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    Kreis NeuwiedÄrztliche Versorgung erhitzt die Gemüter

    Ausgerechnet in seinem Spezialgebiet wurde es für Erwin Rüddel (CDU) ungemütlich. Wie sieht die ärztliche Versorgung der Zukunft aus, wollten die Gewerkschaften von den Bundestagsdirektkandidaten wissen. Und zu diesem Thema wollte sich Rüddel, der wegen eines anderen Termins eigentlich schon auf dem Sprung war, unbedingt noch äußern. Schließlich sitzt der Bundestagsabgeordnete im Gesundheitsausschuss. Er weiß also, wovon er redet.

    Bevor Erwin Rüddel (rechts) geht, gibt Jochen Bülow ihm noch seine Meinung zu dessen Gesundheitspolitik mit auf den Weg.
    Bevor Erwin Rüddel (rechts) geht, gibt Jochen Bülow ihm noch seine Meinung zu dessen Gesundheitspolitik mit auf den Weg.
    Foto: Robin Brand

    „Wir haben zu wenige Ärzte, und die meisten jungen Ärzte haben andere Vorstellungen, als Hausarzt im Westerwald zu werden“, skizzierte er das Problem. Man könne zwar jetzt verstärkt ausbilden. „Aber dann haben wir die jungen Ärzte in zwölf Jahren und nicht in fünf, sechs Jahren, wenn wir die Leute brauchen.“ Man müsse das System so umbauen, dass es mit den Vorstellungen der jungen Leute von heute vereinbar sei. Unabdingbare Werkzeuge für diesen Umbau sind laut Rüddel die Telemedizin, die Gemeindeschwester und Gesundheitszentren. „Wir werden eine neue Art der Gesundheitsversorgung bekommen. Aber davor braucht keiner Angst zu haben“, formulierte Rüddel und wollte sich schon verabschieden.

    Doch da spielte Jochen Bülow (Linke) nicht mit. Eines müsse sich Rüddel noch anhören, sagte er in Richtung des CDU-Manns: „Gesundheit ist Ihr Fachgebiet. Dass Sie sich hinstellen und sagen, es dauert zwölf Jahre, bis junge Ärzte ausgebildet sind, und selbst nicht rechtzeitig gegengesteuert haben, kann ich Ihnen nicht wieder und wieder durchgehen lassen. Das bereitet mir körperliche Schmerzen“, so Bülow, der dafür den wohl lautesten Applaus des Abends erhielt und Rüddel einen unangenehmen Abschied verschaffte. „Ich habe einen Neffen, der seit Jahren hervorragende Arbeit im Rettungsdienst macht und dafür Punkte auf seinen Abischnitt gutgeschrieben bekommt. Er müsste noch viele weitere Jahre diese Arbeit machen, bis er Medizin studieren darf. Die Frage muss doch lauten,“, legte Bülow seine Sicht der Dinge dar, „ob es auch andere Kriterien geben kann als den Notenschnitt im Abitur, die einen Menschen befähigen, Medizin zu studieren.“

    Martin Diedenhofen (SPD) sah das ähnlich. Es sei „Schwachsinn, jungen Menschen kategorisch das Medizinstudium zu verwehren, nur weil sie ein super-schlechtes Abi mit 2,0 gemacht haben“. Doch Diedenhofen erkannte auch ein weiteres Problem. Für viele junge Menschen stehe Karriere nicht mehr an erster Stelle. Da den Sprung als Hausarzt in die Selbstständigkeit zu wagen, sei für viele abschreckend.

    Anna Neuhof (Grüne), einst selbst in der Pflegebranche beschäftigt, sprach sich für eine radikale Lohnsteigerung für Pflegeberufe aus. Nur so könne die angespannte Personallage bekämpft werden. „Für das Geld, das die Menschen verdienen, kann man niemandem mit gutem Gewissen raten, in diese Berufe zu gehen“, so Neuhof. Dass die Versorgung gerade im ländlichen Raum Wünsche offen lässt, könne man aber nicht nur der Politik in die Schuhe schieben. Auch die kassenärztliche Vereinigung trage ihren Teil. „Das ist ein hartleibiger Verein.“ Bei den Personalschlüsseln falle der ländliche Raum regelmäßig hinten runter.

    Viel zu tun sei im ländlichen Raum, erkannte auch Sandra Weeser (FDP). Allerdings lasse sich das Versorgungssystem nicht von heute auf morgen umkrempeln. Zumindest eine Übergangslösung sieht sie in Transportbussen, die Patienten in strukturschwachen Regionen zu Behandlungen befördern könnten.

    Der einladende DGB hielt in Person von Regionsgeschäftsführer Sebastian Hebeisen ein Plädoyer für die paritätische Finanzierung der Krankenversicherung. „Es fängt mit kleinen Beträgen an. Aber wenn es so weitergeht, dass Beitragserhöhungen nur aufseiten der Arbeitnehmer landen, verweigern sich Arbeitgeber irgendwann vollends. Das ist eine Entwicklung, die wir irgendwann nicht mehr einfangen können. Deswegen müssen wir es jetzt tun. Es geht um das Prinzip, wie unsere Gesellschaft funktioniert. Es geht um die Zukunft des Sozialstaats.“

    Von Robin Brand

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