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    Koblenz

    Musik, Fahnen, Transparente: Bunter Protest gegen ENF-Kongress

    Während in Koblenz Rechtspopulisten aus ganz Europa tagen, fordern Spitzenpolitiker aus dem In- und Ausland bei einer Kundgebung Toleranz und Weltoffenheit. Zusammen mit Tausenden Demonstranten.

    Mit Luftballons, bunten Fahnen und Plakaten sind rund 5000 Demonstranten zusammengekommen.
    Mit Luftballons, bunten Fahnen und Plakaten sind rund 5000 Demonstranten zusammengekommen.
    Foto: Annette Hoppen

    Rote Luftballons, farbenfrohe Klamotten und ein Fahnenmeer: Das Motto der Kundgebung „Koblenz bleibt bunt“ bewahrheitet sich am Samstag auch optisch. Livemusik heizt bei Frost den 5000 Demonstranten ein. Kleinkinder auf Schultern, Eltern, Jugendliche, Senioren - die Altersspanne ist weit bei dem Protest gegen einen Kongress der EU-Parlamentsfraktion „Europa der Nationen und der Freiheit“ (ENF) am Deutschen Eck.

    „Wir feiern hier ein demokratisches Volksfest gegen die, die in unserer Stadt nichts zu sagen haben“, ruft der Koblenzer Oberbürgermeister Joachim Hofmann-Göttig (SPD). In der Rhein-Mosel-Halle dagegen herrsche bei den Rechtspopulisten, wie er gehört habe, „pure NPD-Stimmung“. Und während die Vereidigung Donald Trumps in der Kongresshalle für Begeisterung sorgt, löst die Erwähnung des neuen US-Präsidenten vor der Halle laute „Buh“-Rufe aus.

    Angemeldet waren zunächst nur 500 Demonstranten, dann sprachen die Veranstalter von 1000 - später sind es nach Polizeiangaben erst 3000 und schließlich 5000. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) freut sich, „dass Ihr so zahlreich gekommen seid. Aus meiner Sicht ist das die beste Antwort, die man geben kann“, ruft sie mit Blick auf das Treffen, an dem unter anderem die AfD-Chefin Frauke Petry und die französische Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen teilnehmen.

    Deren Koblenzer Versammlungsort bewachten Polzisten auch in der vorangegangenen eiskalten Nacht. Anwohner hätten heißen Tee vorbeigebracht, berichtet ein Beamter am Morgen, das habe ihn sehr gefreut. Auch am Samstag trotzen die Demonstranten, die gekommen sind, noch leichten Minusgraden. So wie Markus aus der Eifel: „Ich bin hier, um Flagge zu zeigen und als ein Gegengewicht gegen Nationalismus und Rassismus“, sagt der 48-Jährige.

    Die gebürtige Iranerin Jenik demonstriert vor allem gegen Rassismus, wie sie sagt. Sie gehöre der dortigen christlichen Minderheit an und wolle in Frieden leben und arbeiten, sagt die 50-Jährige, die in Andernach lebt. „Deutschland darf nicht in einem braunen Sumpf versinken, das hat die Menschheit schon einmal erlebt.“

    Felix aus Koblenz sagt, er wolle eine bunte Stadt - getreu dem Motto der von einem breiten Bündnis aus Gewerkschaften, Parteien, Kirchen und Verbänden organisierten Demo. „Nie wieder Faschismus!“ steht auf einem Transparent, „Nazis entgegentreten“, „Nationalismus birgt keine Zukunft“ und „Menschenrechte statt rechte Menschen“ auf anderen.

    Dass die Antwort auf Rechtspopulismus auch musikalisch sein kann, zeigt sich am Samstag gleich mehrfach: Die Wintersonne spiegelt sich in den Blechinstrumenten des Staatsorchesters Rheinische Philharmonie, als die Demonstranten bei der Tagungshalle der Rechtspopulisten Beethovens „Ode an die Freude“ schmettern. „Alle Menschen werden Brüder“, heißt es in der offiziellen Europahymne beispielsweise. Und auch am Schluss erklingt Musik: Das „Projekt Tonspuren“ rockt die Gegendemo, eine Band mit jungen Flüchtlingen, die viele Demonstranten zum Tanzen bringen. 

    Dann löst sich die Demonstration auf, bis dahin ist alles friedlich geblieben. Das galt auch für eine vorübergehende Sitzblockade einer von mehreren Zufahrtsstraßen zur Kongress-Halle am Morgen. SPD-Parteichef Sigmar Gabriel sah sich kurzzeitig von linksgerichteten Demonstranten umzingelt, die Polizei musste ihn abschirmen. Zu Gewalt sei es dabei aber nicht gekommen, sagt ein Sprecher.

    Gabriel begegnete augenscheinlich Antifa-Leuten, die ihn erkannten und auf ihn zukamen. Personenschutz und Polizei mussten kurz einschreiten. Es sei aber nichts Wesentliches passiert.
    Gabriel begegnete augenscheinlich Antifa-Leuten, die ihn erkannten und auf ihn zukamen. Personenschutz und Polizei mussten kurz einschreiten. Es sei aber nichts Wesentliches passiert.
    Foto: dpa

    Von Jens Albes und Isabell Scheuplein, dpa

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