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DiezGrafenschloss Diez

Grafenschloss, Jugendherberge und Museum bringen Zehntausende Gäste in den einstigen Sitz der Grafen von Diez

Foto: Katrin Maue-Klaeser

Foto: Katrin Maue-Klaeser

Von unserer Redakteurin Katrin Maue-Klaeser

Mit einem metallischen Schnappen schließt sich die Schelle um den bleichen Knöchel. Schwer kollert die rostige Eisenkugel an der Kette hinter dem jungen Häftling über das Pflaster. „Jetzt bin ich dran!“, drängt Timos kleine Schwester atemlos. Die beiden Kinder stehen im Hof des Diezer Grafenschlosses. Dort lassen sowohl die Jugendherberge als auch das Museum die ereignisreiche Geschichte des Gebäudes und der Stadt für Gäste lebendig werden.

Im bequemen Bett kuscheln, wo sich früher Häftlinge auf Stroh zusammengerollt haben: Dieses Erlebnis bietet die Vier-Sterne-Jugendherberge in Diez, Gastgeber des Jahres 2016. Und um das Geschichtserlebnis komplett zu machen, dürfen die Gäste Steine klopfen und „Gefängnissuppe“ kosten – die muss allerdings niemand auslöffeln, verspricht Herbergsleiter Matthias Iffland. Zubereitet aus Wasser, Gemüse und Essig, lässt sie Armut, Krankheit und Elend auf der Zunge prickeln – ein eindrückliches Zeitreiseerlebnis.

Das Diezer Grafenschloss thront über der kleinen Stadt auf einem Porphyrfelsen. In den musste der Fahrstuhl, der seit der umfassenden Sanierung vor einigen Jahren in der Jugendherberge Barrierefreiheit schafft, hineingesprengt werden. Aus den Fenstern – manche sind heute noch vergittert, aber nur, damit niemand hinausstürzen kann – haben Besucher einen sagenhaften Blick über die Altstadt und auf die Lahn. Die ist auch touristisch ein Pfund, mit dem die Stadt wie die Jugendherberge wuchern kann.

Wenige Burgen und Schlösser im Land sind so umfassend ganzjährig genutzt und dabei zugleich der Öffentlichkeit in einem so großen Ausmaß zugänglich gemacht. Neben der Jugendherberge und dem Museum zieht auch das Trauzimmer St. Remigius in der früheren Kapelle viele Hundert Besucher jährlich ins Schloss. Im ältesten Teil des Grafenschlosses, dem aus dem 11. Jahrhundert stammenden quadratischen Bergfried, hat sie ihren Platz. Die zweite einstige Schlosskapelle ist heute ein Bistro mit Tischen im Innenhof. Dort treffen sich Schulklassen auch gern zu den Ritterspielen und stärken sich zwischendurch beim Rittermahl an rustikalen Holzbänken.

Die Spinnen arbeiten das ganze Jahr für die große Halloweenparty auf dem Grafenschloss: „Die Netze werden hier nicht weggefegt, die brauchen wir für unsere Gruselführung“, erklärt Iffland. Er kontrolliert zwar zusammen mit dem Haustechniker regelmäßig alle Dachböden auf eventuelle Schäden, doch die weißen Gespinste im Bergfried zwischen den starken Holzbalken, den Gewichten der historischen Turmuhr und Dekoelementen wie einem Vampir und Totenschädeln bleiben unangetastet. Denn keine Deko ist besser als das Original. So liegt in einem Raum 350 Millionen Jahre alter Marmor auf dem Fußboden – wie ihn die Häftlinge auf dem Schloss vor 200 Jahren bearbeiten mussten. Es soll ein Marmorwerk in der Region pleite gegangen sein, nachdem es nicht mehr auf die Ausbeutung der Gefangenen bauen konnte, erzählt Herbergsleiter Iffland.

Nicht nur Straftäter: Jeder, den man von der Straße haben wollte, auch Landstreicher und „Idioten“ fristeten ihr trostloses Dasein hinter den massiven Gefängnismauern. Zwei Originaltüren verschließen heute Zimmer, in denen Lehrer untergebracht werden, die mit ihren Schulklassen zu den rund 27 000 Gästen zählen, die dort nächtigen, wo einst Sträflinge hausten.

Alles Wissenswerte zum Grafenschloss Diez

Anfahrt:
Das Grafenschloss mit Regionalmuseum und Jugendherberge befindet sich am Schlossberg mitten in der Altstadt von Diez (Rhein-Lahn-Kreis). In der Nähe des Schlosses gibt es nur wenige Parkplätze, daher sollten Besucher in der Innenstadt parken und über die Altstadtstraße und die Schlosstreppe oder über die Straße „Am Schlossberg“ gehen. Bahnreisende können vom Diezer Bahnhof über die Wilhelmstraße und die Altstadtstraße zum Grafenschloss wandern (circa 15 Minuten).

Öffnungszeiten:
Das Museum, das einen Überblick über die Diezer Geschichte von der Devonzeit bis ins 20. Jahrhundert bietet, hat dienstags bis freitags von 9 bis 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr sowie samstags und sonntags von 14 Uhr bis 17 Uhr geöffnet. Während den Schulferien hat es nur zu den Nachmittagszeiten von 14 bis 17 Uhr auf. Von Mitte Dezember bis Mitte Januar macht das Museum eine Winterpause.

Eintrittspreise:
Der Eintritt kostet für Erwachsene 4 Euro, für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre 2 Euro, für Familien mit minderjährigen Kindern 10 Euro, für Gruppen ab 20 Personen 3 Euro pro Person.

Jugendherberge:
Die Jugendherberge im Grafenschloss wurde 2006 nach einer umfassenden Renovierung und Modernisierung wiedereröffnet. Sie verfügt über 129 Betten mit Einzel-, Doppel- und Mehrbettzimmern sowie vier Veranstaltungsräume für bis zu 65 Personen und einen Kongress-Saal mit 120 Plätzen. Für Rollstuhlfahrer gibt es behindertengerechte Zimmer.

Gastronomie:
Das Schlossbistro hat von April bis Oktober montags bis donnerstags von 14 bis 22 Uhr, ansonsten von 17 bis 22 Uhr geöffnet. Freitags und samstags hat es von 10 bis 24 Uhr, sonntags von 9.30 bis 22 Uhr auf. Im Grafenschloss befindet sich außerdem ein Standesamt.

Adresse:
Jugendherberge: Grafenschloss-Jugendherberge Diez, Schlossberg 8, 65582 Diez, Telefon 06432/2481, E-Mail diez@diejugendherbergen.de, Internet www.DieJugendherbergen.de
Museum im Grafenschloss: Schlossberg 8, 65582 Diez, Telefon 06432/507467, E-Mail leitung@museumdiez.de Internet: www.museumdiez.de

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