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    KoblenzDas Sommerfestival der starken Frauen: Mittelrhein Musik Festival stellt Programm vor

    Startschuss in die Festivalsaison: Das Mittelrhein Musik Festival bietet 21 Konzerte und setzt dabei vor allem auf ein möglichst breites Publikum. Außerdem ist das Programm um einiges jazziger als bislang und eine neue Trägerkonstruktion gibt es auch.

    Ihr einziges Deutschlandkonzert führt die fünffache Grammy-Preisträgerin und Jazzdiva Dianne Reeves (links) am 4. Juli auf die Koblenzer Festung Ehrenbreitstein.
    Ihr einziges Deutschlandkonzert führt die fünffache Grammy-Preisträgerin und Jazzdiva Dianne Reeves (links) am 4. Juli auf die Koblenzer Festung Ehrenbreitstein.
    Foto: Agentur/MittelrheinMusikFestival

    Von unserem Kulturchef Claus Ambrosius

    Viele Festivalmacher drücken sich – verständlicherweise – um eine Definition, was eigentlich den Kern ihres Festivals ausmacht. Klar, das schönste, beste und überhaupt tollste Festival von allen sind eben – alle. Aber was macht den Kern ihres Angebots aus? Sonja Kitz hat im vergangenen Jahr leicht überfallsmäßig die künstlerische Leitung beim Mittelrhein Musik Festival übernommen, ist jetzt als Geschäftsführerin und Festivalleiterin fest im Sattel und auch keine Freundin großer Worte: „Das ist ganz einfach. Im Zentrum unseres Festivals stehen die sehr schönen Spielorte entlang und rund um das Welterbegebiet.“ Ja nun – und was ist mit dem Anspruch an das Programm? „Wir möchten möglichst viele unterschiedliche Menschen ansprechen.“

    Eindeutig jazzigere Note

    Was beim ersten Hören nach einem Allgemeinplatz klingen mag, verliert diesen Ruch sofort, wenn Sonja Kitz ihr erstes komplett selbstverantwortetes Programm vorstellt: Wenn sie auf das einzige Deutschlandkonzert der fünffachen Grammy-Gewinnerin und Jazzdiva Dianne Reeves mit Leuchten in den Augen und in der Stimme einschwört, will man am 4. Juli auf der Festung Ehrenbreitstein unbedingt dabei sein. Selber Effekt beim Doppel-Perkussionsabend in der Sayner Gießhütte am 9. Juni: Keine Frage, die neue Festivalleiterin kann aus eigener Begeisterung heraus andere mitreißen, ihr eigenes Jazzfaible schlägt sich ein bisschen auch im Programm nieder, nicht zuletzt, wenn zum Abschluss Nils Landgren auftreten wird, einer der sowohl künstlerisch als auch in Sachen Popularität ganz großen europäischen Jazzmusiker.

    Viele bekannte Namen im Programm

    Wer nur rasch über das Programm sieht, wird doch ziemlich oft an bekannten Namen hängen bleiben: Jan Gregor Kremp, bekannt aus dem Fernsehen als „Der Alte“, gehört zur Kategorie Prominenter plus Musik, die beim MMF immer wieder mit großem Erfolg aus dem Hut gezogen wurden. Und trotzdem ist in diesem Jahr beileibe nicht der Eindruck der Beliebigkeit vorherrschend, zeigt sich sogar ein Profil, mit dem das Festival erstaunlicherweise gar nicht wirbt: Mit Dianne Reeves, aber auch mit Chansonette Jasmin Tabatabai, den Sängerinnen wie Schauspielerinnen Helen Schneider und Maren Kroymann sowie der portugiesischen Fado-Sängerin Gisela Joao hat das MMF eine Garde starker Frauen am Start, die als Galionsfiguren locker ausreichen und mit Publikumszuspruch auf breiter Basis rechnen dürften.

    Nach langem Hin und Her: Festival wird jetzt von einer gGmbH getragen

    Wäre ein Festival im Aktienindex geführt: Das Mittelrhein Musik Festival (MMF) wäre in seinen 17 Jahren immer wieder als interessante, mitunter aber auch ziemlich riskante Wertanlage durchgegangen. Auf künstlerische und wirtschaftliche Kursspitzen folgten Täler der Unsicherheit und Beliebigkeit. Auch der gelegentliche Trägerwechsel ließ immer wieder die Frage aufkommen: Wie ist es um die Zukunft des MMF bestellt?
    Ein langjähriges Ziel – die dauerhafte Übergabe der wirtschaftlichen Verantwortung und damit auch der Haftung bei eventuellen Defiziten in die öffentliche Hand – ist nun erst einmal aus dem Fokus genommen, denn in diesem Jahr wurde die gemeinnützige gGmbH gegründet und somit eine neue Rechtsform gefunden. Und überhaupt stehen die Zeichen nach vielen Jahren des Probierens auf Kurs „Professionalisierung“.
    Gesellschafter und größter Unterstützer des neuen Trägers ist, wie zuvor auch bei der Bürgerbewegung MMF, der Verein der Festivalfreunde. Dessen neuer Vorsitzender Uwe Hüser, für die Grünen von 2012 bis 2016 Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, übernimmt das Amt aus den Händen des langjährigen Vorsitzenden Hans-Dieter Gassen, auch sonst ist der Verein personell umgekrempelt.
    Und als Geschäftsführerin und Festivalleitung hat der Verein die von ihrer Veranstaltungsleitung bei der Koblenzer Bundesgartenschau und ihrem Einspringen im Festival-Vorjahr bestens bekannte Sonja Kitz verpflichtet: Auf den Kurstrend des MMF in diesem Sommer darf man gespannt sein.


    Nun gibt es unter den 21 Programmpunkten natürlich nicht nur starke Frauen zu entdecken. Liebgewonnenes aus jüngsten oder auch aus ersten Festivaljahren ist wieder dabei wie die Kooperationen gleich zu Festivalbeginn mit dem Koblenz Guitar Festival, zwei Programmpunkte mit Ensembles der Singschule Koblenz, eine Musikalische Weinprobe oder auch „Picknick und Klassik im Park“ mit dem Staatsorchester Rheinische Philharmonie.


    Dazu macht Festivalleiterin Kitz bei der Programmvorstellung eine Bemerkung, die Nachfragen herausfordert: „Wenn Sie das Picknickkonzert im Kurpark Bad Salzig erleben wollen, sollten sie es in diesem Jahr tun.“ Man weiß offenbar nicht, ob es weiterhin so stattfinden kann. Warum? Durch den Wandel der Trägerstruktur ist auch die langjährige Kooperation mit dem Staatsorchester aufgekündigt und Geschichte: „Das ist nun eben nicht mehr für uns, als könnten wir uns aus dem eigenen Haus bedienen“, erklärt Sonja Kitz. In diesem Jahr kommt das Konzert noch einmal als Kooperation zustande, wie es dann in den kommenden Jahren aussehen wird, ist offenbar noch Verhandlungssache.
    Und, wenn wir dabei sind: Der Programmpunkt Klassik ist, abgesehen vom Auftakt mit dem Tölzer Knabenchor, der mit zusätzlichen Männerstimmen und Solisten in die Pilgerkirche anreist, dem Orchester der Mainzer Hochschule für Musik und dem Konzert des Trios Panta Rhein, ziemlich übersichtlich ausgefallen. Im Angesicht der Besucherzahlen kann das eine wirtschaftlich nachzuvollziehende Entscheidung sein: Eine klare Ansage ist es allemal, und die öffnet anderen Veranstaltern wieder Nischen, die es zu erobern gilt.

    • Karten unter Telefon 0651/979 07 77 und bei allen Ticket-Regional-Vorverkaufsstellen

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