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    KoblenzDas neue Mittelrhein-Museum

    Sind die letzten Stufen der Wendeltreppe erreicht, soll der Besucher des Mittelrhein-Museums direkt der Kunst begegnen. Auf der Treppenschwelle im ersten Obergeschoss des Forum Confluentes, wo künftig die Dauerausstellung des Museums zu sehen ist, will Museumsdirektor Markus Bertsch die Gäste nicht erst mit einem Blick in die Historie aufhalten.

    Museumsdirektor Markus Bertsch: "Ich will die Leute mit der Kunst abholen."
    Museumsdirektor Markus Bertsch: "Ich will die Leute mit der Kunst abholen."
    Foto: Denise Remmele

    Von unserer Redakteurin Anke Hoffmann

    Ursprünglich hatte das Konzept vorgesehen, im Eingang die Geschichte des Hauses seit seiner Gründung 1835 anzureißen. Das ist Bertsch zu didaktisch. "Ich will die Leute mit der Kunst abholen", sagt er.

    Mittelalterliche Skulpturen als Blickfänge

    Erreichen möchte er dies, indem er gleich im Eingangsbereich Hauptwerke der Sammlung mittelalterlicher Skulpturen ab dem 13. Jahrhundert zeigt, in mehreren Registern, auf unterschiedlichen Sockeln. Blickfänge sollen sie sein, die die Besucher in die Präsentation ziehen. Die Historie des Hauses findet sich stattdessen an der Eingangswand zum inneren Parcours, der sogenannten "Kulturhistorischen Achse".

    Die Schwerpunktverlagerung vom Historischen hin zur Skulptur ist eine der wenigen Änderungen, die Markus Bertsch im Konzept des Mittelrhein-Museums vorgenommen hat. Erarbeitet wurde es noch von seinen Vorgängern Dieter Marcos und Mario Kramp. Es umzusetzen, liegt an Bertsch, der im März 2012 sein Amt antrat - also in einer Zeit, in der die Planungen für das Mittelrhein-Museum am neuen Standort abgeschlossen waren.

    Selbst wenn er konzeptionell nur noch bedingt mitgestalten konnte - mit der Ausrichtung kann sich Bertsch gut identifizieren, wie er stets betont: Geteilt in einen inneren und äußeren Bereich, dokumentiert das Museum im äußeren Rundgang chronologisch die Kunst vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Im inneren Bereich, der über diverse Durchgänge zu den Sälen des äußeren Parcours durchlässig ist, werden Werke passend zu kunst- und kulturhistorischen Themen präsentiert und oftmals regionale Bezüge gestiftet.

    Gut durchdacht auf dem Papier, ist es nun an Markus Bertsch, den Neustart des Museums einzuleiten, der Kunst im Praktischen ein neues Zuhause zu geben. Insofern: Die Dauerausstellung hat er mit Mitarbeiterinnen seines Hauses längst kuratiert. Ausgewählt sind weniger Exponate, als im Konzept festgehalten waren: "Ich musste entschlacken. Es werden etwa 500 Bilder, Grafiken und Skulpturen sein", sagt Bertsch. Das sind einige Objekte weniger - weggelassen aus Platzgründen, der Wirkung der Kunst zuliebe.

    Zwar ist die Fläche für die Dauerausstellung etwa 1700 Quadratmeter groß und damit doppelt so weitläufig wie im alten Mittelrhein-Museum am Florinsmarkt. Dennoch ist es in manchen Bereichen wegen Rundungen der Wände oder wegen Durchgängen und sich daraus ergebenden Blickachsen schwer, dort Gemälde zu hängen. Zudem: Markus Bertsch will die Sammlung zwar vollumfänglich abbilden, dies aber sinnvoll tun und die Schau nicht überfrachten. Voll sind die Wände ohnehin, teilweise werden die Bilder im Abstand von 40 Zentimetern hängen - "das ist nicht gerade viel", erläutert Bertsch. Im Epochenraum zum 18. Jahrhundert komme er nicht umhin, die Gemälde an einigen Stellen in zwei Registern zu hängen. Hier zeigt sich, dass das Mittelrhein-Museum eine relativ umfangreiche Sammlung zur Malerei des 18. und 19. Jahrhunderts besitzt. Geht es um Werke des 19. Jahrhunderts, um die Arbeiten der Rheinromantik, hat der Museumsleiter die Ausstellungsfläche sogar etwas erweitert, um mehr zeigen zu können.

    Augenfällig ist das Farbkonzept, das Markus Bertsch für das Museum ausgewählt hat - es weicht ebenfalls vom ursprünglichen Plan ab. Seitens der planenden Architekten war vorgesehen, die Wände einheitlich in einem Weiß- oder einem Sandton zu streichen. "Das war zu monoton, gerade auch mit der Farbe des Eichenparketts, museal völlig untypisch für Altmeisterbestände", sagt Bertsch.

    Mit seinem Team erarbeitete er in den zurückliegenden Monaten einen Farbfächer, der den Besucher durch die Epochenräume leiten soll. Kein einfaches Unterfangen, da in den Blickachsen in den Durchgängen vom äußeren zum inneren Rundgang optische Unruhen entstehen könnten, was bei der Auswahl der Farben zu bedenken war - die zudem noch zu den Epochen beziehungsweise zu den kulturhistorischen Themenabschnitten passen sollten. Im Ergebnis sind die Wände in dunklen und helleren Blautönen gehalten, in einem Taubengrau und einem entsättigten Rot. Die Räume, in denen zeitgenössische Kunst präsentiert wird, sind weiß geblieben, dies sind der Einzelsaal für Werke von K. O. Götz und seiner Frau Rissa sowie der Saal für Heijo Hangen und andere Vertreter der konkreten Kunst.

    Weiß bleibt auch der Raum für Sonderausstellungen im Kellergeschoss des Kulturbaus. 360 Quadratmeter sind dort zu bespielen, kein leichtes Unterfangen, der Raum hat es mit seinen gerundeten Wänden in sich. Es ist nicht ganz einfach, dort Kunst zu präsentieren: Flächen für großformatige Arbeiten sind überschaubar, Bertsch behilft sich, indem er zwischen den Stützsäulen zusätzliche Wände einziehen lassen wird. Auf diese Weise entstehen kleinere Kabinette im Saal.

    Ausreichend Lagerfläche in den Depots im Untergeschoss

    Froh ist Markus Bertsch über die geräumigen Depots im Untergeschoss. In mehreren Räumen bieten sich Lagermöglichkeiten, von denen am Florinsmarkt nur zu träumen war - insbesondere für die Gemälde. Dort lehnten sie in Jahrzehnte alten Holzgestellen, im Kulturbau werden moderne Schieberegalsysteme aufgestellt. "Werke vernünftig lagern zu können, ist auch im Hinblick auf Kooperationen mit anderen Häusern und ihre Leihgaben wichtig", sagt Bertsch. Bei schlechten Bedingungen würden Bilder gar nicht erst ausgeliehen - doch auf das Gegenteil ist der Museumsdirektor angewiesen, will er Sonderausstellungen konzipieren. Dafür will er stärker mit Häusern auch außerhalb von Rheinland-Pfalz zusammenarbeiten, als dies bislang der Fall gewesen ist.

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