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  • Kommentar: Schuldig oder nicht schuldig, das ist hier nicht die Frage

    Der Publikumserfolg von Ferdinand von Schirachs "Terror"-Schauspiel auf den Theaterbühnen und nun auch im Fernsehen ist ein faszinierendes Gesellschaftsphänomen. Seinem Verfasser, selbst Jurist, gelingt es, zum Nachdenken anzuregen über Grenzbereiche des Lebens, deren Durchleben auch dann nicht leichter wird, wenn richterliche, ja höchstrichterliche Entscheidungen hierzu getroffen sind. Durch Abstimmen werden Zuschauer motiviert, sich auf die Frage einzulassen: Wie würde ich entscheiden?

    Claus Ambrosius 
    Claus Ambrosius 
    Foto: Jens Weber

    Auf einmal ist man Richter über "schuldig" oder "unschuldig" in Bezug auf einen Piloten, der 164 Unschuldige opfert, um Tausende andere zu retten. Aber: Es gibt kein "richtig" oder "falsch". Für beide Optionen hat der Autor eine Urteilsbegründung geschrieben, die klingt, als sei nur sie und keine andere möglich. Denn man darf nicht vergessen: Es ist "nur" Theater. Reine Fiktion, bei der jeder Satz, der gesagt oder eben nicht gesagt wird, entscheiden kann. Und bei jeder Vorstellung, bei jeder neuen Umsetzung des Textes, spielen viele Faktoren von Besetzungsfragen bis zur Abendform in die Entscheidungsfindung hinein.

    So kann ein Experiment wie "Terror" auch nicht ein Plädoyer für Volksabstimmungen sein, zu dem es in der folgenden TV-Diskussion teils hochstilisiert werden sollte - schlimm genug, dass in der TV-Diskussion ein ehemaliger Verteidigungsminister sich durch ein Televoting in einem fiktiven, dramatisierten Fall in seiner Haltung stolz bestätigt fühlt. Dass aber Millionen sich auf das Gedankenexperiment einlassen, vielleicht erstmals mit Kants unverhandelbarer Menschenwürde oder dem Utilitarismus, dem Agieren nach Aspekten der Nützlichkeit, in Berührung kommen - das ist großes Kino.

    Der Autor von "Terror" weiß übrigens einen Weg aus einem solchen Dilemma: Er nennt einen historischen Fall, bei dem Schiffbrüchige einen Jungen töteten und aßen, um zu überleben. Sie wurden zum Tode verurteilt - allerdings rasch begnadigt. Die 130 Jahre alte Urteilsbegründung können wir uns hinter die Ohren schreiben: "Wir werden häufig dazu gezwungen, Standards aufzustellen, die wir selbst nicht erreichen, und Regeln festzulegen, die wir nicht selbst befriedigen können ... Es ist nicht notwendig, auf die schreckliche Gefahr hinzuweisen, die es bedeutet, diese Grundsätze aufzugeben."

    TV-Film „Terror – Ihr Urteil“: Im Namen des FernsehvolksIn der Realität ist die Rechtslage eindeutig
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