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  • Regisseur Volker Schlöndorff: "Drei Monate wie in der Fernschule geübt"

    Der deutsche Regisseur Volker Schlöndorff hat mit Tausenden Jugendlichen die Zeremonie zur Erinnerung an die Schlacht von Verdun vor 100 Jahren inszeniert. Im Interview äußert er sich sich zu den Motiven und Problemen des Projektes:

    Vor den Toren von Verdun: Zum Gedenken an die Schlacht auf den Feldern vor der französischen Stadt im Ersten Weltkrieg hat Regisseur Volker Schlöndorff 4000 Jugendliche auf dem Soldatenfriedhof in Szene gesetzt.  Foto: dpa
    Vor den Toren von Verdun: Zum Gedenken an die Schlacht auf den Feldern vor der französischen Stadt im Ersten Weltkrieg hat Regisseur Volker Schlöndorff 4000 Jugendliche auf dem Soldatenfriedhof in Szene gesetzt.
    Foto: dpa

    Worum ging es Ihnen bei der Inszenierung in Verdun?

    Das Wichtigste ist eigentlich, dass man die Zeremonie den Politikern und den Militärs wegnimmt und den Jugendlichen gibt. Also es geht nicht um das Andenken der Toten, finde ich, es geht auch nicht um irgendwelche Flammen, die wieder angezündet werden. Es geht auch nicht um die Nationalhymnen, die zum x-ten Mal und dazu noch zwei Mal abgespielt werden, sondern es geht um die 15 Minuten, wo wirklich die Jugendlichen diesen Friedhofsplatz überströmen.

    Welche Elemente haben Sie dafür eingesetzt?

    Es gibt ein donnerndes Kriegsgeräusch, was aber nicht naturalistisch ist, sondern was von diesen Stahltrommlern kommt, was auch so ein anarchistisches Element hat, ein chaotisches Element, eben nichts Militärisches. Aus diesem Rhythmus heraus fangen die Jugendlichen an, Bewegungen zu machen. Das ist kein Tanz, das ist auch kein Totentanz, das wäre vermessen. Dieses zu spüren, es gibt da eine Generation, die ist offen, und die ist interessiert, die kann das miterleben - das ist für mich das Wichtigste.

    Wie hat sich die Arbeit mit fast 4000 Jugendlichen in Frankreich und Deutschland entwickelt?

    Wir haben drei Monate im Grunde so gearbeitet, wie man einen Führerschein per Fernschule macht, das heißt, wir haben Beobachter überall hingeschickt, Sportlehrer und Choreografen und Tänzer, die in den einzelnen Schulen und Orten mit den Jugendlichen gearbeitet haben. Erst seit Freitag haben wir angefangen, sie in Verdun zusammenzuführen. Das war die größte Herausforderung, dass aus diesen Puzzlesteinen zum Schluss irgendein organisches Ganzes entsteht.

    Sollte es eine Geste von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Präsident François Hollande geben wie 1984 der Händedruck ihrer Vorgänger Helmut Kohl und François Mitterrand über den Gräbern von Verdun?

    Ich habe mir gedacht, als ich eingeladen wurde, diese Zeremonie zu inszenieren, es solle am Ende im Sinne der Auftraggeber ein Foto wie das von Kohl und Mitterrand dabei herauskommen. Das war das Erste, was ich Präsident Hollande gesagt habe - als er mir diesen Vorschlag gemacht hat, habe ich ihm gesagt: Erwarten Sie nicht, dass es ein solches Foto gibt. Das sind historische Anlässe, das passiert spontan, das kann man nicht inszenieren. Und dafür ist auch im Augenblick das Klima nicht da. Seien Sie so großzügig, irgendwie die Öffnung zuzulassen zur Jugend. Und ich habe bei mir gedacht, ich bin auch nicht dafür da, um irgendwie für die Glorie von Politikern zu arbeiten.

    Wollten Sie die Aufgabe gleich übernehmen?

    Ich habe sofort einen Schreck bekommen. Wie kann man das denn machen, eine Inszenierung, die nicht wie jede andere aussieht, noch dazu auf einem Friedhof, wo 40 000 oder 50 000 Gebeine liegen? Aber ich habe auch gewusst: Das ist eine Herausforderung, die kann man nicht ablehnen. Das ist nicht nur ehrenhaft, sondern ich bin auch seit fast 60 Jahren halb Franzose. Das gehört einfach zu meiner Biografie, und deshalb musste ich es machen.

    Hat Ihnen die Arbeit gefallen?

    Es war drei Monate lang sehr mühsam, weil man sich mit sehr vielen Ministerien und Protokollen herumschlagen musste, denen jede Neuerung oder Andersartigkeit zunächst mal zuwider war. Ich weiß nicht, mit wie vielen Ministern ich zu Abend essen musste, um das wieder und noch mal zu erklären. Das war die Durststrecke. Aber seitdem wir mit den Jugendlichen in Verdun sind, ist es eine einzige Freude und eine großartige Erfahrung, das machen zu können.

    Die Fragen stellte Gerd Roth

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