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    MainzTravestie-Komiker Kay Ray: Exentrisch, schockend, schräg

    Kay Ray ist eine Diva. Mit seinen Ferkeleien versetzte der Travestie-Komiker sein Publikum in Mainz in Schockstarre - gleichzeitig konnte es sich vor Lachen nicht mehr halten.

    „Ich singe immer so lange, bis es jedem gefällt, und das kann lange dauern“: Kay Ray im Mainzer Unterhaus Foto: Julia Rau
    „Ich singe immer so lange, bis es jedem gefällt, und das kann lange dauern“: Kay Ray im Mainzer Unterhaus
    Foto: Julia Rau

    Mainz - Kay Ray hat sich übernommen, nun ruft er nach seinem Pianisten: „Falk, Faalk, mach das da weg.“ Mit „das da“ meint der Comedian die nicht mehr ganz junge Frau, die er sich aus dem Publikum auf die Unterhaus-Bühne geholt hat. Die Dame hatte sich wenig damenhaft benommen, sie johlte ins Programm, grölte Kommentare und störte tüchtig. Ein dezentes „Weiß Ihr Heimleiter, dass Sie hier sind?“ half nicht, also setzte Kay Ray auf Schocktherapie und bat den lästigen Gast zu sich. Doch nun plappert dieses Geschöpf fleißig weiter. Der Künstler wendet sich ans Publikum: „Sie fassen's auch nicht, oder?“

    Eigentlich war Kay Ray mit Falk Effenberger nach Mainz gekommen, um sein neues Programm „Haarscharf“ vorzustellen. Erst mal klappte das auch wunderbar. Sein Anzug glitzert zartrosa bis zitronengelb, und die Haare stehen einwandfrei zu Berge, als der androgyne Punk eine erste Ballade ins Mikro schmettert. Neckisch legt er sich die Federboa um den Hals und wedelt damit. „Es gibt bestimmt wieder Leute unter Ihnen, die denken, dieses Tier wurde tot geschlachtet. Nein es wurde von Naturschützern tot gequatscht.“

    Ein schönes Stichwort, denn quatschen wird dieser geschminkte Kerl in den nächsten drei Stunden reichlich. Kay Ray erinnert sich an seine Kindheit: „Ich gehöre noch zu der Generation, der man zum Geburtstag die Augen verbunden hat, um sie mit dem Kochlöffel gegen die Wand zu schicken. Wenn ich den Topf fast gefunden hatte, hat meine Oma ihn mit dem Fuß ein Stück weiter gestoßen.“ Kay Ray erinnert sich an seine Zeit als jugendlicher Stricher und an seine Ausbildung als Friseur. Dazwischen rülpst er sich einen: „Ups, da war Frikadelle von gestern dabei.“ Oder er erzählt fiese Witze: „Was ist der Unterschied zwischen Lady Di und den Ostdeutschen? Die Ostdeutschen haben die Mauer überlebt.“ Und dann singt er wieder, diesmal Lenas Hit „Satellite“. Kay Ray röhrt, schnurrt, schmettert und setzt auf große Gesten, egal in welchem Song. Er ist eine Diva.

    Das alles könnte peinlich wirken, doch dieser besondere Typ macht ein Fest daraus. Er darf Ferkeleien sagen, bei denen die Leute sich normalerweise angewidert abwenden. In seiner Mischung aus Hommage und Persiflage werden Pop-Hits zu schrägem Kult. „Für alle, die neu sind: Diese Show ist voller Pannen und Löcher“, meint der 45-Jährige. Und: „Ich singe immer so lange, bis es jedem gefällt, und das kann lange dauern.“

    Tatsächlich gefällt es dem Publikum ungeheuer, auch wenn der ein oder andere schon mal in Schockstarre verfällt. Die einzige Panne lauert in der zehnten Reihe. An ihr scheitert sogar das Schlappmaul Kay Ray. Doch selbst das passt irgendwie zu diesem merkwürdigen Abend. Kay Ray kann man nur hassen oder lieben. Für beides gibt es gute Gründe. Doch ein Erlebnis ist er allemal.

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