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    KoblenzFamilienausstellung auf der Festung Ehrenbreitstein gestartet: Von der deutschen Liebe zum Wilden Westen

    Von Rothäuten und Bleichgesichtern - das Koblenzer Landesmuseum erzählt die Erfolgsgeschichte des Western aus deutscher Perspektive. Mitmachen wird dabei groß geschrieben.

    Das Klischee, wie ein echter Indianer auszusehen hat, sitzt fest in unseren Köpfen – spätestens seit Buffalo Bill um 1900 solche „echten“ Indianer in seiner Show auftreten ließ. Diesen Stereotypen spürt aktuell eine Ausstellung im Landesmuseum Koblenz auf der Festung Ehrenbreitstein nach.
    Das Klischee, wie ein echter Indianer auszusehen hat, sitzt fest in unseren Köpfen – spätestens seit Buffalo Bill um 1900 solche „echten“ Indianer in seiner Show auftreten ließ. Diesen Stereotypen spürt aktuell eine Ausstellung im Landesmuseum Koblenz auf der Festung Ehrenbreitstein nach.
    Foto: GDKE/Ulrich Pfeuffer

    Von unserer Reporterin Charlotte Krämer-Schick

    Trotzig singt die junge Gitte Haenning vor 40 Jahren: „Ich will nen Cowboy als Mann“. Dabei kommt es ihr damals, im Jahr 1963, gar nicht aufs Schießen an, wie sie in dem inzwischen zum Evergreen gewordenen Superhit trällert. Im Gegenteil – sie weiß, „dass so ein Cowboy küssen kann“. Im selben Jahr begeistern Pierre Brice und Lex Barker als Winnetou und Old Shatterhand im Kino ein Millionenpublikum, und die Cartwrights in „Bonanza“ führen im Fernsehen ein männerdominiertes Leben auf ihrer Ponderosa-Ranch – die Faszination für den Wilden Westen mit schießwütigen Cowboys und skalpierenden Indianern ist auf ihrem Höhepunkt.

    Unter dem Titel „Cowboys und Indianer – Made in Germany“ lädt das Landesmuseum Koblenz bis zum 29. Oktober auf der Festung Ehrenbreitstein dazu ein, der deutschen Liebe zu Rothäuten und Bleichgesichtern auf den Grund zu gehen. Denn sie fing weit früher an, als mit Schlagern und Filmen der 1950er- und 60er-Jahre.

    Bereits um die Jahrhundertwende wurden vor großem Publikum Büffel gejagt und Postkutschen überfallen – William Frederick Cody alias Buffalo Bill tourte mit seiner Wild-West-Show 30 Jahre lang durch die USA und Europa. Und machte damit auch in Koblenz halt. Am 5. September 1906 baute er mit seinem Tross eine riesige Zeltstadt auf und entführte Tausende Koblenzer in die Welt der Cowboys und Indianer – eine mit Klischees beladene Inszenierung, die die Vorstellung des Wilden Westens noch immer prägt. Bis heute sind Federschmuck und Friedenspfeife ein Muss bei Indianerkostümen.

    Eine Ausstellung zum Mitmachen: Kleine und große Besucher dürfen sich verkleiden und in einem Tipi Platz nehmen.
    Eine Ausstellung zum Mitmachen: Kleine und große Besucher dürfen sich verkleiden und in einem Tipi Platz nehmen.
    Foto: GDKE/Ulrich Pfeuffer

    Auch das Koblenzer Landesmuseum, das die Schau aus dem Badischen Landesmuseum in Karlsruhe übernommen hat, greift diese Klischees auf. Allerdings trennt sie sie nach west- und ostdeutscher Rezeptionsgeschichte der Abenteuererzählungen von Cowboys und Indianern. Während die Bewohner der ehemaligen DDR Museen und ethnologische Fachbücher als Inspirationsquellen nutzten – bei ihnen galten die Cowboys als die Antihelden der Westerngeschichten, sie waren der Inbegriff des bösen Kapitalismus –, hielt sich in Westdeutschland das verkürzte Bild des skalpierenden, wilden Indianers. Diese Stereotype sind es, die dem Besucher durch zahlreiche Schautafeln, Hörstationen, Exponate und Fotografien deutlich gemacht werden. Sie aufzulösen, ist nicht Ziel der Ausstellung, vielmehr sollen sie Groß und Klein dazu ermuntern, sie zu erkennen und bestenfalls zu hinterfragen.

    Tipp für Familien:

    Am Sonntag, 18. Juni, findet ein Kinder- und Familienfest statt. Vor dem Museum wird eine 30 Meter lange Wild-West-Fassade aufgebaut, in der waschechte Cowboys und Indianer aus den USA mit ihren Pferden den Wilden Westen hautnah erlebbar machen.

    Apropos Klischee: Das Verkleiden – ob als Cowboy oder Rothaut – ist beim Besuch der Familienausstellung ausdrücklich erwünscht. Direkt am Eingang stehen Kostüme bereit, um Gäste in Wild-West-Stimmung zu bringen. Und viele Stationen laden zum Mitmachen ein, ob Gitarre spielen am Lagerfeuer, ein Wurfspiel im Saloon oder Vorlesen im Tipi. Das Reiten auf kleinen Spielzeugpferden ist allerdings den kleinen Besuchern vorbehalten. Und noch mehr: Sie können auch in einer Prärielandschaft auf Felsen klettern.

    Erwachsene schwelgen derweil in Erinnerungen. Spielzeug von anno dazumal, Pierre Brice' Originalkostüm samt Autogramm, „Bonanza“-Kassetten und „Bravo“-Starschnitte werden manch einen sicherlich an seine frühen Jugendtage erinnern. Dazu noch die passende Musik – von Gitte Haenning bis zu den modernen Cowboys der Band The BossHoss – und Ausschnitte aus Westernfilmen des vergangenen Jahrhunderts – von „Der Kaiser von Kalifornien“ aus dem Jahr 1936 bis zum „Schuh des Manitu“ von 2001 – machen die Illusion des Ausflugs in den Wilden Westen rund.

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