40.000
  • Startseite
  • » Kultur
  • » Abseits der Berlinale zeigt Hauptstadt ein zweites Filmfest: Im Babylon laufen Independentstreifen
  • Aus unserem Archiv

    Mainz/BerlinAbseits der Berlinale zeigt Hauptstadt ein zweites Filmfest: Im Babylon laufen Independentstreifen

    Rund um den Potsdamer Platz glitzert und funkelt Berlin. Gerade jetzt zur Berlinale. Doch ein paar Straßen weiter dreht sich alles um den Film. Denn zeitgleich zur Fest der silbernen und goldenen Bären läuft das Berlin Independent Filmfestival - es ist das Filmfest der Unabhängigen.

    Seltsame Gestalten tummeln sich in Jennifer von Schuckmanns Debütkurzfilm "Cabaret Voltaire". In einem Klub mit 20er-Jahre-Atmosphäre treibt ein Mörder sein Unwesen. Premiere feierte der Kurzfilm auf dem Berlin Independent Film Festival. Ein wichtiger Treffpunkt für unabhängige Filmemacher.
    Seltsame Gestalten tummeln sich in Jennifer von Schuckmanns Debütkurzfilm "Cabaret Voltaire". In einem Klub mit 20er-Jahre-Atmosphäre treibt ein Mörder sein Unwesen. Premiere feierte der Kurzfilm auf dem Berlin Independent Film Festival. Ein wichtiger Treffpunkt für unabhängige Filmemacher.

    Von unserem Redakteur Michael Defrancesco

    Auf dem roten Teppich zeigen die Weltstars des Kinos Lächeln und nackte Haut, auf den Partys wird Edles genippt und gekippt und Exquisites verzehrt. Es ist Berlinale. Ein paar Straßen weiter sieht es dunkler aus. Nebenstraße. Ein altes Kino. Menschen stehen davor, rauchen, parlieren. Sind nicht in Nerz und Armani gekleidet. Sind tätowiert, gepierct, manche haben die Augen dunkel geschminkt. Das Kino heißt nicht "Palast". Es heißt "Babylon" und es ist die Heimat des Filmfestes der Unabhängigen.

    Das Berlin Independent Film Festival - kurz BIFF - versammelt Jahr für Jahr unabhängige Filmemacher aus aller Welt. Sie stellen ihre Filme vor - Träumereien und Albträumereien -, unabhängig von großen Studios auf eigene Faust finanziert. Viel Liebe und viel privates Geld steckt hinter jedem Werk, entsprechend kurz sind die Filme in der Regel.

    Mainzerin gibt ihr Filmdebüt

    Neu dabei ist dieses Jahr Jennifer von Schuckmann. Die 28-jährige Frankfurterin studiert Mediendesign an der Hochschule Mainz und hat es mit ihrem aktuellen Kurzfilm "Cabaret Voltaire" zum BIFF geschafft. Noch mehr: Ihr Film eröffnet den Kurzfilmabend. "Ich bin geehrt und nervös", sagt die junge Frau und lächelt etwas verlegen. Von diesem Moment hat sie geträumt, seit sie im Alter von sechs Jahren Tim Burtons "Nightmare before Christmas" gesehen hatte. Vor drei Jahren beschloss sie: Sie macht ernst. "Ich schmiss das Studium der Japanologie und habe angefangen, Filme zu drehen", erzählt sie.

    Mysteriöse Filme, dunkle Filme sind ihre Sache - und so ist auch "Cabaret Voltaire". Ein Partyabend wie jeder andere im Frankfurter Nachtleben - das dachten sich Tamara, Georgi und Esra, als sie sich in den neu eröffneten Klub "Cabaret Voltaire" begaben. Doch dort angekommen, scheint überhaupt nichts normal zu sein. Der Klub reizt mit schrägen Typen, kunterbunten Artisten und der Atmosphäre des Cabarets der 20er-Jahre. Die drei ergeben sich dem bunten Treiben und ihrem unerwarteten Schicksal, denn im "Cabaret Voltaire" treibt ein Mörder sein Unwesen. Welche der illustren Gestalten mag es wohl sein?

    Wer die skurrilen und teils androgynen Figuren im Klub beobachtet, der ahnt eine weitere Leidenschaft der jungen Filmemacherin: "Gender ist mein großes Thema", sagt sie. Ihr nächster Film soll sich auch explizit mit dem Auflösen von Geschlechterrollen beschäftigen. "Er wird sehr körperlich werden, deshalb ist es für mich wichtig, mit Schauspielerin zusammenzuarbeiten, denen ich vertraue." Freya Kreutzkam zum Beispiel. "Sie ist mein Johnny Depp", sagt Jennifer von Schuckmann lächelnd, mit Blick auf ihr Vorbild Tim Burton und dessen enge Bindung an Depp.

    Mainzer Studentin ist in Berlin dabei: Jennifer von Schuckmann zeigt im Babylon ihr 14-minütiges Filmdebüt.
    Mainzer Studentin ist in Berlin dabei: Jennifer von Schuckmann zeigt im Babylon ihr 14-minütiges Filmdebüt.
    Foto: Michael Defrancesco

    Spendenfinanzierte Filmarbeit

    Jan Czmok und seine Mainzer Firma Spektrumfilm haben die junge Filmemacherin unterstützt - neben zahlreichen anderen privaten Geldgebern. Crowdfunding nennt man dieses Finanzierungsmodell heutzutage. "Jeder Filmemacher fängt in der Regel mit Kurzfilmen an", sagt Czmok. Das Problem: "Kurzfilme haben keine Plattform, sie finden kaum Beachtung." Umso wichtiger ist die Teilnahme an den unabhängigen Filmfestivals. "Ich habe beim Mainzer Festival FilmZ die Kurzfilmauswahl betreut, daher weiß ich, was sich für Festivals eignet", sagt er.

    Beim BIFF treffen Unabhängige andere Unabhängige, ein Branchentreff, von unschätzbarem Wert für alle, die sich ein Netzwerk aufbauen wollen. Auch wenn manch Unabhängiger auf "die Kommerziellen" schimpft - wer irgendwann von seiner Kunst leben möchte, muss auch Geld verdienen. So träumt denn auch Jennifer von Schuckmann von einem Langfilm, der ein großes Publikum erreicht. Es ist ein Weg der kleinen Schritte. Und das nächste unabhängige Festival wartet schon: Die Venice Film Week in Italien hat "Cabaret Voltaire" in ihr Programm aufgenommen.

    Das Licht im kleinen, etwas abgewohnten Kinosaal wird gedimmt. Das Kino wirbt für Vorführungen mit seiner Original Kinoorgel von 1929. Es ist Zeit für "Cabaret Voltaire": 14 Minuten Mystik, dann kraftvoller Applaus - und rauschende Party. Feiern können sie auch, die Unabhängigen.

    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik
    Claus Ambrosius 

    Leiter Kultur

    Claus Ambrosius

     

    Kontakt per Mail

    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

    Redakteurin Kultur

    Anke Mersmann

     

    Kontakt per Mail

    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

    Redakteurin Kultur

    Melanie Schröder

     

    Kontakt per Mail

    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!