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Assmannshausen

Wildes in der Rotweinzone: Die Assmannshäuser Kräuterwirte laden zum Stelldichein ein

Torsten Schambach kocht im Hotel Zwei Mohren in Assmannshausen auf einem Logenplatz direkt am Rheinufer. Ein Blick in seine Speisekarte verrät seine Liebe zu den Kräutern, die bei seinen Gerichten der leichten mediterranen Küche sowie denen der eher klassischen und bodenständigen Küche mit viel Raffinesse eingesetzt werden.

Rudolf Liess kennt alle Wildkräuter und kann viel über ihren Geschmack und ihre Wirkung erzählen.
Rudolf Liess kennt alle Wildkräuter und kann viel über ihren Geschmack und ihre Wirkung erzählen.
Foto: Heidrun Braun

Bevor er in Assmannshausen sesshaft wurde, wo er mit seiner Frau Sandra Schambach-Unger in dritter Generation das Hotel Zwei Mohren führt, kochte Schambach auf Mallorca und in Südfrankreich. Auf der Gartenterrasse duftet es nach Kräutern, die in Terrakottatöpfen üppig wachsen. Das gefällt den Rheinsteigwanderern, Fahrradfahrern und Ausflüglern, die mit den Rheindampfern in Assmannshausen anlegen.

Die Kräuter sprießen schon im zeitigen Frühjahr direkt vor Torsten Schambachs Haustür in den Weinbergen, auf Rosseln und Rainen. Bereits im März können mit den Blättern, Blüten und Samen von Bärlauch, Gundermann, Hirtentäschel, Vogelmiere, Scharbockskraut und Knoblauchranke Salate, Suppen und Getränke verfeinert werden. Im Rüdesheimer Stadtteil Assmannshausen strahlt die Sonne besonders kräftig. Die Region am Rhein gehört zu den wärmsten in Deutschland. Die Lage in diesem besonderen Klima machte Assmannshausen vor allem wegen des exzellenten Rotweins berühmt, der auf dem Höllenberg reift. Die mediterranen Temperaturen gefallen sowohl den heimischen Kräutern als auch den aus dem Mittelmeerraum stammenden Pflanzen.

Die meisten Kräuter für seine Gerichte sammelt Schambach selbst und ist für seine Gäste nicht nur kundiger Ansprechpartner zu diesem Thema, sondern zeigt ihnen auch, was man aus Kräutern alles machen kann. Zum Beispiel Kräutersalz. Dafür werden die vorher selbst gesammelten Kräuter im Mörser fein zermahlen und mit Hagel- und Rotweinsalz vermischt. Bei dieser Arbeit erhöht die „Wilde Hilde“ die Motivation. Das ist ein bunter Cocktail aus trockenem Riesling, Gin, Tonic, Holunderblütensirup, Gurke, Zitrone, Minze und Blütenblättern.

Gaby und Holger Altenkirch vom Gasthof Schuster, Birgit und Konrad Berg von Berg’s Alter Bauernschänke und Pernille Klingenburg vom Hotel Unter den Linden teilen die Kräuterleidenschaft von Torsten Schambach. Gemeinsam sind sie seit 2015 die Kräuterwirte von Assmannshausen, die den Kräutergarten im Weinberg für ihre Küche entdeckten und die kulinarische Vielfalt der Region mit Kräutermenüs, Veranstaltungen und geführten Kräuterwanderungen schmackhaft machen.

Ein exklusiver Kräutertag startet in Rüdesheim am frühen Vormittag mit einer Seilbahnfahrt über die Rebenlandschaft zum Niederwalddenkmal. Nach einem Spaziergang durch den Osteinschen Landschaftspark geht es mit dem Sessellift hinunter nach Assmannshausen zum Start der Kräuterwanderung, bei der sich die Kräuterwirte an verschiedenen Stationen vorstellen und bei einem gemeinsam ausgerichteten Abendbüfett alle Register ihrer Kochkunst ziehen.

Kräuterwanderungen in Assmannshausen führen über den rund acht Kilometer langen Wildkräuterweg vorbei am berühmten Höllenberg, alten Bruchsteinmauern, lichten Waldrändern und artenreichen Wiesensäumen durch die Weinberge. Infotafeln erklären 20 Wildkräuter, wie zum Beispiel Rauke, Fenchel oder Schildampfer. Kundiger Führer auf dieser Strecke ist der unbestrittene Kräuterexperte des Weinortes, Rudolf Liess. Selbst gelernter Koch und Konditor, verschlug ihn die Liebe zur Bäckerstochter einst nach Assmannshausen. Die tollen Panoramaausblicke über den Ort und das Rheintal geraten bei der Wanderung schnell in den Hintergrund, denn die Augen sind öfter auf den Boden gerichtet, wo die vielen Kräuter wachsen und blühen, an denen man gemeinhin achtlos vorbeiläuft. Liess kennt sie alle und weiß eine Menge über ihren Geschmack und ihre Wirkungen zu erzählen.

Am Samstag, 21. April, laden die Kräuterwirte zur „Kulinarischen Assmannshäuser Kräuterwanderung“ ein, die ganz im Zeichen von Spätburgunder und Wildkräutern steht. Nach einem Spaziergang durch den Kräutergarten der Weinberge steht ein frisches, regionales Vier-Gänge-Menü mit dem jeweils dazu passenden Wein auf dem Programm. Die Hauptrolle aber spielen die Kräuter, wenn der Fjordlachs mit Spargelterrine, das Rieslingsüppchen mit Knoblauchranke und Vogelmiere, Vitello Goethe (dünn geschnittenes Rindfleisch mit grüner Soße) und Törtchen von Löwenzahn und Frischkäse mit Veilchensorbet auf den Tisch kommen (Preis pro Person 59 Euro). Am selben Wochenende öffnet an beiden Tagen von 10 bis 18 Uhr der Assmannshäuser Kräutermarkt im Garten der Pfarrkirche mit Produkten und Geschenkideen rund um die Kräuter sowie Snacks und Getränken der Kräuterwirte. Am 24. März und am 28. April führt Rudolf Liess über den Wildkräuterweg. Die Wanderungen beginnen jeweils um 15 Uhr an der Pfarrkirche in Assmannshausen, dauern zwei bis drei Stunden. Die Teilnahme kostet pro Person 6 Euro. Für die Wanderungen kann man sich direkt bei Rudolf Liess, Telefon 06722/1823 anmelden. Weitere Termine in diesem Jahr sind der 26. Mai, 16. Juni, 14. Juli, 18. August, 15. September und 13. Oktober.

Heidrun Braun

Informationen zu den Veranstaltungen der Kräuterwirte gibt es bei der Rüdesheim Tourist AG, Rheinstraße 29a, Rüdesheim am Rhein, Telefon 06722/906.150, www.ruedesheim.de oder www.wildes-in-der-rotweinzone.de (dort können die Angebote auch gebucht werden)

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