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  • RZ-Kommentar: Chefredakteur Christian Lindner zur Trennung am Ring

    Stellen Sie sich einfach mal vor, dass Sie Hausvermieter sind. Sie haben ein schickes Haus gebaut und scheren sich nicht um das Gerede Ihrer Nachbarn, dass Ihnen der Kasten zu groß geraten ist – weil Sie Mieter in Aussicht haben, die Ihnen ein guter Freund empfohlen hat. Dem Auftreten nach ordentliche Leute, die mehr Miete zahlen wollen, als für Zins und Abtrag fällig sind. Die schwärmen, wie gerne sie bei Ihnen einziehen und dass sie Jahrzehnte bleiben wollen.

    Autor: Christian Lindner
    Chefredakteur Christian Lindner

    Stellen Sie sich einfach mal vor, dass Sie Hausvermieter sind. Sie haben ein schickes Haus gebaut und scheren sich nicht um das Gerede Ihrer Nachbarn, dass Ihnen der Kasten zu groß geraten ist – weil Sie Mieter in Aussicht haben, die Ihnen ein guter Freund empfohlen hat. Dem Auftreten nach ordentliche Leute, die mehr Miete zahlen wollen, als für Zins und Abtrag fällig sind. Die schwärmen, wie gerne sie bei Ihnen einziehen und dass sie Jahrzehnte bleiben wollen.

    Dann aber der blanke Horror: Ihre feinen Mieter mäkeln an Ihrem Haus herum, fangen Streit mit den Nachbarn und mit Ihnen an, schalten Anwälte ein, überweisen keinen Euro Miete. Ihre Bank macht Ihnen Druck, Ihr Fall wird Stadtgespräch, dann noch Bauschäden. Ihnen droht die Pleite. Und ihre Mieter? Die rücken mit einen ruppigen Freund aus der Großstadt an und rufen weithin hörbar: „Du wirst uns nicht los. Wir bleiben noch lange. Wir haben einen Mietvertrag. Bring Du erst mal alle Schäden in Ordnung.“

    Jetzt ersetzen Sie das Haus gedanklich durch eine staatseigene Rennstrecke und multiplizieren Sie die Summen und Probleme mit dem Faktor Tausend. Dann können Sie die Lage am Nürburgring gut ermessen. Ein paar Dinge aber sollten Sie noch klar sehen, um das Planen, Gemurkse und Versagen am Ring richtig einordnen zu können: Bauherr und Vermieter ist das Land Rheinland-Pfalz – also der Treuhänder von Steuergeld. Dessen Architekt (Kafitz) war beim Planen wie im Rausch – und das Land (Beck) hat ihm zu viel geglaubt und zu wenig nachgerechnet: Unrealistische Einzugsbereiche, Ganzjahresbetrieb in der hohen Eifel, ein Freizeitpark ohne Nachfrage, Veranstaltungshallen fernab der Ballungsräume, blumigste Arbeitsplatz-Visionen – all das nahm die Landesregierung ab. Lange wurde allen Skeptikern auch erzählt: Das muss ja nicht das Land bezahlen, dass bekommen wir ja privat finanziert. Bis diese Idee zum Deubel ging, das Land doch alles bezahlen musste und Beck blamiert schien. Da präsentierte ein Wirtschaftsminister (Hering) ohne Ausschreibung, aber samt maßgeschneiderter Verträge ein Betreiber-Duo. Seine Botschaft: Die (Lindner/Richter) können den Ring betreiben – und erwirtschaften dort so viel Geld, dass wir die Steuergelder auf Sicht wieder reinbekommen und viele neue Arbeitsplätze schaffen werden.

    Diese Version hat der Ministerpräsident noch landauf, landab erzählt, als schon alle Welt sah: Bauten und Betreiber, Konzepte und Klima, Umfeld und Umgang – nichts war so, wie es unverzichtbar ist, um solch ein öffentliches und der Öffentlichkeit verpflichtetes Großprojekt nachhaltig zum Erfolg zu führen. Beck musste sich schon Gesundbeterei nachsagen lassen, bis Innenminister Lewentz den Kurs gegenüber Lindner und Richter änderte und ihnen erst die Mahnung und jetzt auch die Räumungsklage schickte.

    Die konsequente Reaktion des Landes und die gallige Gegenreaktion der Betreiber („Wir bleiben“) belegen: Die Trennung am Ring ist unvermeidlich. Alles andere wäre Gewürge – zu Lasten des Landes, der Region, der Arbeitnehmer am Ring und der Motorsportfreunde. Das Drama am Ring ist damit noch nicht beendet. Die Betreiber wissen zwar, dass ihre Zeit am Ring zerrinnt. Sie wissen aber auch, dass das Land sich gütlich und außergerichtlich von Ihnen trennen muss, wenn nicht lange Agonie und Konfusion herrschen sollen. Sie pokern derzeit schlicht darum, für welchen Preis sie vom Ring weichen. Das Land wird dafür insgeheim bereits Millionen an Abstandszahlung für Lindner und Richter einkalkuliert haben.

    Dann erst kann der Ring neu starten: Schonungsloser Kassensturz, realistische Bewertung der hingeklotzten Gebäude, Abriss unrentabler Scheußlichkeiten, Neuausschreibung in sinnvollen Sektionen, Moderation statt Konfrontation – der Weg am Ring wird für das Land noch lang, holprig und teuer sein. Lieber aber jetzt einige harte Monate als noch jahrelanger Horror mit den falschen Partnern. Das Haus „Nürburgring“ gehört schließlich nicht Anwälten und dem Kommerz. Sondern Motorsportlern und der Eifel.

     

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