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    Ganz Ohr in Koblenz: Literatur in ihren Anfängen

    Koblenz. Da kommt das Meer zu Besuch und schwappt über. Da lehnt sich eine alte Frau gegen die Gentrifizierung auf. Und da umkreist ein guter Gedanke den nächsten, entfernt sich, nähert sich wie auf einer Umlaufbahn. Diese drei Sätze fassen komprimiert drei Texte zusammen, die frischer literarischer Stoff sind. Sie stammen von drei jungen Menschen, die sich dem Schreiben verschrieben haben. Nadine Kaufmann, Deborah Kötting und Stefan Wipplinger. Schon mal gehört? Nein? Schade, überrascht aber auch nicht wirklich.

    Nachwuchsliteraten, die fürs Theater schreiben: Stefan Wipplinger (von links), Deborah Kötting und Nadine Kaufmann  Foto: Anke Mersmann
    Nachwuchsliteraten, die fürs Theater schreiben: Stefan Wipplinger (von links), Deborah Kötting und Nadine Kaufmann
    Foto: Anke Mersmann

    Von unserer Redakteurin Anke Mersmann

    Bei treuen Besuchern des Theaters Koblenz könnte womöglich etwas klingeln, aber: Die drei haben noch keine klangvollen Namen, bei denen massenhaft Theater- und Literaturfans aufhorchen. Sie sind als Autoren, als Dramatiker noch nicht etabliert und standen gerade deshalb jetzt im Mittelpunkt bei den Koblenzer Literaturtagen. Im Zuge von „Ganz Ohr“ ging es am Dienstagabend auf der Probebühne 4 des Theaters Koblenz um Nachwuchsliteraten, denn genau das sind Kaufmann, Kötting und Wipplinger: Sie sind fundiert ausgebildete Autoren am Anfang ihres Weges, der im Zuge von „Ganz Ohr“ beleuchtet werden sollte.

    Die drei sind Absolventen des Studiengangs „Szenisches Schreiben“ an der Universität der Künste in Berlin. Wer dort studiert, will danach Texte fürs Theater schreiben – was die drei bereits erreicht haben. Sie sind in dieser Spielzeit Hausautoren am Theater Koblenz, das mit dem Studiengang in Berlin kooperiert. Für das Theater bringt diese Zusammenarbeit den Vorteil, dass die jungen Autoren die dramaturgische Arbeit am Haus mit frischen Impulsen bereichern. Deborah Kötting hat mit Intendant Markus Dietze an der Textfassung zu „Hamlet“ gearbeitet. Stefan Wipplinger schrieb an der Fassung zum Schauspiel „Die Abenteuer des Joel Spazierer“ nach dem Roman von Michael Köhlmeier. Und Nadine Kaufmann wird sich im April beim neuen Projekt des Jugendklubs des Theaters dramaturgisch einbringen. Welche Stimmungen, Themen, Bilder und Gedanken aber Texte transportieren, die komplett aus ihrer eigenen Feder stammen, zeigte sich auf der Probebühne 4.

    Dort lesen die Autoren nicht selbst, das überlassen sie den Schauspielern Raphaela Crossey, Magdalena Pircher und David Prosenc. Die sind schließlich versiert darin, Worte nicht nur zu lesen, sondern ihnen den richtigen Klang zu geben und sie zum Leben zu erwecken.

    Einen eher experimentellen Charakter hat der Text von Deborah Kötting. „Orbit“ wirkt die eine Sammlung von Gedanken, von dramatisch reflektierten Beobachtungen im Alltag und der Gesellschaft. Nadine Kaufmann greift prosaisch schön in „Marta sitzt es aus“ das Thema Gentrifizierung auf. Stefan Wipplingers Text „Als das Meer einer Einladung nachzukommen durchaus im Stande war“ ist humorvoll und entlarvend bissig zugleich. Sein Stück ist schon etwas länger in der Welt, während seine Kolleginnen eigens für den „Ganz Ohr“-Abend geschrieben haben – und ihre Worte auf der Probebühne tatsächlich erstmals hören. Ein wichtiger Moment, wie sie sagen. „Als junger Autor bekommt man auf dramatische Texte kaum eine Rückmeldung. Hier an so einem Abend die Reaktionen der Zuhörer verfolgen zu können, ist etwas Besonderes“, sagt Deborah Kötting.

    Dass junge Autoren wie sie und ihre Kollegen und vor allem ihre Texte bei in einem Festival aufscheinen dürfen, bei dem solch bekannte Namen wie Benedict Wells, Harald Martenstein und Zsuzsa Bánk am Lesepult Platz nehmen, spricht für die große Bandbreite von „Ganz Ohr“ – und den Anspruch, Literatur umfassend zu würdigen. Also nicht nur solche, die in Buchform massenhaft Leser findet. Sondern auch jene Worte, die quasi frisch aufgeschrieben sind oder so in Koblenz noch nie zu hören waren – eben junge Literatur in ihren Anfängen.

    Infos zum Literaturfestival unter www.koblenz-ganzohr.de

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