Das problematische bei Erwartungen an Politik und Wirtschaft ist: Sie treten nicht immer ein. Manchmal bleiben sie nur Hoffnungen. Gerade in Zeiten wie diesen, in denen sich die Krisen mehren oder einfach nicht verschwinden wollen, ist das ein Zustand, der viele Menschen beunruhigt.
Die Psychologie (oder ganz bodenständige Lebenserfahrung) hat für solche Situationen einen Trick entwickelt: Wer seine Erwartungen immer wieder überprüft und vielleicht auch anpasst, wird tendenziell weniger enttäuscht. „Erwartungsmanagement“ heißt das in der Sprache der Volkswirtschaft.
„Der Rahmen muss spätestens Mitte 2027 stehen“
Aber was bedeutet das? Natürlich kann es heilsam oder wenigstens erholsam wirken, nicht ständig zu viel zu erwarten. Nur: Wer gar nichts mehr erwartet und von anderen fordert, der kommt auch nicht mehr voran. Was also tun in Zeiten, in denen die Wirtschaft nach wie vor nicht recht vom Fleck kommt, sich immer neuen Herausforderungen stellen muss und die Bundesregierung den nötigen Rahmen noch nicht geliefert hat oder bislang vielleicht auch noch nicht liefern konnte?

Ralf Kölbach und Lars Hennemann haben wegen der Bedeutung dieser Fragen das Erwartungsmanagement ins Zentrum der neuesten Folgen des „Business Talk“ von Rhein-Zeitung und Weserwaldbank gestellt. Kölbach, Vorstandssprecher der Bank und Volkswirt, plädiert für Geduld: „Ja, der Rahmen fehlt noch. Die Regierung muss ihn auch umsetzen, bis spätestens Mitte 2027. Und manche Details schon vorher. Aber wir haben es aktuell mit derart großen Umwälzungen zu tun, dass man der Regierung die Chance dazu geben muss. Noch hat sie unsere Geduld verdient.“
„Erwartungen selbst wecken und dann enttäuschen – das geht klüger“
Allerdings tue sie auch selbst gut daran, nicht ständig neue Erwartungen zu wecken. Das sieht auch Hennemann so: „Wer ständig von großen Reformen spricht und dann nicht liefert, der darf sich nicht wundern, wenn die Bürger und die Unternehmen irgendwann gar nichts mehr erwarten außer enttäuscht zu werden. Das geht klüger und muss rasch besser werden.“
Der „Business Talk“ – die Folgen und Themen im Überblick
Der „Business Talk“ ist ein Podcast-Projekt von Rhein-Zeitung und Westerwaldbank. In ihm diskutieren Dr. Ralf Kölbach (Vorstandssprecher der Bank) und Chefredakteur Lars Hennemann, wie die globale Welt die Wirtschaft der Region beeinflusst. Eine neue Folge gibt es immer am dritten Freitag jedes Monats.
Die letzten Folgen im Überblick:
- Folge 7: In dieser Folge geht es um das Thema Geo-Ökonomie (online)
- Folge 8: In dieser Folge geht es um das Thema Bildung (online)
- Folge 9: In dieser Folge geht es um das Thema Zeit (online)
- Folge 10: In dieser Folge geht es um das Thema Erwartungsmanagement (online)










