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INTERVIEW: Muslim will seinen Glauben "europäisieren"

Kaiserslautern. Hüseyin Kocak ist Muslim, aber auch Pfälzer. Er kämpft in Rheinland-Pfalz für einen Islam, der klar zwischen Politik und Religion trennt. Im Interview erklärt er, wie er und seine Mitstreiter sich den sogenannten "Euro-Islam", den sie in einem neuen Buch mit gleichnamigem Titel propagieren, vorstellen.

picture alliance / dpa

Was meint der Begriff "Euro-Islam"?

"Euro-Islam" ist ein von der Scharia getrennter und mit europäischen und damit liberal-demokratischen Werten gefüllter Islam für die europäischen Muslime. Der orthodoxe Islam hat ein eigenes Rechtssystem, was mit unserem Grundgesetz einfach nicht kompatibel ist. Darüber hinaus kollidiert der Koran in einigen Suren mit unserer Verfassung. Als Muslim trete ich zwar für die Aufnahme des Islam als dritte Religion in Europa ein, möchte diese aber eindeutig in einen europäischen Rahmen eingeordnet, das heißt als "Euro-Islam" reformiert, wissen. Dieser orientiert sich an einer europäischen Leitkultur.

Wollen Sie den Koran etwa umschreiben?

Man diskutiert ja seit Monaten über Muslime, die sich nicht integrieren können. Der Koran bildet hier ein Hindernis in seiner orthodoxen Auslegung. Dass er umgeschrieben wird, bezweifle ich. Aber es gibt auch Muslime, die sich nicht sklavisch an den Koran halten, und die sind zumeist auch gut integriert. Was wir brauchen, ist eine europäische Auslegung des Korans und damit einen europäischen Islam.

Geht das denn so einfach?

Es gibt natürlich schon Widersprüche. Aber die Christen haben auch ihr Altes Testament, und sie haben ein Neues. Und sie haben die Aufklärung durchlebt, die an uns Muslimen sozusagen vorbeigegangen ist. Außerdem gab es die Reformation. Es ist an der Zeit, dass wir auch im Islam einen Martin Luther haben.

Formiert sich denn eine Bewegung für den "Euro-Islam", oder sind Sie ein Einzelkämpfer?

Es gibt viele Tausende Muslime, die wie ich der Ansicht sind, dass der Koran ein Integrationshindernis ist. Und das Grundgesetz lässt sogar zum Teil die Scharia zu, wie etwa die Verschleierung der Frauen. Die steht im Koran nicht drin, wird aber in der Scharia-Auslegung zur Pflicht gemacht. Wir Muslime dürfen, streng genommen, kein Fleisch bei einem deutschen Metzger kaufen. Wenn nun ein Deutscher sagen würde, er kauft kein Fleisch bei Türken, würde man mit der Nazikeule kommen. Aber wenn wir uns auf die Scharia berufen, dann fällt das unter Glaubensfreiheit. Das gefällt mir überhaupt nicht. Genauso wie diese Nachgiebigkeit.

Wessen Nachgiebigkeit meinen Sie?

Die der deutschen Mehrheitsgesellschaft und auch der Politik in Rheinland-Pfalz. Bei Klassenfahrten von Mädchen sollen auch die Brüder mitfahren dürfen, der Schwimmunterricht soll getrennt nach Geschlechtern stattfinden. Das alles ist die Scharia.

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