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    KoblenzGänsehaut mit Mozart und Mahler in Koblenz

    Zwischen wuchtiger Erhabenheit und lyrischer Innerlichkeit: In der Koblenzer Sporthalle bot das 2. Anrechtskonzert des Musik-Instituts einen kontrastreichen Abend, an dem sich Geister auch scheiden konnten.

    Unter der Leitung der Mainzer Generalmusikdirektorin Catherine Rückwardt musizierten die Staatsorchester aus Mainz und Koblenz gemeinsam  in Gustav Mahlers zweiter Sinfonie.
    Unter der Leitung der Mainzer Generalmusikdirektorin Catherine Rückwardt musizierten die Staatsorchester aus Mainz und Koblenz gemeinsam in Gustav Mahlers zweiter Sinfonie.
    Foto: Thomas Frey

    Koblenz. Zwischen wuchtiger Erhabenheit und lyrischer Innerlichkeit: In der Koblenzer Sporthalle bot das 2. Anrechtskonzert des Musik-Instituts einen kontrastreichen Abend, an dem sich Geister auch scheiden konnten.

    Der begann mit kleinem Orchester für Mozarts 5. Violinkonzert. Dann schwoll er zum Großereignis: Unter Stabführung von Catherine Rückwardt realisierte ein opulenter Apparat aus vereinten Staatsorchestern Mainz und Koblenz nebst Domchor Mainz sowie Gesangssolistinnen Kerrie Sheppard und Mareike Braun die zweite Sinfonie von Gustav Mahler.

    Für das Violinkonzert haben sich die tonangebenden Damen, Rückwardt und Geigensolistin Isabelle Faust, auf eine Interpretation geeinigt, die manchen Zuhörer, sagen wir: verblüfft. Sie nehmen den Fuß vom Gas, distanzieren sich vom gewohnten Tempo, von der üblichen Dynamik. Stattdessen Reduktion allenthalben und Suche nach inneren Werten. Nicht nur der riesigen Halle wegen wirkt das Mozart-Stück plötzlich zart, zierlich, klein – gewinnt aber in so kunstvoller Schlichtheit enorm an Ernst, Poesie, humaner Größe.

    Isabelle Faust macht aus ihrer Partie dichterische Empfindsamkeit, die jeden Ton, jede Phrase erspürt wie der Poet die rechte Silbe, das richtige Wort, den geeigneten Vers. Selbstbewusst in klarer Tongebung, an passender Stelle auch keck und feurig, prägt sie das Geschehen. Und doch entsagt die Solistin aller Eitelkeit, verschmilzt musikalisch fabelhaft mit dem kleinen Orchester aus Koblenzer Philharmonikern, das die Mainzer Dirigentin zu schöner Geschlossenheit, Feinheit, Präzision führt.

    Ist bei Mozart diese Interpretation Geschmackssache, so ist es bei Mahlers „Auferstehungssinfonie“ seit jeher das Werk selbst. Viele sehen in dem fast 90-minütigen Giganten eine der bewegendsten Schöpfungen klassischer Musik. „Ketzer“ halten Mahlers Zweite eher für einen überdimensionierten Flickenteppich beeindruckender Ideen, deren Fülle es aber an Konzentration mangele. Dirigent Hans von Bülow soll Mahler 1893 beschieden haben: „Wenn das noch Musik ist, dann verstehe ich nichts mehr von Musik.“

    Geschmäcker ändern sich: Das Publikum in Koblenz lässt sich mehrheitlich betören, hinreißen, erschüttern von Mahlers Werk und der Umsetzung durch den rheinland-pfälzischen Großklangkörper. Rückwardts Aufmerksamkeit gilt insbesondere der Ziselierung rhythmischer Strukturen und der Ausformung eigener Klangfarben-Poesie. Das gelingt beim gemischten Riesenapparat zwar nicht in derselben Perfektion wie zuvor beim Mozart-Orchester. Aber die gemeinsame Arbeit zeitigt gerade in den leisen Passagen instrumental wie choristisch berückende Ergebnisse. Über die pathetisch auftrumpfenden Teile nur dies: Wie hier mit Emphase gespielt, geht's ohne Gänsehaut nicht ab.

    Informationen zur Konzertreihe unter www.musikinstitut-koblenz.de

    Andreas Pecht

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