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  • 1000. Sendung: Die Nation versammelt sich am „Tatort“

    Als die ARD im November 1970 ihre neue Krimi-Reihe startete, zeigten die Verantwortlichen sich verhalten optimistisch: Zwei Jahre werde die ARD "das schon machen", sagte der damalige Fernsehdirektor des Süddeutschen Rundfunks auf die Frage eines Journalisten, wie lange die neue Reihe denn laufen werde. Mit dem Krimi am Sonntag wollten die Programmdirektoren der ARD dem erfolgreichen "Kommissar" im ZDF Paroli bieten. An diesem Sonntag wird nun der 1000. "Tatort" im Ersten gezeigt.

    Von Diemut Roether

    Damit ist die Reihe zu einem ähnlich unverwüstlichen Markenprodukt wie einst der VW Käfer geworden: Sie läuft und läuft und läuft.

    Drei Kriterien nennt der Erfinder des "Tatorts" im Ersten, Gunther Witte, als grundlegend für die Krimireihe: Regionalität, die führende Rolle des Kommissars und Geschichten, "die mit unserer Realität zu tun haben". Doch dass der "Tatort" sich so lange hält, hat laut Witte auch damit zu tun, dass junge Autoren und Regisseure ständig versuchen, die Grenzen des Genres zu erweitern und zu überschreiten. "Der ,Tatort' verträgt viel", sagt Witte. Dazu gehören auch komödiantische Auftritte wie die von Axel Prahl und Jan Josef Liefers im Münsteraner "Tatort" oder an Shakespeare erinnernde Szenen wie in "Aus Schmerz geboren" mit Ulrich Tukur.

    89 Teams haben bislang ermittelt

    Der 1000. "Tatort" heißt wie der erste: "Taxi nach Leipzig". 1970 war es Hauptkommissar Paul Trimmel (Walter Richter), der in einem deutsch-deutschen Fall ermittelte, an diesem Sonntag werden die Hauptkommissare Charlotte Lindholm und Klaus Borowski von einem Taxifahrer als Geiseln genommen.

    89 Teams haben seit November 1970 im "Tatort" ermittelt. Am 29. Januar 1978 löste die erste Kriminalkommissarin einen Fall in der Krimireihe: Nicole Heesters spielte für den Südwestfunk (SWF) Kriminal-Oberkommissarin Buchmüller. Bis Ende der 80er-Jahre ermittelten nur beim SWF Frauen: Auf Nicole Heesters folgte Karin Anselm - sie hat eine Gastrolle im 1000. "Tatort" - und schließlich 1989 Ulrike Folkerts.

    Eine Zeit lang hatte man den Eindruck, die ARD-Sender versuchten, sich mit immer größeren Stars gegenseitig zu überbieten: Als der HR 2011 Ulrich Tukur verpflichtete, konterte der NDR wenig später mit dem Engagement von Til Schweiger. Im neuen "Tatort" aus Freiburg wird Harald Schmidt die Rolle des Kriminaloberrats Gernot Schöllhammer übernehmen.

    In den ersten 20 Jahren gab es nur einmal im Monat einen neuen Fall, erst in den 90er-Jahren steigerte sich die Zahl, 2015 waren es 40 Erstausstrahlungen. Neue Teams kommen und gehen, die Kommissarfiguren werden immer ausgefallener, nichts Menschliches ist ihnen fremd. In Berlin verkörpert Mark Waschke den ersten schwulen Ermittler, und der Dortmunder Kommissar Peter Faber, der von Jörg Hartmann gespielt wird, ist bei den Kollegen als "Kotzbrocken" verschrien. Erfunden wurde er von Autor Jürgen Werner. Dass auch das Publikum Faber nicht mag, findet Werner gut: "Leider wurden wir nicht so gehasst wie Schimanski", sagt er, "das wäre der Ritterschlag gewesen."

    Schimmi etablierte den Kult

    Kommissar Horst Schimanski, der von 1981 bis 1991 in Duisburg ermittelte, trug in den 80ern wesentlich zur Etablierung des "Tatorts" als Kult bei. Die von Götz George gespielte Figur, die "Beamtenärsche" verachtete und sich mit Wonne prügelte, spaltete das Publikum. Die Duisburger Lokalpolitiker waren zunächst alles andere als begeistert von dem schmuddeligen Image, das der "Tatort" und dieser Kommissar von ihrer Stadt vermittelten. Inzwischen gibt es in Duisburg eine Horst-Schimanski-Gasse. In Umfragen wird Schimanski mit schöner Regelmäßigkeit noch immer als beliebtester "Tatort"-Kommissar aller Zeiten genannt.

    Der "Tatort" ist zum neuen Lagerfeuer geworden, er gehöre zum Sonntag "wie Glockengeläut und Verwandtenbesuch", schrieb der Programmdirektor des Ersten, Volker Herres. Daran hatte auch die Titelmelodie von Klaus Doldinger großen Anteil - und der von Peter Hoheisel gestaltete Vorspann, der an die psychedelischen Zeiten der späten 60er-Jahre erinnert.

    Durchschnittlich 9,53 Millionen Zuschauer verfolgten im vergangenen Jahr Woche für Woche die Ermittlungen der Kommissare. Bei den "Tatorten" aus Münster schauen auch schon mal mehr als 13 Millionen zu.

    In Zeiten der sozialen Netzwerke ist der Sonntagabendtermin mittlerweile zum neuen virtuellen Gemeinschaftserlebnis geworden. Über den Kurznachrichtendienst Twitter tauschen sich die Zuschauer darüber aus, was sie sehen und wie sie es finden. Im vergangenen Jahr setzten "Tatort"-Gucker sonntags zwischen 20 und 22 Uhr im Schnitt rund 9500 Tweets zum Tatort ab.

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