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    KoblenzEin Lebenswerk im Einklang mit dem Stein

    Viele Denkmale im öffentlichen Raum hat der Koblenzer Bildhauer Rudi Scheuermann geschaffen - jetzt erinnern sie auch an ihn. Scheuermann ist im Alter von 86 Jahren gestorben.

    Von unserer Mitarbeiterin Lieselotte Sauer-Kaulbach

    Wann immer man vor einer seiner Stein- oder Bronzekatzen oder Vögeln steht: Schnell erfasst den Betrachter der beinahe unwiderstehliche Wunsch, über ihre glatt polierte Haut, ihre weichen Rundungen zu streicheln. Nicht umsonst waren seine Tierplastiken und -skulpturen über Jahrzehnte hinweg eine Art Markenzeichen des Bildhauers Rudi Scheuermann. Im Alter von 86 Jahren ist der 1929 in Neustadt an der Haardt geborene Künstler in Koblenz gestorben - der Stadt, in die er 1956 als einer der ersten Stipendiaten des Künstlerhauses Asterstein gekommen war und in der er seitdem lebte.

    Lebte seit 1956 in Koblenz: der Bildhauer Rudi Scheuermann.
Foto: Helke Stiebel
    Lebte seit 1956 in Koblenz: der Bildhauer Rudi Scheuermann.
    Foto: Helke Stiebel

    Mit hohem handwerklichen Können

    Rudi Scheuermann kam vom Handwerk her, absolvierte zunächst eine Steinmetzlehre in Frankenthal und Ludwigshafen, bevor er ab 1948 an der Landeskunstschule Mainz studierte. 1955 folgte ein Jahr an der Akademie für Bildende Künste in München.

    Dass er von der Pike auf gelernt hatte, mit Stein umzugehen, merkte man schon seinen frühen Arbeiten an. Scheuermann verband stets hohes handwerkliches Können mit künstlerischem Gestaltungswillen, ließ sich zu vielen seiner Arbeiten von der Natur inspirieren. Schon in den 1960er-Jahren reduzierte er die Form, konzentrierte sich auf Wesentliches. Nie arbeitete er dabei gegen den Stein, sondern stets mit ihm - und tat ihm auch dann keine Gewalt an, als er sich in seiner Formensprache zunehmend zurücknahm.

    Beispielhaft demonstriert das ein typisch Scheuermann'sches Motiv, zu dem er immer wieder zurückkehrte, ein nach beiden Seiten hin geöffnetes Oval, eine Art Spange, eine überaus organische, harmonische Form, die an eine Mandorla genauso erinnert wie an eine Keimzelle, aus der sich Unterschiedlichstes entwickeln könnte. Rudi Scheuermann meißelte, schnitt sie aus Stein, formte sie aus Bronze - wie seine Landschaften, die sanft geschwungenen Stelen, stehend oder liegend, der Vordereifel oberhalb von Rübenach abgelauscht, wo er sich einen Arbeitsplatz im Freien eingerichtet hatte.

    Mit dem Denkmal, das an den Namensgeber der Balduinbrücke, Kurfürst Balduin von Luxemburg, erinnert, hat Rudi Scheuermann 1975 eines der modernen Wahrzeichen der Stadt Koblenz geschaffen. In Hunderttausenden Postkarten und Urlaubsfotos ist das Balduin-Denkmal verewigt - und erinnert auch an seinen nun verstorbenen Schöpfer. Foto: Damian Morcinek
    Mit dem Denkmal, das an den Namensgeber der Balduinbrücke, Kurfürst Balduin von Luxemburg, erinnert, hat Rudi Scheuermann 1975 eines der modernen Wahrzeichen der Stadt Koblenz geschaffen. In Hunderttausenden Postkarten und Urlaubsfotos ist das Balduin-Denkmal verewigt - und erinnert auch an seinen nun verstorbenen Schöpfer.
    Foto: Damian Morcinek

    Arbeiten im öffentlichen Raum

    Scheuermann wird fehlen in der Arbeitsgemeinschaft bildender Künstler am Mittelrhein, zu deren ältesten Mitgliedern er zählte - aber an vielen Standorten werden auch künftig von ihm seit 1957 in Koblenz und anderen Städten von Rheinland-Pfalz und dem Saarland geschaffene Arbeiten im öffentlichen Raum an ihn erinnern. In seiner Heimatstadt Koblenz gehören dazu das im Stadtwald das Rheintal weit überblickende Rittersturz-Denkmal (1978) und die Figuren über dem Portal des ehemaligen Dominikanerklosters (1975), das heute eindrücklich an die gewaltige Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg erinnert.

    Nur unweit davon steht Rudi Scheuermanns sicher berühmtestes Werk: Die Statue Balduins, die seit 1975 trutzig und unerschütterlich über die nach dem Kurfürsten benannte Moselbrücke wacht. Hunderttausendfach erinnert sie seitdem und in Zukunft auch an ihren Schöpfer Rudi Scheuermann auf Postkarten, Urlaubsfotos und in Erinnerungen an Koblenz. Die jüngste öffentliche Ehrung erlebt der Künstler selbst nicht mehr: Die Kulturnadel der Stadt Koblenz 2016 kann ihm nur noch posthum zuerkannt werden.

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