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    Kell am See

    Geheimnisvolles Moor liegt im Hochwald

    Kell am See. Siebenstern, Sonnentau, Moosbeeren – die Namen der Moorpflanzen klingen wie aus einem Märchen der Brüder Grimm entnommen. Aus den Märchen haben wir schon als Kinder gelernt, dass es gefährlich ist, durchs Moor zu gehen, denn da gab es geheimnisvolle Moorgeister, die unter Nebelschwaden in die Irre führten. Später kamen schaurige Kriminalgeschichten dazu, in denen Leute auf Nimmerwiedersehen im Moor verschwanden – nasse Füße sind da noch das wenigste, was einem im Moor zustoßen kann. Mit gebührendem Respekt machten die Menschen seit Jahrhunderten einen großen Bogen um die Moore oder legten sie trocken.

    Der Knüppeldamm aus Fichtenrundhölzern schützt vor nassen Füßen. Fotos: Heidrun Braun/Rheinland-Pfalz-Tourismus
    Der Knüppeldamm aus Fichtenrundhölzern schützt vor nassen Füßen. Fotos: Heidrun Braun/Rheinland-Pfalz-Tourismus

    Das brachte neue Fläche für die forstwirtschaftliche Nutzung, war aber das Aus für Siebenstern, Sonnentau und Moosbeere. Eines der selten gewordenen Quellmoore mit intaktem Wasserhaushalt im Hunsrück, die dort Brücher genannt werden, ist der sieben Hektar große Weyrichsbruch im Osburger Hochwald in der Nähe von Kell am See. Mehr als die Hälfte des Gebietes, das in der Kernzone des Naturparks Saar-Hunsrück liegt, ist von Birkenbruchwald bestanden. Die ältesten Moorbirken, Betula pubescens, sind schon 150 Jahre alt. Sie lieben nassen und nährstoffarmen Boden und werden 15 Meter hoch. Die alten Germanen zapften aus der glatten Rinde den Birkensaft und schätzten diesen vergoren als berauschendes Getränk.

    Auch Hildegard von Bingen nannte die Birkenrinde als Heilmittel. Der Medizinprofessor Tabernaemontanus, der im 16. Jahrhundert lebte, schrieb: „Birkenwasser soll gut sein, den Stein der Nieren und Blase zu brechen und auszutreiben.“ Moore entstehen aufgrund von Wasserüberschüssen aus Niederschlägen oder Quellen und sind dauerhaft nass.

    Jedes Jahr wächst die Torfschicht, die sich aus den nicht vollständig abgebauten Pflanzenresten gebildet hat, ein klein wenig. Verwitterter Quarzit im Boden, der im Weyrichsbruch bis zu 1000 Meter in die Tiefe reicht, macht diesen besonders durchlässig und verbessert die Qualität des Wassers. So entsteht für die Moorpflanzen eine wahre Idylle. Zwischen den Moorbirken breiten sich Torfmoorpolster aus, und dazwischen wachsen Pfeifengras und Farne. Auch das selten gewordene Wollgras gedeiht hier prächtig. Einst umgaben die Quarzitrücken im Hunsrück viele Quellmoore oder Hangbrücher, die, vom niederschlags- und nebelreichen kühlen Klima und den besonderen Eigenschaften von Boden und Gestein begünstigt, über Jahrtausende entstanden.

    Schöner Blick auf die Moorbirken
    Schöner Blick auf die Moorbirken

    Die meisten verschwanden, als Mitte des 19. Jahrhunderts damit begonnen wurde, Entwässerungsgräben anzulegen, um die so gewonnenen Flächen mit zumeist Fichten aufzuforsten. Auch der Weyrichsbruch wurde ab 1850 zum großen Teil trockengelegt. Die damals angelegten Entwässerungsgräben sind heute noch zu erkennen. Erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts wurde der Wasserspiegel wieder angehoben und 1998 die letzten Altfichten aus dem Weyrichsbruch entfernt, damit sich Bäume, wie zum Beispiel die Moorbirke, ungestört entwickeln konnten. In die alten Bewässerungsgräben wurden Lärchenrundhölzer gesetzt, um ein zu schnelles Abfließen des Wassers zu verhindern. Seit dem Ende der 1960er-Jahre bewahrt ein 300 Meter langer Knüppeldamm aus Fichtenrundhölzern vor nassen Füßen beim Spaziergang durch das Moor.

    Zwischendrin ist eine erhöhte Plattform eingebaut, die einen weiten Blick in den Moorbirkenwald erlaubt. Die Passage durch den Weyrichsbruch ist ein Höhepunkt der 26. Etappe des Saar-Hunsrück-Steigs, die in Kell am See beginnt und über die Riveris-Talsperre ins Ruwertal nach Kasel führt.

    Der Saar-Hunsrück-Steig feiert in diesem Jahr seinen zehnten Geburtstag und wurde von den Lesern des „Wandermagazins“ zum zweiten Mal zu Deutschlands schönstem Weitwanderweg gewählt. Auf der rund 20 Kilometer langen 26. Etappe geht es über naturnahe Pfade vom Keller Stausee hinauf in den Osburger Hochwald. Auf der Höhe durchqueren die Wanderer den Weyrichsbruch. Durch Wald und über den Höhenrücken bei Bonerath geht es hinab zur Riveris-Talsperre und ins Ruwertal. Außerdem ist der Knüppeldamm Teil des rund zehn Kilometer langen Rösterkopf-Rundwanderweges. Der Rösterkopf ist mit mehr als 700 Meter Höhe eine der höchsten Erhebungen des Hochwaldes und gleichzeitig das Quellgebiet vieler Bäche und des Ruwer-Flusses. Heidrun Braun

    Informationen gibt es bei der Hunsrück-Touristik, Gebäude 663, Flughafen Hahn, Telefon 06543/507703, per E-Mail an info@hunsruecktouristik.de, unter www.gastlandschaften.de.

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