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    RZ-KOMMENTAR Die Gesellschaft hat die Kontrolle verloren

    Rena Lehmann zu U-Bahn-Schlägern

    Rena Lehmann
    Rena Lehmann
    Foto: Jens Weber

     

    Es klingt nach Kapitulation. Wenn selbst erfahrene Streetworker und Sozialarbeiter dazu raten, möglichst einen großen Bogen um lärmende Gruppen in U-Bahnhöfen zu machen, sich erst gar nicht auf ein Gespräch einzulassen und schnell das Weite zu suchen, sprich: den Rückzug anzutreten, dann sagt das viel aus. Darüber nämlich, wie es um das Vertrauen in eine offene Gesellschaft, die sich noch selbst kontrollieren und regulieren könnte, bestellt ist. Es darf nach den zahlreichen Vorfällen dieses Jahres, nach den in allen Details dokumentierten, schockierenden Zeugnissen der völligen Verrohung bei den U-Bahn-Überfällen als nachhaltig gestört betrachtet werden.

     

    Der Ruf nach mehr Zivilcourage wird angesichts der Vorfälle aber leiser. Zu groß ist die Gefahr, selbst zum Opfer eines Jugendlichen zu werden, der nicht mehr denken, sondern nur noch zuschlagen kann. Es sei an den ersten, prominenten Fall in München erinnert: Dominic Brunner hatte damals nicht weggeschaut, sondern sich schützend vor eine Gruppe Jugendlicher gestellt, die von anderen angegriffen wurde. Posthum wurde er für sein mutiges Eingreifen ausgezeichnet. Er bezahlte seine Zivilcourage mit dem Leben. Ihn als Vorbild zu inszenieren, ist aber auch verlogen. In Wahrheit wirkt sein Beispiel nämlich vor allem abschreckend. Für jeden, der künftig Zeuge einer Auseinandersetzung wird.

     

    Das Problem wird nicht ernst genug genommen. Bei der Kriminalstatistik rühmt man sich lieber einer insgesamt sinkenden Jugendkriminalität, während das Gewaltpotenzial einer Gruppe von Intensivtätern ansteigt. Ihnen gegenüber mangelt es an Konsequenz: Es dauert zu lang, bis ein jugendlicher Täter sich vor Gericht verantworten muss. Und bis es zum Prozess kommt, bleibt er in aller Regel auf freiem Fuß.

     

    Nicht zuletzt bleibt die Frage, wie man mit Eltern umgehen sollte, die ihren Kindern offenbar keine Grenzen setzen können. Darf eine Gesellschaft ohnmächtig solchen Exzessen zuschauen? Ich meine Nein.

     

    E-Mail: rena.lehmann@rhein-zeitung.net

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