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Pulver-Kurt und seine bizarren Kriegsspiele - RZ-Reportage

Baumholder. Es genügt dieser Name und die Gespräche verstummen. „Ich bin bloß auf Durchreise“, sagt der Gast am Tresen des Gasthofs und zwinkert als würde es nicht die Wahrheit sein. „Lass mal stecken“, meint der andere und dreht sich wieder weg.

Es ist früher Abend in Hundsbach, im Fernsehen werden die SWR-Nachrichten gezeigt, aber heute interessiert sich niemand dafür. Es ist das erste Mal seit Tagen, dass der 400-Einwohner-Ort im Kreis Bad Kreuznach in der Sendung nicht vorkommt.

„Ich sage Ihnen jetzt was“, antwortet dann doch noch einer an der Theke, dreht das Bierglas in der Hand und blickt kurz hoch: „Wir Hundsbacher, wir stehen alle hinter Pulver-Kurt.“

Es fällt kein böses Wort über den Mann, der mit seinem Waffenarsenal das Nachbardorf in die Luft hätte sprengen können. Maschinengewehre, Pistolen – insgesamt 70 Waffen mit rund 120 000 Schuss Munition und bis zu 60 Kilogramm Sprengstoff hat die Polizei in Scheune und Haus des 62-jährigen Rentner entdeckt. Es war bundesweit der größte Waffenfund bei einem Privatmann und es war eine Entdeckung, die die Fantasien anregte.

Schon sprach mancher von einem Waffen-Lager der Gladio, einer Geheimarmee aus dem Kalten Krieg. Andere witterten eine noch unbekannte Neonazi-Organisation. Wahrscheinlich dürfte die Wahrheit deutlich unspektakulärer sein. Die Staatsanwaltschaft geht derzeit eher von einem verrückten Sammler aus, Hinweise auf einen rechtsradikalen Hintergrund gibt es nicht. Aber was heißt das schon bei einem Sammler wie Pulver-Kurt, bei dem die Grenzen zwischen der Begeisterung für Militaria und der Verherrlichung einer Epoche wohl fließend sind.

Es ist dieser schmale Grat auf dem auch die Mitglieder der Szene wandeln, die durch Pulver-Kurt plötzlich in den Fokus gerückt ist: Seit Jahren treffen sich im Raum Baumholder Militärbegeisterte, um Schlachten aus dem Zweiten Weltkrieg nachzuspielen. Sie schlüpfen in Feldhose, fahren im Kübelwagen vor und mit ein bisschen Glück bringt auch jemand einen Jagdpanzer mit. WW-II-Reenacting (Weltkrieg nachstellen) heißt dieses Hobby und die Szene hat es damit in Deutschland verständlicherweise schwer – auch wenn sich die Mehrheit der 
Reenacting-Gruppen ausdrücklich von SS-Gruppen und rechtem Gedankengut distanziert.

In Baumholder dauern die Veranstaltungen meist drei Tage, bis zu 130 Teilnehmer wurden dabei beobachtet. Eingeladen wird von den US-Amerikanern in den Kasernenbereich der Smith-Barracks, auch Häuserkampf steht dabei auf dem Programm.

Am Abend gibt es Filme
über den Weltkrieg

Vor allem in Internetforen werden Mitstreiter gesucht. Ein Teilnehmer, hat sich dabei oft besonders hervor getan, es dürfte sich um den Sohn von Pulver-Kurt handeln. Er ist wegen der Funde ebenfalls ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. „Vor zwei Jahren war‘s cool, letztes Jahr war‘s spitzenmäßig, und dieses Jahr wird‘s der Hammer“, freut er sich etwa 2006 im Vorfeld der Veranstaltung. Es werden nicht nur Schlachten nachgestellt, es gibt auch „zeitgenössische Musik“ und am Abend werden Weltkriegsfilme gezeigt. Tatsächlich wird die 2006er-Veranstaltung einigen mehr in Erinnerung bleiben als ihnen lieb ist.

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Leserkommentare (80)

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von 20SaKu01 vom 01.02 - 11:40 Uhr
Die stehen also alle hinter "Pulver-Kurt". Interessant. Vielleicht sollte er sein nächstes Kriegs- und Waffenlager in Hundsbach anlegen. Mal ...
2
von Jochen Bülow vom 01.02 - 12:18 Uhr
Unglaublich! Die Rhein-Zeitung veröffentlicht ein Foto des Hundsbacher Sprengstoff- und Waffensammlers in voller SS-Tarn-Uniform mit Totenkopf an ...
3
von Rockaxe vom 01.02 - 12:40 Uhr
[QUOTE=Jochen Bülow;14724]Unglaublich! Die Rhein-Zeitung veröffentlicht ein Foto des Hundsbacher Sprengstoff- und Waffensammlers in voller ...

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