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    WiesbadenDebüt: Märchenhafter Opernstart der Intendanz Laufenberg

    Welch ein Erfolg für Uwe Eric Laufenberg, welch Schlussapplaus, den der frisch angetretene Intendant des Wiesbadener Staatstheaters entgegennimmt.

    Aufwärts: Erika Sunnegårdh (Kaiserin) in "Die Frau ohne Schatten"  Foto: Forster
    Aufwärts: Erika Sunnegårdh (Kaiserin) in "Die Frau ohne Schatten"
    Foto: Forster

    Der 1960 geborene Theatermann ist Nachfolger des zwölf Jahre lang wirkenden Manfred Beilharz. Bevor sich Laufenberg jetzt mit einer grandios gelungenen Inszenierung der opulenten Richard-Strauss-Oper "Die Frau ohne Schatten" als Regisseur vorstellte, gab es freilich heiße Diskussionen unter Wiesbadener Opernfreunden.

    Auch umstrittene Neuerungen

    Schließlich hatte Laufenberg, der 2012 seinen Vertrag als Kölner Opernintendant nach heftigen Querelen mit der rheinischen Stadtpolitik gelöst hatte, in Wiesbaden für Gesprächsstoff gesorgt. Das komplette Sängerensemble: nicht übernommen. Der Spielplan: umgestellt vom Repertoire- auf einen "En Suite"-Betrieb, in dem Neuproduktionen dicht hintereinander eher blockweise gespielt werden. Jahrzehntealte Inszenierungen ("Hänsel und Gretel", "La Bohème"): gestrichen und verbannt. Gut so, mochte sagen, wer Theater und Museum trennt. Das sind in Wiesbaden nicht alle.

    Und jetzt dieser Paukenschlag. Diese erste Inszenierung Laufenbergs, die zum Besten gehört, was die Wiesbadener Oper seit Langem gesehen und gehört hat. Das schwierige, sperrige, märchenhafte Strauss-Drama "Die Frau ohne Schatten" haben sich der Regie führende Intendant und sein Ausstatter-Team Gisbert Jäkel (Bühne) und Antje Sternberg (Kostüme) dafür ausgesucht. 1919 uraufgeführt, als Hymnus an Leben und Fruchtbarkeit, wie es sich Librettist Hugo von Hofmannsthal dachte, was den handfester veranlagten Richard Strauss wiederum irritierte. Die Kaiserin, zunächst "ohne Schatten", also unfähig, dem Kaiser einen Nachkommen zu gebären, begibt sich mit ihrer Amme zu den Menschen. Im Haus des Färbers Barak und dessen Frau versagt sie sich letztlich die eröffnete Möglichkeit, deren Schatten, also deren Fruchtbarkeit zu übernehmen.

    Genau da setzt der ehemalige Schauspieler Laufenberg an - zeigt, wie die Kaiserin die Färberin ertastet, ergreift, erfasst, wie sie ihr eigenes Frausein entdeckt. Das ist im Zusammenwirken der beiden Darstellerinnen großartig gearbeitet, wobei die Kaiserin der schwedisch-amerikanischen Sopranistin Erika Sunnegårdh mit einer glühenden, enorm reif-reflektierenden Präsenz besticht. Als Färberin steht Nicola Beller Carbone mit eher lyrisch ausgerichteter Innerlichkeit gegenüber, die sich im Laufe der drei Akte freilich zunehmend öffnet: Sie kann sich am Ende der mehr als vierstündigen Aufführung über den stärksten Applaus freuen.

    In zwei getrennte Sphären

    Die Szene ist zweigeteilt: Abwechselnd zeigt die Hebebühne die aseptisch weiße Sphäre des Kaisers und die irdisch-menschenbunte Hauswerkstatt des Färbers Barak. Das trägt zur anschaulichen Erzählweise Laufenbergs ebenso bei wie die Symboldeutlichkeit beispielsweise der projizierten Freiheitsfedern. Der Kaiser, als der Thomas Piffka in seiner schwierigen Tenorpartie fast sachlich souverän wirkt, kann sich auch mit dem despotischen Instrumentarium von Folter und Kriegsplanung nicht vor der schicksalhaften Versteinerung wegen der ungeklärten Nachkommens-Frage bewahren. Umso menschlicher geht es bei Färbers zur Sache, wo Baraks Frau ihren Gatten (von Bariton Oliver Zwarg mit viriler Opulenz) erst zurückweist, um ihn dann wieder für sich zu entdecken. Das alles erzählt Laufenberg ernst, genau und einfühlsam gegenüber seinen Figuren, die er nie denunziert: nicht einmal die Ränke strickende Amme der Kaiserin, die Andrea Bakers höchstdramatisch knisternder Mezzo als laut verzweifelnde Frau enttarnt.

    Einen Bruch ins Ironische platziert Laufenberg erst ganz am Schluss, mit der "Entsteinerung" des Kaisers, einer aufziehenden Kinderschar und einem flugs dem Kaiserpaar zugewiesenen Stammhalter. Und man staunt, was aus dem Hessischen Staatsorchester unter der Leitung von Zsolt Hamar geworden ist. Das spielt nämlich, anders als zuletzt so häufig, packend und anschaulich, drastisch und beredt, nur punktuell zu robust, dafür unter Auftrumpfen des schweren Blechs. "Die Frau ohne Schatten" in Wiesbaden: Da muss man gewesen sein!

    • Termine und Karten unter Tel. 0611/132 325

    Von unserem Mitarbeiter Axel Zibulski

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