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    Neuwied100 000 Fans fiebern mit den Rennfahrern

    Kaum zu glauben, aber fünf Jahre lang war die Deichstadt ein Mekka des Motorsports. Von 1946 bis 1950 dröhnten durch die Straßen der Neuwieder Innenstadt die Motoren von Motorrädern. 60 Jahre nach dem letzten Rennen "Quer durch Neuwied" erinnert im Kreismedienzentrum eine umfangreiche Ausstellung an die glorreiche Vergangenheit.

    Menschenmassen an Start und Ziel - sogar auf den  Bäumen - und von Sicherheitsvorkehrungen keine  Spur. Die gibt es nur auf kurvenreichen Streckenabschnitten. Sie  bestehen lediglich aus Strohballen. Und selbst die sind im Jahr 1946  knapp.
    Menschenmassen an Start und Ziel - sogar auf den Bäumen - und von Sicherheitsvorkehrungen keine Spur. Die gibt es nur auf kurvenreichen Streckenabschnitten. Sie bestehen lediglich aus Strohballen. Und selbst die sind im Jahr 1946 knapp.

    Neuwied - Kaum zu glauben, aber fünf Jahre lang war die Deichstadt ein Mekka des Motorsports. Von 1946 bis 1950 dröhnten durch die Straßen der Neuwieder Innenstadt die Motoren von Motorrädern. 60 Jahre nach dem letzten Rennen "Quer durch Neuwied" erinnert im Kreismedienzentrum eine umfangreiche Ausstellung an die glorreiche Vergangenheit.

    Spätsommer 1946: Große Teile der Stadt Neuwied sind noch ein Trümmerfeld, als am 8. September 1946 die Startflagge für das erste Motorradrennen "Quer durch Neuwied" geschwenkt wird. Die teilweise ausgebombten Gebäude bieten eine pittoreske Kulisse für den Rennspektakel - und den zahllosen Zuschauern Sitz- und Stehmöglichkeiten mit bestem Ausblick über das spannende Renngeschehen. Rund 70 000 Zuschauer drängen sich um den 5,2 Kilometer langen Rundkurs. 1947 werden 80 000 gezählt, ein Jahr später steigert sich die Zahl auf mehr als 100 000.

    Willi Gabrich, Leiter des Kreismedienzentrums Neuwied, ist noch heute fasziniert von dem damaligen Großereignis: "Ein Jahr nach Kriegsende war das Leben noch ein Provisorium. Die Französische Militärregierung hatte das Sagen. 37 Prozent der Häuser in Neuwied waren von Bomben zerstört, zahlreiche Straßen beschädigt. Aber die Menschen wollten wieder etwas Positives sehen." Das erklärt wohl die ungeheure Anziehungskraft, die das Rennen ausübte.

    Als der Startschuss fällt, säumen rund 70 000 Menschen die Straßen, ein Vielfaches der damaligen Bevölkerung von Neuwied, die 1946 gerade mal 20 500 Köpfe zählte (bis 1950 wird sie auf 24 000 Einwohner anwachsen). Die Zuschauer kommen sogar aus England, Belgien und Frankreich.

    Anfang Juli, rund zwei Wochen vor dem großen Rennen, fegt ein gewaltiges Unwetter über den Kreis Neuwied - etwa 95 Prozent der Ernte werden vernichtet, zahllose Dächer abgedeckt und Häuser beschädigt (der Winter 1946/47 wird als Hungerwinter in die Geschichtsbücher eingehen). Auch die Wetterkatastrophe kann die Vorfreude auf das Rennen nicht schmälern. Die Organisatoren müssen mit zahlreichen Problemen kämpfen: An den Sonntagen herrscht eigentlich ein von der französischen Militärregierung erlassenes Fahrverbot. Wer beim Rennen starten will, muss Benzin und auch Lebensmittelkarten mitbringen. Neben der Motorrad-Rennfahrerelite von Deutschland, die bereits wieder ganz gut ausgestattet ist, gehen auch Neuwieder Lokalmatadore an den Start. Die haben es ungleich schwerer. Ihre Rennmaschinen sind teilweise Marke Eigenbau. Der Begeisterung tut das keinen Abbruch.

    60 großformatige Fotos lassen in der Ausstellung des Kreismedienzentrums die ganz besondere Rennatmosphäre so kurz nach dem Krieg wieder lebendig werden. So zeigt ein Schnappschuss jubelnde Kinder und Erwachsene vor und auf den Trümmern eines ausgebombten Hauses (später wird dort einmal das Ford-Autohaus Sattler stehen, inzwischen auch wieder verschwunden).

    Wer das erste Rennen in der Deichstadt sehen will, muss 4 beziehungsweise 6 Reichsmark zahlen. Hört sich nach viel Geld an - aber für Münzen und Scheine bekam man in der damaligen Zeit kaum etwas. Die Lebensmittel waren rationiert, Zigaretten als Tauschware sehr begehrt.

    Die Ausstellung wird ergänzt durch einen 14-minütigen, von Thomas Wagenknecht zusammengestellten Film auf DVD, für den Gerd Anhäuser vom Stadtarchiv Originaltonmaterial zur Verfügung stellte und in dem außerdem auch einige Zeitzeugen zu Wort kommen. Ulrich Hild, der in den 70er-Jahren auch die "Revival-Rennen" in der Deichstadt organisierte, steuerte ein Originalplakat aus der Nachkriegszeit bei.

    Bleibende Erinnerung an die Ausstellung wird eine 20-seitige Broschüre des Kreismedienzentrums sein. Die Texte stammen von Friedel-Wulf Kupfer, dem Leiter des Archivs des Kreismedienzentrums, das Layout übernahm Silke Läufer-Hammes, die Covergestaltung Christopher Heumann. Das Heft enthält alte Fotos, Anekdoten, die Streckenführungen und die Namen der Neuwieder Fahrer. Hinzu kommt ein besonderes Schmankerl: Abgedruckt ist ein Würfelspiel, das speziell zu den Rennen von Ernst Augner entwickelt wurde.                                                                                               Gudrun Kaul

     Die historische Fotoausstellung zu den Motorradrennen "Quer durch Neuwied" wird von Freitag, 16. April, bis Donnerstag, 17. Juni, im Kreismedienzentrum Neuwied, Beverwijker Ring 5, gezeigt. Geöffnet ist sie montags bis donnerstags von 8 bis 16.30 Uhr sowie freitags von 8 bis 12 Uhr.

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