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    Wildwest-Szenen in Arzbach: Nach dem Abpfiff setzt es Hiebe für den Schiri

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    Gossensprache und Faustrecht

    Was dann nämlich geschah, spottet jeder Beschreibung. Herber wird noch auf dem Platz von einem auf ihn zustürmenden aufgebrachten Betreuer der Gäste mit Worten aus der untersten Gossensprache beschimpft. Worte wie "Hurensohn, Dreckarsch und Wichser" seien gefallen, so der Spielleiter. Anfeindungen und Beleidigungen gegen Schiedsrichter vom Publikum oder Betreuern am Spielfeldrand kennt Herber zwar, aber eine solche Attacke wie auf dem Arzbacher Sportplatz war ihm bislang in seiner langen Laufbahn als Wächter des Regelwerks auf dem Fußballplatz noch nicht widerfahren.

    Doch bei den Verbalinjurien blieb es nicht. Der erfahrene Unparteiische, der seit über 40 Jahren mit großer Leidenschaft und gewissenhaft Fußballspiele leitet, musste sich zwei Schläge in die Magengegend gefallen lassen. "Daraufhin habe ich mich zur Wehr gesetzt und reflexartig zugeschlagen, um mich selbst zu schützen", schilderte der 72-jährige Gückinger den weiteren Hergang der Szenen, die eigentlich eher an einen höchstens drittklassigen Krimi erinnern. Dafür und für die verbalen Beleidigungen zuvor gebe es fünf Zeugen, sagte Herber unserer Zeitung. Die harte Konsequenz für den Aggressor: Der sich um den Derbysieg geprellt fühlende Trainer zog sich einen Kieferbruch zu. Herber selbst will durch die Schläge des Betreuers einen Bluterguss davongetragen haben. Am späten Montagnachmittag, also zwei Tage nach dem unfassbaren Vorfall, ging er selbst zum Hausarzt und ließ sich dort ein sieben mal zwei Zentimeter großes Hämatom am Bauch attestieren.

    Streithähne zeigen sich an

    So weit, so schlecht. Jetzt sind Instanzen gefragt, den Hergang zu rekapitulieren und ihn dann juristisch zu bewerten. Doch nicht nur die Sportgerichtsbarkeit hat zu urteilen, sondern die unschönen Szenen werden möglicherweise auch ein Strafgericht beschäftigen, nachdem sich die beiden Streithähne gegenseitig angezeigt haben.

    Auf Nachfrage der RLZ hat ein erfahrenes Mitglied einer überkreislichen Spruchkammer skizziert, was den schlagkräftigen Angreifer erwartet. Es ist von drastischen Konsequenzen auszugehen. Minimum eineinhalb Jahre wird der Bedroher des Schiedsrichters im Fußball mutmaßlich kein Amt ausüben dürfen, die Höchststrafe liegt sogar bei zwei Jahren. Zudem wird mit Sicherheit eine empfindliche Geldstrafe gegen dessen Verein ausgesprochen. Der in Notwehr handelnde Schiri hat dagegen wohl sportrechtlich nichts zu befürchten, seine Gegenwehr dürfte straffrei bleiben, das Verfahren gegen ihn eingestellt werden.

    Die Situation der Schiedsrichter auf den Fußballplätzen wird nach Herbers Einschätzung immer schwieriger. "Die Schiris sind doch oft die Buhmänner der Nation. Ich fahre zu den Spielen, opfere meine Zeit, und dann wird man so angegriffen. Das macht einfach keinen Spaß mehr", sagte der Referee. Er tue keiner Fliege etwas zuleide, "aber wenn mich jemand so angeht, habe ich das Recht, mich zu wehren", so der 72-Jährige. Seine Entscheidung, drei Minuten draufzupacken und die Nachspielzeit dann noch um eine Minute zu verlängern, begründet der Gückinger Unparteiische damit, dass die Nieverner das Spiel immer weiter verzögert hätten. "Wie lange nachgespielt wird, liegt allein im Ermessen des Schiedsrichters", rechtfertigt sich Günter Herber. Er wolle damit beileibe nicht sagen, dass er immer alles richtig entscheide. "Wir machen auch Fehler, auch Bundesliga-Schiedsrichter sind davor nicht gefeit. Aber da muss man nicht so ausrasten, schon gar nicht bei einem Jugendspiel", verweist der erfahrene Pfeifenmann auf die wichtige Vorbildfunktion von Trainern und Betreuern auf dem Fußballplatz.

    Nicht noch einmal solche Szenen

    Günter Herber wird auch weiterhin die ihm aufgetragenen Spiele pfeifen, aber so etwas wie in Arzbach will er nicht noch einmal erleben. "Das geht entschieden zu weit." Zumal die Angelegenheit mit dem Abpfiff noch lange nicht erledigt ist...

    Von unseren Redakteuren

    Hans-Georg Egenolf

    und Stefan Nink

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