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    KoblenzAuf Aktenwagen zum Gericht: Mutmaßlicher Seriensextäter will Prozess boykottieren

    Er steht wegen sexueller Nötigung mit Gewalt vor Gericht - doch mit dem Stehen ist das so eine Sache: Der mutmaßliche Seriensextäter, der auch am Koblenzer Hauptbahnhof ein Opfer entdeckte, hält Richter, Staatsanwalt, Wachtmeister und Opfer zum Narren. Protokoll des zweiten Prozesstages:

    Der Koblenzer Hauptbahnhof.  Foto: dpa
    Der Koblenzer Hauptbahnhof. 
    Foto: dpa

    Von unserem Redakteur Hartmut Wagner

    Koblenz. Er soll drei wildfremde Studentinnen überfallen, am helllichten Tag geschlagen und begrapscht haben - in Düsseldorf in einem Ärztehaus, in Koblenz im Flur eines Wohnhauses und auf einer Damentoilette der Fachhochschule.

    Jetzt steht der mutmaßliche Seriensextäter (48) wegen sexueller Nötigung mit Gewalt vor dem Landgericht Koblenz. Er fläzt in seinem Stuhl, legt den Kopf auf die Tischplatte und hält alle zum Narren, die Richter, den Staatsanwalt, die Wachtmeister und seine mutmaßlichen Opfer. Das Protokoll des zweiten Prozesstages:

    Kurz vor 9 Uhr: Mitarbeiter der Maßregelvollzugsanstalt Nette-Gut fahren den Angeklagten zum Gericht. Aber: Der Mann mit dem buschigen Bart, dem roten Häftlingsanzug, den gefesselten Händen und Füßen steigt nicht aus dem Bus. Er will nicht zum Prozess. Die Wachtmeister greifen zum letzten Mittel: Sie hieven den Mann auf ein Metallwägelchen, mit dem sie gewöhnlich Akten von Büro zu Büro transportieren. Dann fahren sie ihn zum Gerichtssaal.

    9.30 Uhr: Der Mann setzt sich auf einen Stuhl, legt die Stirn auf die Tischplatte. Direkt hinter ihn setzen sich ein Wachtmeister und zwei Mitarbeiter des Nette-Guts. Die Richterin eröffnet den Prozesstag, da brüllt er: „Ich bin nicht verhandlungsfähig! Werde seit sechs Monaten gequält! Habe seit zwei Wochen nichts gegessen!“ Als die Studentin den Saal betritt, die er laut Anklage am 15. Oktober 2014 um 10.30 Uhr vom Hauptbahnhof Düsseldorf zu ihrem Arbeitsplatz verfolgte und im Hausflur angriff, legt er seine Stirn erneut auf den Tisch. Die 22-Jährige schildert, wie er sie niederschlug, sich auf sie setzte und an ihren Leggings zerrte. Da ruft er: „So eine Farce! Ich war zuletzt vor fünf Jahren in Düsseldorf!“ Die Frau erzählt, wie sie um Hilfe schrie, wie der Mann zuschlug und dabei kein Wort sagte. Schließlich erklärt sie: Ja, der Angeklagte war der Täter.

    10.15 Uhr: Ein Fotograf (32), der die Schreie der Frau zufällig hörte und den Angreifer zurück auf die Straße drängte, sagt im Prozess: „Es war damals morgens gegen 10 Uhr. In einem Haus voller Ärzte! Mitten in Düsseldorf! Ich war fassungslos!“

    13.30 Uhr: Nach der Mittagpause berichtet eine Koblenzer Studentin (24), wie sie am 26. November 2014 um 15 Uhr von der Landesbibliothek nach Hause lief, am Hauptbahnhof den Angeklagten sah und Angst bekam: „Er starrte mich an, hatte einen schrecklichen Blick, ganz böse!“ Der Angeklagte liegt wieder auf der Tischplatte, als die Studentin berichtet, dass er sie bis in ihren Hausflur verfolgte und ihr gegen die Nase boxte. „Ich hatte Todesangst! Angst, dass ich vergewaltigt werde!“ Sie schrie und wurde von einem Nachbarn gerettet.

    14.15 Uhr: Ende des Prozesstages. Wachtmeister eskortieren den Mann zurück zum Bus. Er verzichtet auf das Wägelchen und geht zu Fuß. Der Prozess geht heute weiter.

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