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    BerlinKommunikationsmittel und Waffe in einem

    Das Telefon hat unsere tägliche Kommunikation stark verändert. Dies liege vor allem an der Nähe, die das Telefon suggeriert, erklärt Lioba Nägele vom Museum für Kommunikation in Frankfurt im Gespräch.

    Lioba Nägele
    Lioba Nägele
    Foto: dpa

    Berlin - Das Telefon hat unsere tägliche Kommunikation stark verändert. Dies liege vor allem an der Nähe, die das Telefon suggeriert, erklärt Lioba Nägele vom Museum für Kommunikation in Frankfurt im Gespräch.

    Welche Bedeutung hatte das Telefon früher?

    In seinen Anfangsjahren blieb es zunächst ein Medium, das geschäftlich genutzt wurde. Der Telefonanschluss war ein teures Vergnügen, das sich bei Weitem nicht alle leisten konnten. Die Vorteile dieses neuen Mediums wurden lange nicht erkannt. Es kostete anfangs mühsame Überzeugungsarbeit, Interessenten zu gewinnen.

    Wann gab es den Durchbruch?

    Ein wirklich massenhaft verbreitetes Medium ist das Telefon erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts geworden. In der DDR war ein Telefonanschluss überhaupt nicht selbstverständlich, und auch in der Bundesrepublik gab es in den 60er- und 70er-Jahren noch Wartezeiten.

    Welche Bedeutung hat das Telefon heute für die Menschen?

    Für viele ist das Handy heute sehr viel mehr als ein Gegenstand, es ist fast schon ein Teil der Persönlichkeit. Der Zwang, ans Telefon zu gehen, ist offensichtlich fast unausweichlich. Wir kennen das alle: Wenn wir in einem Gespräch sind und das Telefon klingelt, geben wir oft dem Telefon den Vorrang, also einem Nichtanwesenden, und setzen die Anwesenden zurück.

    Gibt es weitere Nachteile?

    Man kann es als Waffe benutzen wie jedes andere Medium auch. Diese besondere Qualität des Telefons, dass es uns ganz nahe kommt über die Stimme, macht Leute angreifbar. Wir haben die Telefonseelsorge, aber auch den Telefonterror.

    Gibt es bei uns Menschen, die kein Telefon benutzen?

    Ich glaube, der Alltag heute ist ohne Telefon nur schwer zu meistern. Die Ausgrenzung aus einer Gesellschaft, in der ständige Erreichbarkeit ein hohes Gut geworden ist, ist für viele kaum vorstellbar. Aber es gibt Menschen, die ausprobieren, wie der Alltag ohne Telefon und Internet funktioniert.

    Welchen Einfluss hat das Internet auf unser Telefonierverhalten?

    Wir beobachten, dass die Medien sich zunehmend überlagern. Früher war die E-Mail an den Computer gebunden, und das Telefon war zum Sprechen da. Aber das ist mit den Smartphones verschmolzen. Für heutige - vor allem jugendliche Nutzer - ist das Handy Zugangsmedium für alle Ebenen.

    Stehen uns noch große Änderungen bevor?

    Die Geschichte des Telefons ist voll von unerwarteten Wendungen. Es gab auch immer wieder Sackgassen wie zum Beispiel das Bildtelefon, das mit großen Erwartungen verknüpft war, sich aber in der Praxis nicht massenhaft verbreiten konnte. Ich bin gespannt, wohin uns dieses Medium begleitet.

    Das Gespräch führte Helen Hoffmann

    Das Telefon, der Revolutionär - Vor 150 Jahren wurde der Fernsprecher vorgestelltRZ-Kommentar: Edgar Konrath zur Evolution des Telefons
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