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    RZ-Kommentar: Das Aufräumen am Flughafen Hahn muss weitergehen

    Am Ende blieb der Landesregierung keine Wahl: Das Zerwürfnis zwischen dem neuen Hahn-Geschäftsführer Heinz Rethage auf der einen Seite und dem kaufmännischen Geschäftsführer Wolfgang Pollety sowie Aufsichtsratschef Hans Endler auf der anderen Seite war nicht mehr zu kitten. 

    Dietmar Brück
    Dietmar Brück

    Dietmar Brück kommentiert

    Letztlich lief alles auf die eine entscheidende Frage hinaus: Er oder wir? Da Infrastrukturminister Roger Lewentz (SPD) kaum seinen frisch installierten Sanierer in die Wüste schicken konnte, hatten Pollety und Endler zunehmend schlechtere Karten. Rethage abzulösen, wäre als herbe politische Niederlage für Lewentz und die rot-grüne Landesregierung gewertet worden. Die galt es mit dem hektisch eingefädelten Personalwechsel unbedingt zu vermeiden.

    Zudem hat sich im Innenministerium und in der Staatskanzlei die Erkenntnis durchgesetzt, dass an einem druckvollen Sanierungskurs kein Weg vorbeiführt. Die roten Zahlen am Hunsrück-Airport sprechen eine unmissverständliche Sprache. Und die vielen Unregelmäßigkeiten, die nach und nach ans Licht kommen, lassen einen tiefen Schnitt als unvermeidlich erscheinen. Vor allem die Grünen machen hier Druck. Sie sind von den Netzwerken rund um den Hunsrück-Flughafen kaum betroffen und sehen den Flughafen von jeher kritisch. Aber auch das Trommeln vieler Wirtschaftsvertreter für eine konsequente Konsolidierung blieb in Mainz nicht ohne Wirkung.

    Pollety und Endler konnten am Ende nur ihren Rückzug anbieten. Schon vor Wochen hieß es in Mainz, dass der 74-jährige Aufsichtsratschef nicht die Zugkraft entfaltete, die man sich bei seiner Verpflichtung erhofft hatte. Der frühere Fraport-Manager ging mit ruhiger Hand zu Werke, obwohl der Hahn mehr und mehr in die Krise rutschte. Zudem machte er einen taktischen Fehler, als er dem ungestümen Rethage das Mandat zur Aufklärung zahlreicher Unstimmigkeiten entzog. Der kaufmännische Geschäftsführer Pollety, über dessen Schicksal nun letztlich der neue Aufsichtsratschef Salvatore Barbaro entscheidet, muss sich vorhalten lassen, dass er als Herr der Zahlen eine Mitverantwortung für die prekäre Lage des Flughafens trägt. Seine guten Ansätze in der Anfangszeit blieben irgendwann im Hahn-Dickicht stecken. Doch auch das muss klar gesagt werden: Endler und Pollety zum Sündenbock für die Schieflage des Airports zu machen, wäre mehr als unredlich.

    Die größte Verantwortung tragen der alte Flughafenchef Jörg Schumacher und seine engsten Mitstreiter. Sie haben eine Unternehmenskultur etabliert, in der sich der Hahn ganz offenbar in Richtung Selbstbedienungsladen entwickelte. Da wird noch viel aufzuarbeiten sein. Unverständlich ist, warum die Flughafengesellschaft vom Aufsichtsrat und der Landesregierung nicht enger kontrolliert und geführt wurde. In Sachen Wirtschaftskompetenz stellt sich hier vor allem die SPD kein gutes Zeugnis aus. Aber auch die CDU, die in dem Kontrollgremium mit im Boot saß, ist nicht außen vor. Daran ändert auch der überraschende Rückzug des Christdemokraten Hans-Josef Bracht nichts. Wenn er lange Zeit so schlecht und unzureichend informiert wurde, wie er beklagt, warum ist er dann bis gestern geblieben? Oder zieht sich die CDU aus der Mitverantwortung, um die Flughafenpolitik künftig härter attackieren zu können?

    Die wichtigste Frage indes ist, wie es mit dem Sanierungskurs weitergeht. Bislang existiert nur ein Plan. Nun kommt die Phase der Umsetzung. Die ist vergleichsweise härter. Aufsichtsratschef Barbaro und Hahn-Geschäftsführer Rethage werden gute Nerven und einen langen Atem brauchen, wenn sie den Hunsrück-Flughafen auf Kurs bringen wollen. Sie müssen aufräumen und zugleich aufbauen – das Unternehmen wie die Mitarbeiter. Der Hahn braucht ein breites Bündnis derer, die guten Willens sind und sich nichts haben zuschulden kommen lassen. Der Flughafen Hahn hat gute Zukunftschancen, wenn jetzt die richtigen Weichen gestellt werden. Gestern wurde ein erster Schritt zu Gesundung des Unternehmens getan. Das ist ein Anfang – mehr nicht.

    E-Mail: dietmar.brueck@rhein-zeitung.net

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