrat hat Patrick deutlich gemacht, dass er ihm keine Steine in den Weg legen, sondern ihm eine Perspektive eröffnen möchte", schilderte Weber. "Er hat mir angeboten, dass ich mich jederzeit an ihn wenden kann, wenn es mal Probleme gibt", freute sich Scharping.

    Seinem Leben will Patrick auch selbst eine neue Perspektive geben. Denn der 19-Jährige möchte, sobald die Gerichtsakte geschlossen ist, bei einem freien Bildungsträger den Hauptschulabschluss nachholen und dann eine Lehre, am liebsten in der Kfz-Branche, beginnen. Da er dann seinen jetzigen Job - er arbeitet 40 Stunden pro Woche im Zweischichtbetrieb bei einem Automobilzulieferer - aufgeben muss, möchte er zunächst noch arbeiten und etwas Geld zur Seite legen. Denn mit seinem Hilfsarbeiterlohn unterstützt er auch seine Familie. Dass er als 16-Jähriger dauerhaft die Schule geschwänzt hat, das findet der Fehl-Ritzhäuser heute "mehr als blöd", wie er sagt.

    "Patrick zeigt nicht nur Reue, er hat sein Leben auch geändert und möchte sich langfristig eine Lebensgrundlage aufbauen", bekräftigte Weber. Die Pädagogin und vierfache Mutter empfand es als ihre Aufgabe, sich für den 19-Jährigen einzusetzen. "Als Lehrerin lehne ich Schuleschwänzen strikt ab", betonte sie. Doch aus ihrer ersten Tätigkeit als Lehrerin in einer Maßnahme, in der Schulabbrecher den Hauptschulabschluss nachmachen, kennt sie die Situation allzu gut. "Ich verstehe Patrick, aber ich weiß auch, dass er stabilisiert werden muss", sagte sie. "Ich denke, er ist jetzt auf einem guten Weg."

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