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    Kreis NeuwiedEngerser Brücke: Helines letzter Einsatz

    Valentinstag. 14. Februar 1945. Auf dem amerikanischen Feldflugplatz der 387th Bomb Group (BG) nahe dem nordfranzösischen Ort Clastres herrscht hektische Betriebsamkeit. Das Bodenpersonal wuselt zwischen den Martin B-26 Bombern umher. Letzter Treibstoff fließt in die Tanks, je vier 1000 lb (435 kg) schwere Bomben verschwinden in den Schächten.

    Das Engerser Feld mit der Heckrind-Weidefläche (vorn) und dem Stein- und Kannsee. Hier konnte Pilot 2. Lt. Peter Gregorchuk die von der Flak getroffene B-26 „General Shermann“ ins Feld setzen. Die Engers-Urmitzer Brücke (im Hintergrund) war am 14. Februar 1945 Ziel des Bombenangriffs.  Foto: Jörg Niebergall
    Das Engerser Feld mit der Heckrind-Weidefläche (vorn) und dem Stein- und Kannsee. Hier konnte Pilot 2. Lt. Peter Gregorchuk die von der Flak getroffene B-26 „General Shermann“ ins Feld setzen. Die Engers-Urmitzer Brücke (im Hintergrund) war am 14. Februar 1945 Ziel des Bombenangriffs.
    Foto: Jörg Niebergall

    Die Besatzungen kehren von der Einsatzbesprechung zurück. Ernste Mienen bei den ansonsten lockeren US-Boys. Eine schwere Aufgabe für die meist jungen Flieger. Ziel ist die Kronprinzenbrücke zwischen Engers und Urmitz. Im Großraum Koblenz-Andernach und rund um die Brücke haben die Deutschen eine massive Flakabwehr zusammengezogen. Die Eisenbahn über den Rhein ist eine wichtige Nachschubstrecke zur Westfront. Dort stehen die Alliierten nach der missglückten Ardennenoffensive der Wehrmacht in der Westwalllinie und sammeln sich für den Vormarsch.

    Die 387. BG mit ihren vier Staffeln (je vier Schwärme mit vier Flugzeugen) ist ab 30. Oktober 1944 aus England kommend in Clastres eingefallen. Man nennt sie die „Tiger Tails“ – Tigerschwänze wegen der gelb-schwarzen Streifen am Höhenruder. Mit dabei ist der 2. Lt. Carl Welfrid Heline, 22 Jahre alt aus Marcus in Iowa und Co-Pilot der B-26 Marauder (Plünderer). Die sechsköpfige Besatzung um Pilot 2. Lt. Peter Gregorschuk hat der Maschine schon in England den Spitznamen „General Sherman“ in Erinnerung an den beliebten Nordstaaten-General gegeben. Die Crews leben in Zelten, die sie sich mit einfach gezimmerten Holzmöbeln und Öfen gemütlicher und wärmer gemacht haben.

    Als die Motoren für den 52. Einsatz der „Sherman“ in den Nachmittagsstunden dieses Mittwochs aufheulen ist das Tiefdruckgebiet der vergangenen Tage in Richtung Osten abgezogen. Die US-Wetterfrösche haben klare Sicht während des Flugs und über dem Zielraum versprochen. Gut für die Bomberbesatzungen, aber auch bestens für die Flakeinheiten, denen frühzeitig der Anflug gemeldet wird.

    Als die „KS-A“, so die Kennung der Zweimotorigen, mit den Piloten Gregorchuk und Heline und ihren Kameraden Griffee, Di Blasio, Harbour und Nelson abhebt, ahnt keiner von ihnen, dass es ein Flug ohne Wiederkehr nach Clastres wird. Die 41 Marauder vereinigen sich kurz vor Paris mit weiteren 35 B-26 der 344. BG, die vom Flugplatz Cormeilles-en-Vexin aufgestiegen sind. Ihr Spitzname ist die „Silver Streaks“, wegen des meist farblosen Alu-Rumpfes.

    Es ist gegen 16.45 Uhr. Die 76 B-26 fliegen aus südlicher Richtung durch den feuerspeienden Flakgürtel auf die Brücke zu. Zwei Gruppen (Boxes) in Höhen zwischen 3800 und 4000 Metern. Kurz vor dem Ziel setzt ein Treffer den linken Motor der „Sherman“ in Brand. Die Bomben klinken noch aus, dann kommt das Kommando: „Aussteigen!“ Heckschütze Nelson, Funker Di Blasio und Ingenieur Harbour hechten von ihren Maschinengewehren zum rechten Rumpffenster und springen mit dem Fallschirm ab. Der Pilot bringt die bald trudelnde Maschine in einen Gleitflug über dem rechten Rheinufer, kann dadurch das Feuer löschen. Dabei befreit Bombenschütze Griffee den Co-Piloten aus seinen Gurten. Beide retten sich mit einem Sprung durch den Bombenschacht und ziehen die Reißleine der Fallschirme. Erneut schmiert die Marauder ab, wieder gewinnt Pilot Gregorchuk die Kontrolle zurück und setzt die Zweimotorige auf einer Wiese im Engerser Feld auf - mit einer dicken Beule am Kopf. Später kokelt die „Sherman“ erneut.

    Die „KS-A“ ist eine von acht Maschinen, die die 9. US Bomber Division bei diesem Angriff verliert.

    Für Matthew Botkin, den Neffen von Carl Heline, ist klar: „Gregorchuk war der Held des Tages, er hat seine Crew gerettet.“ Die fünf Fallschirmspringer landen bis auf einen Knöchelbruch (Harbour) unverletzt am Boden und gehen in Gefangenschaft. Vier von ihnen und der Pilot treffen sich im Gefangenenlager Moosburg/Inn wieder und kehren später in die Staaten zurück.

    Lt. Carl Heline ist „an diesem Tag zur falschen Zeit am falschen Ort“ (Botkin) und wird Stunden nach seiner Gefangenname durch einen Zivilisten von einem SS-Mann bei Rengsdorf mit Genickschuss ermordet. Olaf Goebel

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