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  • Lesung Maria W. Peter stellt zum Abschluss der Koblenzer Literaturtage ihren neuen historischen Roman vor

    Fesselnde Reise in die Zeit des Festungsbaus: Historischer Roman widmet sich Festung Ehrenbreitstein

    Koblenz. Mit ihrem neuen historischen Roman „Die Festung am Rhein“ versteht es die Autorin und Journalistin Maria W. Peter nicht nur zu unterhalten, sondern auch historische Fakten akribisch genau, aber trotzdem eindrucksvoll zu vermitteln – sie hebt sich damit in einer Szene ab, die von sehr unterschiedlichen Qualitäten geprägt ist.

    Eingerahmt von der Gruppe Rheinisches Fußartillerie-Regiment Nr. 9 stellte Maria W. Peter ihr neues Buch vor.  
    Eingerahmt von der Gruppe Rheinisches Fußartillerie-Regiment Nr. 9 stellte Maria W. Peter ihr neues Buch vor.  
    Foto: Reinhard Kallenbach

    Von unserem Mitarbeiter Reinhard Kallenbach

    „Ein Knall zerriss die Stille, Schmerz jagte durch seinen Körper und explodierte in seinem Kopf. Er konnte nicht mehr atmen, die Zügel entglitten seinen Händen. Und er stürzte in tiefe Dunkelheit.“ Ein Auftakt, der Spannung verspricht und von Waterloo direkt nach Koblenz führt. In diesem Stil macht Maria W. Peter weite und hebt sich mit Stil und Faktenakribie in einer Szene ab, die von sehr unterschiedlichen Qualitäten geprägt ist.

    Wer die Autorin bislang noch nicht kannte, hatte am Sonntag bei der Abschlussveranstaltung der Koblenzer Literaturtage 2017 Gelegenheit zu einer Annäherung. Die Koblenz-Touristik, die Generaldirektion Kulturelles Erbe, die Buchhandlung Reuffel und weitere Partner hatten zur szenischen Lesung in den Kuppelsaal geladen. Mit dabei: Die Gruppe Rheinisches Fußartillerie-Regiment Nr. 9.

    Historischer Roman führt ihns Jahr 1822 zurück

    Zunächst wollten die erst um 1845 eingeführten Pickelhauben nicht so richtig zum Buch passen, dessen Handlung bereits im Juni 1822 beginnt. Gästeführer Manfred Böckling alias Gefreiter Böckling löste diesen Konflikt elegant. Er versetzte die Besucher in das Jahr 1907, dann passte es wieder. Auch damals wurde ein Festungsjubiläum gefeiert. Vorweg gab es die wichtigsten Basisinformationen zur Koblenzer Geschichte im frühen 19. Jahrhundert. Ein Beispiel: Die von der Obrigkeit angeordneten Pflichteinsätze beim Festungsbau gab es nur in der Anfangszeit, sie wurden später durch regulär bezahlte Auftragsarbeit ersetzt.

    Diese Praxis galt bereits, als Maria W. Peter mit der Haupthandlung ihres bei Bastei-Lübbe erschienenen, mehr als 600 Seiten starken Opus beginnt. Ihr Werk erzählt damit nicht nur ein Drama rund um Intrige und Verrat, sondern auch von Profiteuren des Festungsbaus, der auch ein Beitrag zur Wirtschaftsförderung in Koblenz und Ehrenbreitstein war.

    Roman als Gesellschaftspanorama

    Idealismus, Loyalität, Opportunismus und Gewissenskonflikte, die das Zeug haben, ganze Familien zu zerstören: Der Roman lebt von Spannungsfeldern, die gekonnt gepflegt werden. Romanheldin ist Franziska Berger, die nach dem Tod des Vaters auf dem Schlachtfeld von Köln nach Koblenz umziehen muss, weil ihre Mutter verarmt ist. Im Hause des Onkels wird sie als Haushaltshilfe ausgenutzt. Man lässt sie spüren, dass ihr Vater Franzose war – seit dem Wechsel der Stadtherren hatte sich viel geändert.

    Sehr schnell folgt der nächste Schicksalsschlag. In ihrem Beisein wird ihr Bruder Christian, der als Soldat im Dienst der Preußen steht, verhaftet. Der Vorwurf: Verrat von Geheimnissen beim Bau der Festung Koblenz und Ehrenbreitstein. Franziska ahnt die Willkür und will dem Bruder helfen. Sie ist dabei ausgerechnet auf die Unterstützung des preußischen Leutnants Rudolph Harten angewiesen, mit dem sie bei ihrem ersten zufälligen Treffen aneinandergeraten war. Doch auch Harten zweifelt: Er weiß, dass man ein so großes Bauvorhaben nicht verstecken kann.

    Der Handlungsrahmen könnte für eine perfekt-leichte Urlaubslektüre ohne großen Anspruch stehen. Doch genau das ist die „Festung am Rhein“ nicht. Die Dankesliste für die Experten und das historische Glossar spiegeln die lange und akribische Recherche der Autorin wider, die sich auch gründlich in die Topografie der damaligen Zeit hineingedacht hat. Ihre Beschreibungen erzeugen Bilder im Kopf, die an Werke von Konrad Zick und George Clarkson Stanfield erinnern. Es kommt nicht von ungefähr, dass später auch ein schottischer Maler in die Handlung eintritt.

    Auch mit ihrem Stil hebt sich Maria W. Peter von anderen ab. Da war niemand am Werk, der eine unvollendete wissenschaftliche Arbeit zu einem langatmigen Roman umgearbeitet hat. Peters Sprache ist frisch, einfach und präzise. Eine ihrer Romanfiguren spricht sogar Kowelenzer Platt

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