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    Rheinland-PfalzInterview: Präsident und Hauptgeschäftsführer der HwK Koblenz zur Lage der Betriebe

    Am 11. Januar lädt die Handwerkskammer (HwK) Koblenz zum Neujahrsempfang – im Gespräch mit unserer Zeitung erklären HwK-Präsident Werner Wittlich und Hauptgeschäftsführer Alexander Baden vorab, wie es den Betrieben im nördlichen Rheinland-Pfalz geht.

    „Wir müssen auch die Eltern verstärkt informieren“: Werner Wittlich, Präsident der HwK Koblenz, verspricht großen Einsatz der Handwerkskammer im Ringen um den Nachwuchs für die Betriebe.
    „Wir müssen auch die Eltern verstärkt informieren“: Werner Wittlich, Präsident der HwK Koblenz, verspricht großen Einsatz der Handwerkskammer im Ringen um den Nachwuchs für die Betriebe.
    Foto: Benjamin Stöß

     

    Alexander Baden: "Der Gesellenbrief braucht mehr Anerkennung."
    Alexander Baden: "Der Gesellenbrief braucht mehr Anerkennung."
    Foto: Benjamin Stöß

    Der Wortlaut:

     

    Alle Welt redet von Krise, aber wer einen guten Handwerker bekommen möchte, muss auf ihn warten. Gibt es im Handwerk keine Krise?

     

    Wittlich: Das Handwerk steht recht gut da, das belegt auch unsere aktuelle Konjunkturumfrage. Es ist nicht in der Krise, aber die Betriebe stellen sich auf eine Abschwächung ein. Bei den Einstellungen werden sie etwas vorsichtiger. Wir sollten jedoch keine Krise herbeireden.

     

    Wo läuft es besonders gut?

     

    Wittlich: Dem Bau- und Ausbaugewerbe beispielsweise geht es gut, da spielt auch die Energiewende eine Rolle. Ohne Handwerk ist die Energiewende nicht zu machen.

     

    Die Energiewende hat aber immer stärker den Ruf eines Kostentreibers. Wird das auch die Impulse fürs Handwerk schwächen?

     

    Wittlich: Sozial ist es nicht, was derzeit läuft. Oma und Opa mit der knappen Rente müssen über die EEG-Vergütung den Solarstrom bezahlen, den andere erzeugen. Die Konjunktur lässt sich auch dadurch abwürgen, dass die Leute, die jährlich ein paar Hundert Euro mehr für den Strom bezahlen müssen, in anderen Bereichen nichts mehr ausgeben können.

     

    Welche Verantwortung trägt dabei das Handwerk, das ja von der Heizung bis zur Fotovoltaikanlage alles Mögliche installiert?

     

    Wittlich: Nehmen wir einfach mein Beispiel. Ich bekomme eine neue Heizungsanlage und bin mit dem Handwerker das Angebot durchgegangen. Dort war auch von Solarkollektoren die Rede. Da habe ich ihn gebeten: Rechne mal aus, wann sich diese Investition amortisiert hat. Er kam zum Schluss: Wenn ihr bald nur noch zu zweit hier wohnt, rechnet sich das gar nicht. Diese Verantwortung hat ein Handwerker: Er muss dem Kunden deutlich machen, was für ihn überhaupt interessant ist.

     

    Auch dem Handwerk könnte der Nachwuchs ausgehen. Wie begegnet die HwK diesem Problem?

     

    Wittlich: Als Kammerbezirk stehen wir in Rheinland-Pfalz ganz gut da, weil wir die Situation rechtzeitig erkannt haben. Wir halten Kontakt zu den Schulen und versuchen, die jungen Leute fürs Handwerk zu begeistern, müssen aber auch die Eltern verstärkt informieren. Dazu bieten wir beispielsweise die Nacht der Technik mit zuletzt rund 9000 Besuchern an. Da können die Menschen sehen, dass Handwerk nichts Verstaubtes ist, sondern in vielen Bereichen Hightech.

     

    Wie glücklich sind Sie denn über den Druck auf junge Leute hierzulande, möglichst Abitur zu machen und dann auch zu studieren?

     

    Wittlich: Ich bin gar nicht glücklich darüber. Die Ausbildungswege bei uns sind mittlerweile sehr durchlässig. Wenn jemand die Meisterprüfung hat, kann er auch studieren. Es ist zwar auch der Auftrag, Gymnasiasten studierfähig zu machen, ich bin aber nicht unbedingt glücklich darüber, dass die Informationen über andere Berufswege in unserer Gesellschaft zu kurz kommen. In der Oberstufe muss jeder wissen, wie er denn da draußen später sein Geld verdienen kann.

     

    Wie steht es denn um die gesellschaftliche Anerkennung des Gesellen im Vergleich zum Abiturienten?

     

    Baden: Der Gesellenbrief findet in der Gesellschaft bestimmt nicht die gleiche Anerkennung wie ein Abiturzeugnis. Wir arbeiten daran, dass sich das ändert. Die berufliche Ausbildung ist keine Sackgasse mehr, aber das muss sich jetzt noch in den Köpfen festsetzen. Früher hieß es: Mein Kind soll Arzt werden. Doch mittlerweile sind Ärzte fast schon ein rotes Tuch in der Gesellschaft nach all den Skandalen. Wir müssen den Leuten jetzt klarmachen: Wenn du Sanitär-, Heizungs-, Klimatechniker wirst, dann bist du viel angesehener in der Gesellschaft und verdienst auch richtig Geld.

     

    Wirtschaftsministerin Eveline Lemke (Grüne) wollte die Zuschüsse für die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung streichen. Sind Sie noch sauer darüber?

     

    Baden: Sie wollte am Anfang der Legislaturperiode die Zuschüsse rabiat nach unten fahren. Dann haben wir Frau Lemke aber durch unsere Ausbildungszentren geführt, und anschließend hat sie gesagt: Das Geld ist gut angelegt, ich streiche die Zuschüsse nicht. Unsere missionarische Arbeit fürs Handwerk zahlt sich am Ende aus. Die Politiker müssen wissen: Wenn sie bei uns diese 180 000 Euro kürzen, haben sie 50 000 Handwerker gegen sich. Die 180 000 Euro spart Frau Lemke aber ganz locker bei irgendeinem Windkraft-Erweckungsprojekt ein.

     

    Kurt Beck beendet sein Wirken als Ministerpräsident. Wie zufrieden war das Handwerk mit ihm?

     

    Baden: Er hat in den vielen Jahren seiner Amtszeit auch Gutes für das Handwerk getan. Er ist immerhin in der Pfalz zum Ehren-Handwerksmeister ernannt worden und hatte für das Handwerk immer ein offenes Ohr. Was in den zurückliegenden Monaten passiert ist, müssen wir davon trennen.

     

    Was erwarten Sie von Becks Nachfolgerin Malu Dreyer?

     

    Wittlich: Handwerk und Mittelstand sind das Rückgrat der Wirtschaft. Ich bin mir sicher, dass Malu Dreyer das Verständnis dafür bewahren wird, das Kurt Beck hatte. Wir freuen uns auf einen konstruktiven Dialog mit der zukünftigen Ministerpräsidentin.

     

    Von 2002 bis 2012 gab es einen gemeinsamen Empfang von HwK und IHK Koblenz. Warum hat die HwK diese Partnerschaft beendet?

     

    Wittlich: Es gab keinen Konflikt mit der IHK. Viele Handwerker wünschen sich aber wieder ein „Familienfest des Handwerks“.

     

    Baden: Die IHK hatte vor, den Empfang künftig noch größer auszurichten als bisher. Das konnten wir finanziell nicht mittragen.

     

    Das Gespräch führten Chefredakteur Christian Lindner und Jörg Hilpert

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