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    MainzNarrhallamarsch wurmt das Ohr seit 1844

    Es gibt kaum noch ein Entrinnen: Die Fastnacht steht an. Wir haben uns das am häufigsten gespielte Lied der Mainzer Saalfastnacht näher angeguckt.

    Diese historische Ausgabe des Narrhallamarschs erschien 1866 in Mainz im Verlag B. Schotts Söhne. Repro: Bernd Eßling
    Diese historische Ausgabe des Narrhallamarschs erschien 1866 in Mainz im Verlag B. Schotts Söhne. Repro: Bernd Eßling

    Mainz - "Heile, heile, Gänsje" kennt jeder. Auch "Am Rosenmontag bin ich geboren" mitzusingen, führt auch in angeheitertem Zustand noch zu akzeptablen Ergebnissen.

    Aber die am häufigsten gespielte Melodie der Mainzer (Saal)-Fassenacht mitzuträllern, ist schon schwieriger: Der Narrhallamarsch, die musikalische Antwort auf die Frage "Wolle mer se roilasse?", stammt ja auch aus einer französischen Oper. Und deren Komponist kann gar nichts dafür.

    Adolphe Adam schrieb die 1839 uraufgeführte Oper "Der Bauer von Preston". Aus dem zu Recht vergessenen Werk überlebten nur einige melodische Bausteine. Die aber traten als "Mainzer Narrhallamarsch" ihren Siegeszug um die Welt an. Warum es den Mainzer Carl Zulehner nach Österreich verschlagen hatte, wo er Militärkapellmeister wurde, liegt im Dunkel der Geschichte. In den 1830er-Jahren war Zulehner wieder in seiner Heimatstadt und gehörte zu den Neubegründern der Fassenacht. Er war Gründungsmitglied des Mainzer Carneval Vereins MCV und deren "närrischer Direktor". Da er im Hauptberuf Profi-Musiker und Tonsetzer war, klaute er beim Kollegen Adam und formte jenen Ohrwurm mit dem charakteristischen Triller auf der langen dritten Note.

    Der Text gibt Historikern bis heute Rätsel auf. "Ritzamba, Ritzamba, morje geht die Fastnacht an" soll angeblich den Namen eines französischen Besatzungsgenerals verballhornen.

    "Damals galten noch nicht so die Urheberrechte", sagt der Mainzer Musikwissenschaftler und Musikredakteur Christian Pfarr. "Zulehner hat sich das so zurechtgefummelt, wie er es brauchte." Uraufgeführt wurde der Marsch 1844 im "Frankfurter Hof" in der Augustinerstraße. Noch heute birgt das Archiv des Schott Verlags einige Exemplare des wunderschön gestalteten frühen Notendrucks für Klavier aus den 1850er-Jahren. Seither entstanden unzählige Versionen, vom Bläserensemble über Saxofon bis zum Salonorchester. Schott exportiert Noten nach USA und Asien. Der selbsternannte "Karnevalsverein" Mainz 05 zum Beispiel jagt bei jedem Heimspiel-Tor eine Aufnahme durch die Stadion-Anlage.

    Selbst der musikalische Grenzgänger Frank Zappa entdeckte den Marsch als kurioses Zeugnis deutschen Brauchtums: Bei einem seiner letzten Konzerte in der Frankfurter Oper erklangen ein paar Takte und ein Mitglied des "Ensemble Modern" forderte das Publikum auf: "Laugh now!" - "Lachen Sie jetzt". Claudia Renner

    Übrigens: Wer nun seine Liebe zum Narrhallamarsch entdeckt hat, kann ihn sich auf der Homepage des Mainzer Carneval-Vereins auch als Klingelton fürs Handy herunterladen. Viel Spaß beim Reinhören: www.mainzer-carneval-verein.de/uploads/media/narrhalla-marsch_ungeschnitten.mp3

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