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    Chatroulette: Genitalienparade auch auf der Bloggerkonferenz

    Das Videochat-Experiment im altehrwürdigen Berliner Friedrichstadtpalast, 1947 Schauplatz der Gründung der FDJ, hatte noch nicht begonnen, da wurde im Publikum schon von Strichlisten getuschelt: Wie viele Genitalien werden ins Bild rücken?

    RZ-Redakteur Lars Wienand schreibt aus Berlin, von der Blogger-Konferenz re-publica.de/10/
 
 
 
    RZ-Redakteur Lars Wienand schreibt aus Berlin, von der Blogger-Konferenz re-publica.de/10/      

    Das Videochat-Experiment im altehrwürdigen Berliner Friedrichstadtpalast, 1947 Schauplatz der Gründung der FDJ, hatte noch nicht begonnen, da wurde im Publikum schon von Strichlisten getuschelt: Wie viele Genitalien werden ins Bild rücken?

     

    Drei Minuten später ist daraus „das größte Massen-Sexerlebnis auf Chatroulette“ geworden, wie Referentin Melissa Gira Grant es beeindruckt formuliert: 400, vielleicht 500 Besucher der Blogger-Konferenz re:publica, deren eigentliches Hauptanliegen deutlich politischer ist, schauen amüsiert zu, wie ein Unbekannter an sich herumspielt.

    Der klickt dann aber ganz schnell weg, als die Referentin den Rechner dreht: Plötzlich sieht ihn nicht mehr die attraktive Amerikanerin an, sondern er schaut in einen gefüllten Saal. Der Mann, der sich im Netz nirgendwo wähnte, erlebt nun hier auf einmal erschreckend viel Präsenz. Nowhere – now here – mit dieser Doppeldeutigkeit spielt auch das Motto der diesjährigen Konferenz.

    Chatroulette ist berüchtigt dafür, dass da manches Glied ins Bild gerückt wird – und trotz oder wegen solcher obszön-absurden Begegnungen in den vergangenen Monaten immer populärer geworden. Ein 17-jähriger Russe ist wegen seiner Idee jetzt ein gefragter Geschäftspartner: Nach dem Zufallsprinzip werden jeweils Nutzer zusammengeschaltet, die mit Web-Kamera an ihrem Rechner sitzen. Oder liegen.

    Melissa Gira Grant hat in ihrem Vortrag gegen Prüderie und für ungehinderten Zugang zu Informationen zu Sexualität im Internet argumentiert und noch Redezeit übrig, aber keine Fragesteller zu „Pornokratie“ mehr. Also probierte sie die Seite aus, die täglich 1,5 Millionen Besucher nutzen sollen– und verlor ihre Chatroulette-Jungfräulichkeit, wie sie in ihrem Blog schreibt, auf dem die Aktion auch im Video dokumentiert ist. ( http://melissa.tumblr.com/ )„Das jedenfalls war die entlarvendste und alles erklärende Demonstration von Chatroulette jemals“, kommentierte Journalist Julius Endert danach in seinem Blog ( http://julius01.posterous.com/der-chatroulette-moment-oder-der-panische-pen )...

    Am wichtigsten bei Chatroulette ist die F9-Taste: Ein Klick genügt, und das ChatRoulette dreht sich und bringt – im besten Fall - ein neues Gesicht. Menschenlotterie. Manche wollen sich tatsächlich nur unterhalten mit anderen. Viele besuchen die innerhalb von 48 Stunden von Andrej Ternowskij gebaute Seite aber nur in der Hoffnung, besonders bunte Vögel zugelost zu bekommen. Diese Menschenzoo-Freunde zappen dann auch erbarmungslos bei jedem sofort weiter, der nicht verrückt daher kommt oder keine expliziten Einblicke gewährt. Sie müssen meist nicht oft F9 drücken. Deshalb warnt auch das in Mainz sitzenden Zentralstelle jugendschutz.net, dass Chatroulette ungeeignet ist für Kinder und Jugendliche.

    Der 17-jährige Ternowskij findet es zumindest in seinen öffentlichen Bekundungen auch nicht gut, wie manche die Seite nutzten. Das Missfallen hat sich aber bislang immerhin in einem Meldeknopf für anstößige Inhalte niedergschlagen. Und dann ist da noch der Hinweis auf der Seite, dass Teilnehmer älter als 16 und bekleidet sein müssen. Eine Anmeldung ist aber nicht nötig.

    Der Erfolg der erst im November gestarteten Seite, die auch über Berichte bei Twitter und bei YouTube hochgeladene Videos rasend schnell bekannt wurde, weckt Begehrlichkeiten. So sind bereits einige Seiten entstanden, die nach dem gleichen Prinzip funktionieren. Und der 17-jährige Jungen aus Moskau, der für seine Freunde etwas programmiert hatte, hört sich in den USA an, was im Investoren zu bieten haben. Anders als viele Nutzer vor den Kameras gibt er sich da aber zugeknöpft.


    Lars Wienand aus Berlin, von der Blogger-Konferenz re-publica.de/10/

     

    Nachtrag nach Hinweis von Twitterer Homie50: Zwischenzeitlich hat es Chatroulette auch live ins Fernsehen geschafft - mit den zu erwartenden Bildern. Einen Ausschnitt aus der n-tv-Sendung gibt es auf seinem Blog.

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