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  • Kommentar: Malu Dreyer regiert den „Fröhlichen Weinberg“ der deutschen Politik

    Malu Dreyer – das ist die glücklichste Frau von Rheinland-Pfalz. Mindestens. Diesen Eindruck musste jeder gewinnen, der die Wahl und Vereidigung der alten und neuen Ministerpräsidentin dieses unseres Bundeslandes politisch unverbiestert verfolgt hat. Ob live im Landtag, via Fernsehen oder Internet miterlebt: Noch nie war in dieser Republik zu beobachten, dass jemand ein politisch derart gewichtiges Amt so heiter und lebensfroh, so entspannt und gelöst, so natürlich und menschlich annahm, ja regelrecht in die Arme schloss.

    Chefredakteur Christian Lindner
    Chefredakteur Christian Lindner

    Chefredakteur Christian Lindner zur Wiederwahl von Malu Dreyer

    Malu Dreyer – das ist eine politische Erfolgsgeschichte. Am 13. März gewinnt sie, die monatelang scheinbar ausgemachte Wahlverliererin, nach furioser Aufholjagd die Landtagswahlen für die SPD, ganz gegen den für die Genossen verheerenden Bundestrend, am 18. Mai wird sie mit allen Stimmen der rot-gelb-grünen Koalition gleich im ersten Anlauf wieder ins Amt gewählt.

    Malu Dreyer – das ist ein bestens geratenes politisches Ziehkind von Kurt Beck, das sich nun endgültig aus dem langen Schatten des einstigen Patriarchen der SPD Rheinland-Pfalz gelöst hat. 2013, bei ihrer ersten Wahl zur Ministerpräsidentin, hatte sie dieses Amt noch von „König Kurt“ gleichsam im Wege der von ihm definierten Thronfolge vermacht bekommen. Natürlich: Sie wurde im Landtag von den Abgeordneten der rot-grünen Koalition gewählt, doch das Mandat der Bürger hatte sie damals nicht. Noch nicht. Das hat die Herzensdame der rheinland-pfälzischen Genossen jetzt nachgeholt: Nach ihrer ersten selbst gewonnenen Landtagswahl hat sie den Regierungsauftrag der Wähler ebenso hinter sich wie die Mehrheit der Abgeordneten.

    Malu Dreyer – das ist jetzt eine Regierungschefin mit noch größerer Autorität. Sie hat die CDU Rheinland-Pfalz für mindestens weitere fünf Jahre in die Perspektivlosigkeit gestürzt. Sie hat eine komplexe Koalition geschmiedet, die es so in ganz Deutschland nur selten gab. Sie hat eine knappe Mehrheit, aber damit zugleich eine Rolle, die perfekt ihrer Persönlichkeit wie ihrem Politikverständnis entspricht: Sie ist der personifizierte Ausgleich zwischen Grünen und Liberalen, sie ist die Chefmoderatorin der Landespolitik, sie ist die berufene Abmilderin von Ausschlägen in alle Richtungen.

    Malu Dreyer – das ist aber auch die Verkörperung eines anderen Politikstils, in Rheinland-Pfalz wie auf Bundesebene. Sie hört mehr zu als Kurt Beck in der Schlussphase seiner langen Regentschaft.  Anders als er duldet, ja fördert sie Diskurs, offene Debatte, auch Widerspruch. Sie beweist aber auch nachvollziehbar für die ganze Republik, das Politik kein schmutziges Geschäft von skrupellosen Typen sein muss, sondern – bei aller Professionalität – auch menschlich gelebt, gestaltet und geprägt werden kann. Ein ganzes Kabinett von Duz-Freundschaften, herzliche Umarmungen, spürbare Nähe: Mainz wirkt seit Dreyer wie der „Fröhliche Weinberg“ der deutschen Politik.

    Malu Dreyer – das ist bei allem glückhaften Gelingen momentan aber auch eine Ungewissheit. Schon für einen völlig gesunden Menschen ist das Amt eines Regierungschefs in einem Flächenland eine Mühle, die fast jeden innerhalb einiger Jahre kleinkriegt. Die sprühende Vitalität der Ministerpräsidentin lässt bisweilen vergessen, dass sie chronisch krank ist. Ein Wechsel innerhalb dieser Legislaturperiode – wer mag das ausschließen? Wer wollte ihr das Recht darauf absprechen?

    Malu Dreyer – das ist aber auch der charmante Name für eine weitere Verfestigung von Macht, die keinem Bundesland gut tut. Seit 1991 regiert die SPD jetzt in Rheinland-Pfalz, am Ende dieser Wahlperiode werden es 30 Jahre sein. Schon lange haben die Genossen Rheinland-Pfalz bis weit in den vorpolitischen Raum sozialdemokratisiert. Bei aller guten Laune darf Dreyers SPD-Familie nicht vergessen: Es geht in erster Linie ums Land, nicht um die Partei. Und die ernste Realität schnöder Zahlen – etwa die der enormen Verschuldung von Rheinland-Pfalz – holt irgendwann auch das herzhafteste Lachen ein.

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