Ewig thront die Queen
Der Mann, für den die Reichen und Berühmten bereitwillig ihre Seelen öffnen, sagt: „Ich bin ein glücklicher Mann.“ In seinen 60 Lebensjahren hat Richard Stone viele „faszinierende Menschen“ auf der Leinwand verewigt – Mandela und Pavarotti, Thatcher, Nancy Reagan und Desmond Tutu. Jedoch schwärmt Englands bekanntester Porträtmaler besonders von einer älteren Dame, die am 2. Juni 1990 einen letzten langen Blick auf ihr majestätisches Bildnis in einer Robe geworfen hatte, ehe sie den nervösen Künstler mit einem Kompliment belohnte: „Das wäre ein gutes Bild für eine Briefmarke.“ Die Königin. „Sie war ein perfektes Model – geduldig, diszipliniert und aufmerksam“, freut sich der Sohn eines Briefträgers aus Colchester, der eine schillernde Karriere am englischen Königshof gemacht hat.
Eine traditionelle Faszination
Zwischen 1989 und 1990 sah Richard Stone die Queen zehnmal im Palast, um ein offizielles Porträt mit Krone und Hermelinumhang zu malen. 21 Jahre später schwärmt der Porträtist vom freundlichen Wesen der Königin, die „Wärme und Mitgefühl“ ausstrahle. „Sie ist intelligent, scharfsinnig und humorvoll“, weiß Stone. Das hört und liest man von vielen Menschen, die die 85-jährige Königin aus der Nähe erlebt haben. Die traditionelle Faszination der Briten mit ihrem unermüdlichen Staatsoberhaupt wird ab dem heutigen 6. Februar einen neuen Höhepunkt erreichen, wenn sich die Thronbesteigung von Elizabeth II. zum 60. Mal jährt. Das Diamantene Jubiläum ist das erste derartige Ereignis seit dem historischen Meilenstein der Queen Victoria 1897.
Die kleine Frau mit einer Vorliebe für schrille Hüte lässt von den Beefeaters im Tower die prächtigste Kronjuwelensammlung der Welt bewachen. Dabei könnte man die 60-karätige Königin selbst als Englands kostbarsten Diamanten bezeichnen. Allein die grandiose Schiffsparade zu ihren Ehren im Juni soll umgerechnet 14 Millionen Euro kosten. Das Geld haben Sponsoren und Spender zusammengetragen. Die Queen habe ihr Jubiläum niemandem aufzwingen wollen, die Feiern seien ein kollektiver Wunsch vieler Menschen gewesen, stellen Quellen im Buckingham-Palast klar. Als Patriot findet Maler Stone das natürlich. „Ihre Majestät hat selbstlos den Interessen des Königreichs gedient. Es ist wunderbar, dass wir heute unsere Bewunderung dafür zeigen können“
Die Traumhochzeit von William und Kate 2011 hat das Interesse an den Royals belebt und die Monarchie mit neuem Sinn erfüllt. Die bodenständige und zugleich glamouröse neue Generation der Windsors verkörpert für die jüngeren Briten den „coolen“ Wandel im Palast und dient als Brücke von den Tudors ins digitale Zeitalter. Dagegen ist die Queen ein Symbol der Kontinuität und Beständigkeit. Und noch viel mehr. Die achtfache Großmutter ist seit Jahrzehnten ein Multizweckinstrument der Briten in einer sich schnell ändernden Welt. Ein Land, das keine schriftliche Verfassung kennt, braucht die Queen, die ihre Regierung einsetzt und an Gedenk- und Feiertagen ihre Armee und ihre Kirche ehrt. „Sie steht für den Staat, und sie ist der Staat“, urteilt der bekannte Journalist Andrew Marr in seinem Buch „The Diamond Queen“. Keiner außer Elizabeth II. besitze die nötige Autorität, um den Papst zu begrüßen oder bei einem historischen Besuch in Irland die Aussöhnung mit dem Nachbarland zu vollenden. Für Marr ist die Königin die „britische Trumpfkarte“ im Ausland, ein Türöffner für lukrative Geschäfte. Barack Obama nannte die Queen „das Beste an England“.









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