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    LondonWenn die Erde zu klein wird: UN warnt vor Bevölkerungsexplosion auf 15 Milliarden bis 2100

    Wenn Adnan Nevic groß ist, will er Pilot werden und all die Länder besuchen, wo man ihn kennt. Der bosnische Junge weiß, dass er weltberühmt ist, aber er kann sich nicht an den Tag erinnern, als der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan in Sarajewo feierlich ein Baby in einem Windel-Kokon in die Arme nahm.

    Bereits bis 2050 soll die Weltbevölkerung auf 9,3 Milliarden steigen, bevor sich das Wachstum verlangsamen wird. Afrikas Bevölkerung wächst dabei mit am rasantesten. Auf dem Bild: Massen strömen über den Balogun-Markt in Lagos, Nigeria.
    Bereits bis 2050 soll die Weltbevölkerung auf 9,3 Milliarden steigen, bevor sich das Wachstum verlangsamen wird. Afrikas Bevölkerung wächst dabei mit am rasantesten. Auf dem Bild: Massen strömen über den Balogun-Markt in Lagos, Nigeria.
    Foto: UNFPA

    London - Wenn Adnan Nevic groß ist, will er Pilot werden und all die Länder besuchen, wo man ihn kennt. Der bosnische Junge weiß, dass er weltberühmt ist, aber er kann sich nicht an den Tag erinnern, als der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan in Sarajewo feierlich ein Baby in einem Windel-Kokon in die Arme nahm.

    Immer mehr Junge, immer mehr Alte. Immer mehr Armut: Nach UN-Angaben leben heute in den Entwicklungsländern 828 Millionen Menschen in den Slums, und diese Zahl soll weiter wachsen. Auf dem Bild: Bewohnerin eines äthiopischen Heims für ältere Frauen.
    Immer mehr Junge, immer mehr Alte. Immer mehr Armut: Nach UN-Angaben leben heute in den Entwicklungsländern 828 Millionen Menschen in den Slums, und diese Zahl soll weiter wachsen. Auf dem Bild: Bewohnerin eines äthiopischen Heims für ältere Frauen.
    Foto: UNFPA

    Adnan wurde 1999 von den Vereinten Nationen als der sechsmilliardste Erdbewohner ausgewählt. Nur zwölf Jahre später wird die Weltbevölkerung am Montag eine neue Rekordmarke von sieben Milliarden erreicht haben.

    Die dicht bevölkerte Welt von Übermorgen wird viele Probleme haben.  Eines davon ist der Wassermangel: Bis 2030 werde das globale  Wasserdefizit 40 Prozent betragen. Auf dem Foto: Nigerischer Junge verkauft Mineralwasser in Lagos.
    Die dicht bevölkerte Welt von Übermorgen wird viele Probleme haben. Eines davon ist der Wassermangel: Bis 2030 werde das globale Wasserdefizit 40 Prozent betragen. Auf dem
    Foto: Nigerischer Junge verkauft Mineralwasser in Lagos. - UNFPA

    „Mehret euch“: Seit Jahrtausenden folgen die Bewohner des fruchtbaren Planeten diesem Aufruf. Wir brauchten 1804 Jahre, um die Milliardengrenze zu erreichen, aber nur ein Jahrhundert bis zwei Milliarden (1927) und weitere 32 Jahre bis drei Milliarden. Mit jeweils 15, 13 und 12 Jahren bis zu jedem neuen Meilenstein hat das Wachstum der Menschheit seit den 50er Jahren stark zugenommen. Anlässlich des neuen Rekords wagte die UN-Organisation UNFPA in London eine beunruhigende Prognose: Im Jahr 2100 könnten mehr als zehn Milliarden Menschen auf dem Globus leben, wenn die derzeitige Geburtenrate fällt. Und wenn nicht? Dann wird sich unsere Zivilisation bis zum 22. Jahrhundert mehr als verdoppeln. Nimmt man die Bevölkerungsdichte von Berlin zum Maßstab, bräuchten 15 Milliarden Menschen eine Fläche so groß wie Indien (siebtgrößtes Land der Welt), um zu überleben.

    Bereits bis 2050 soll die Weltbevölkerung auf 9,3 Milliarden steigen, bevor sich das Wachstum verlangsamen werde, heißt es in einer UN-Studie. Die treibende Kraft dieser Entwicklung seien die ärmsten Länder der Welt mit einer hohen Geburtenrate: insgesamt 39 in Afrika, neun in Asien, sechs in Ozeanien und vier in Lateinamerika. Zwar ist die mittlere globale Geburtenrate von sechs Kindern pro Frau auf 2,5 Kinder gefallen, sie bleibe dennoch südlich der Sahara-Wüste mit 4,8 Kindern weiter hoch, so der Report der Vereinten Nationen. Afrika wachse derzeit doppelt so schnell wie Asien, das im Jahr 2052 seinen „Bevölkerungsgipfel“ von 5,2 Milliarden erreichen werde, sagen die Experten voraus. Danach sehen sie eine Abnahme des Wachstums. Ähnlich soll die Kurve für Europa aussehen: ein Anstieg bis 2025 auf 740 Millionen Einwohner und ein Abfall danach.

    Die dicht bevölkerte Welt von Übermorgen wird viele Probleme haben. Eines davon ist der Wassermangel: Bis 2030 werde das globale Wasserdefizit 40 Prozent betragen, warnt die UN-Studie. Ein anderes Problem ist das Wachstum von riesigen Ballungszentren wie Tokio (derzeit 36,7 Millionen Menschen), die mancherorts von Slums umgeben sind. Nach UN-Angaben leben heute in den Entwicklungsländern 828 Millionen Menschen in den Slums, und diese Zahl soll weiter wachsen. Ein weiterer Grund zur Sorge ist die Migration: Laut UN-Schätzungen suchen zurzeit mindestens 214 Millionen Menschen nach Arbeit im Ausland, wobei Deutschland mit 10,8 Millionen den weltweit dritthöchsten Anteil von „internationalen“ Migranten haben soll.

    Schließlich das Problem der Umweltbelastung: US-Experten haben ausgerechnet, dass die Erde derzeit 18 Monate benötige, um das zu regenerieren, was unsere Zivilisation in einem Jahr verbrauche. Allerdings nennt der UN-Report nicht die Bevölkerungsexplosion, sondern den Konsum in den reichen Ländern die größte Belastung für die Natur. Immerhin könnte die zunehmende Alterung der Menschheit – von 0,9 Milliarden auf 2,4 Milliarden der Über-Sechzigjährigen bis 2050 – die Treibhausemissionen um 20 Prozent senken, hoffen die Forscher.

    Sie wollen nicht zu pessimistisch sein. So sieht der UNFPA-Chef Babatunde Osotimehin das Erreichen der Siebenmilliardenmarke als eine Chance, in die 1,8 Milliarden junger Menschen weltweit zu investieren: „Sie halten die Schlüssel zu unserer Zukunft in den Händen“, sagte der nigerianische Arzt gestern in London. Babatunde will erreichen, dass die Politiker verstärkt die Gesundheit und Bildung der jungen Generation fördern.

    Die UN-Zahlen für Deutschland: Die derzeitige Bevölkerung von 82,2 Millionen soll bis 2015 minimal um 0,2 Prozent schrumpfen. Die drei Demografie-Szenarien für die Bundesrepublik sehen bis 2100 einen eher unwahrscheinlichen Anstieg auf 110 Millionen Einwohner und einen Rückgang auf 74 Millionen oder (im ungünstigsten Fall) 45 Millionen vor. Die deutsche Geburtenrate soll am Ende des Jahrhunderts von 1,5 auf zwei Prozent ansteigen. Die mittlere Lebenserwartung soll bei 2100 geborenen Frauen etwa 92 Jahre und bei Männern etwa 88 Jahre betragen. Der Anteil der Senioren (ab 65 Jahren) soll etwa bis 2040 auf 25 Prozent steigen und danach etwas sinken.

    Von unserem Londoner Korrespondenten Alexei Makartsev

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