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    Lölling ist im Eiskanal auf der Überholspur

    Kein Teaser vorhanden

    Foto: Claudia Geimer

    "Frau Göbel-Heinz hat uns gefragt, wer den Sport einmal ausprobieren möchte. Dann sind wir mit ein paar Mädchen nach Winterberg gefahren", erzählt die Titelträgerin

    Foto: picture alliance / dpa

    Das ist gerade einmal vier Jahre her. Die Brachbacherin machte damals auf der Bob- und Rodelbahn ein Starttraining mit und fand gleich Gefallen am Skeleton. Zwei Wochen nach dem Schnupperkurs durfte sie bereits über die Hälfte der Bahn runterfahren, eben bäuchlings, wie beim Skeleton so üblich.

    Mutter Simone hatte damals von der rasanten Sportart noch wenig Ahnung: "Ich wusste zum Glück nichts Genaues". Die Tochter dagegen kam mehr und mehr auf den Geschmack: "Alles war spannend - vor allen Dingen die Geschwindigkeit".

    Die Piloten donnern mit bis zu 140 Stundenkilometern den Eiskanal hinunter. In Steilkurven wirkt das drei bis vierfache an Körpergewicht auf die Skeletonis. Jacqueline hat Respekt vor neuen Bahnen, sagt sie, aber keine Angst: "Die darf man auch nicht haben."

    Von schlimmen Unfällen ist sie bislang verschont geblieben, bis auf ein paar blaue Flecken und mal einen schmerzhaften Nasenstüber, als während der Fahrt plötzlich das Visier brach und die junge Pilotin mit der Nase kurz den Boden berührte. Grundsätzlich hat sie aber Vertrauen in die Ausrüstung: "Der Schlitten kippt nicht so schnell um."

    Nach den ersten Gehversuchen und Lehrgängen in Oberhof bekam die Karriere der Brachbacherin im September 2010 einen enormen Schub. Jacqueline, die für die RSG Hochsauerland startet, wechselte in der zehnten Klasse auf das Sportinternat in Winterberg. Die Entscheidung ist ihr nicht leicht gefallen. Denn die Familie, Mutter Simone (39), Vater Bernd (39), Schwester Celine (11) und ihre Freunde, blieben in Brachbach zurück. Doch im Rückblick hat die 17-Jährige alles richtig gemacht. Die täglichen Fahrten auf der Winterberger Bob- und Rodelbahn, dazu das intensivere Training im athletischen Bereich (Kraft und Sprint), zahlten sich aus: "Die Schule kommt dem Leistungssport entgegen."

    Und was die Erfolge angeht, so hat Jacqueline in der gerade zu Ende gegangenen Saison enorm Fahrt aufgenommen. Vor vier Jahren noch Anfängerin, darf sie sich nun Jugend-Olympiasiegerin nennen. Und da es die ersten Spiele überhaupt waren, hat die Rheinland-Pfälzerin auch noch Sportgeschichte geschrieben.

    Den Tag des Olympiasiegs bei den Winterspielen in Innsbruck im Januar dieses Jahres wird auch die Familie nicht so schnell vergessen: Denn Eltern, Schwester und eine 40-köpfige Delegation aus der Heimat fieberten an der Bahn in Österreich mit. Und "Jacka", so ihr Spitzname, enttäuschte ihre Fans nicht. Gold nach nur einem gewerteten Lauf, die junge Deutsche bewies neben fahrerischem Können auch Nervenstärke.

    Und in diesem Tempo ging es weiter: Denn nur eine Woche später holte sich Jacqueline Lölling auf der selben Bahn Bronze bei der Junioren-Weltmeisterschaft. Diese Medaille ist hoch zu bewerten, denn die Brachbacherin traf dort auf Konkurrentinnen, die bereits einige Jahre älter sind.

    Außerdem stehen zwei deutsche Meistertitel, bei den Erwachsenen und den Junioren, zu Buche. Zudem sammelte Jacqueline durch die Teilnahme am ICC-Cup internationale Erfahrungen, mit Rennen in Kanada und den USA.

    Eine Karriere auf der Überholspur, die zu den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi/Russland führt? "Diese Frage wird mir in letzter Zeit oft gestellt", sagt die 17-Jährige. Doch bislang steht nur fest, dass sie in zwei Jahren ihr Abitur machen möchte.

    Stand heute sieht sich die Jugend-Olympiasiegerin nicht bei den "richtigen" Spielen im Kaukasus. Vier Kontrahentinnen im deutschen Lager mit Weltcuperfahrung haben noch die Nase vorne, sagt sie.

    Doch traurig ist sie darüber nicht: "Das ist nicht so schlimm." Auf der Bahn kann es Jacqueline nicht schnell genug gehen, möchte sie, dank "gutem Fahrgefühl, den Schlitten einfach laufen lassen". Doch was die sportliche Zukunft angeht, nimmt sie bewusst das Tempo raus. Sie steuert auf die Winterspiele in Japan im Jahr 2018 zu: "Dann bin ich auch erst 23."

    Von unserer Mitarbeiterin

    Claudia Geimer

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