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    Hand aufs HerzVon Ricardo Infante über Diego Perotti zu Wesley Stiltz - Oder: Was ist ein "Rabona"?

    Hätten Sie gewusst, was ein "Rabona" ist? Also ich konnte mir nichts darunter vorstellen, als ich bei meinem Mitarbeiter Tim-Julian Schneider gelesen habe, dass Wesley Stiltz von der Spvgg Teufelsfels gegen den SV Niederwörresbach II per "Rabona-Chip" getroffen hatte. Gut, mir war schon klar, dass es etwas ganz Besonderes gewesen sein musste, denn Kurt Fey, der honorige Vorsitzende der Spvgg Teufelsfels, konnte sich kaum beruhigen, so sehr freute er sich an dem Treffer. "Ich schaue seit Jahrzehnten Fußball, habe aber noch nie so etwas Sensationelles gesehen", schwärmte Fey, und Tim-Julian Schneider schwor, dass der Vorsitzende auch den Fachbegriff "Rabona-Chip" verwendet hatte.

     

    Nachspielzeit von Sascha Nicolay.
    Nachspielzeit von Sascha Nicolay.

    Nachspielzeit von Sascha Nicolay

    Was ist ein "Rabona"?

    Überhaupt hatte mein geschätzter Mitarbeiter überhaupt kein Verständnis dafür, dass ich mit "Rabona" nichts anzufangen wusste. "Jeder weiß, was das ist", meinte er verächtlich. Ich sah meine Autorität schwinden und beschloss meinen Chef zu fragen. "Nö, nie gehört", sagte Olaf Paare. Na bravo, vielleicht Michael Dusek? "Klar, mache ich in jedem AH-Spiel", antwortete der Ex-Profi. Offen gestanden war ich beeindruckt, wusste aber immer noch nicht, was genau ein "Rabona" ist. Also setzte ich meine Recherche fort. Parallel fragte ich meine Facebook-Freunde, die Fußballer meines Bollenbacher SV und die Trainer der beiden am höchsten spielenden Mannschaften des Kreises Birkenfeld. "Hab's grad mal gegoogelt", meinte Sascha Schnell, der Übungsleiter des VfR Baumholder, und schickte mir ein Foto von Neymar, auf dem er mit unnatürlich verdrehten Beinen einen Ball vors Tor flankt. Murat Yasar, der Coach des SC Idar-Oberstein, verriet mir, dass ihm sein acht Jahre alter Sohn Finn gezeigt habe, wie ein "Rabona" funktioniert. "Vorher habe ich das auch nicht gekannt", meinte der SC-Trainer, während Sascha Schnell augenzwinkernd ergänzte: "Da sind wir zu alt für."

    Was ein Kunstschuss mit Schule schwänzen zu tun hat

    Wenn er gewusst hätte, dass der "Rabona" zum ersten Mal schon 1948 aktenkundig geworden ist. Ein gewisser Ricardo Infante spielte damals in Argentinien für Estudiantes de la Plata gegen Rosario Central und setzte einen Ball aus gut 30 Metern mit einem noch nie zuvor gesehenen Schuss in die Maschen. Infante schoss mit dem rechten Fuß, seine Beine kreuzend, hinter dem linken Standbein. "Der Ball ist genau in den Winkel gegangen", schilderte der Schütze 50 Jahre später sein außergewöhnliches Tor. Das Fußball-Magazin "El Grafico" war davon so begeistert, dass es den Schuss auf seiner Titelseite "Rabona" nannte. Der Begriff kommt von "hacerse le rabona", was in Argentinien so viel wie "Schule schwänzen bedeutet" oder "etwas Unangenehmes umgehen". Nun, dem guten Ricardo Infante war es offensichtlich unangenehm seinen schwachen Fuß einzusetzen und er umging dieses Problem mit der komplizierten Überkreuzbewegung. Der Begriff "Rabona" war also geboren, doch bis zu Wesley Stiltz 2016 gegen den SV Niederwörresbach II war es noch ein weiter Weg, denn offensichtlich traute sich 30 Jahre lang kein Fußballer diesen Schuss zu.

    "Ich bin so ein verrückter Vogel"

    Bis Giovanni Roccotelli kam. 1978 bediente der Italiener im Trikot von Ascoli Calcio per "Rabona" seinen Mitspieler Giacomo Tafuro - und der netzte gegen den AC Modena. Roccotelli gilt deshalb (ungerechtfertigterweise) als Erfinder des "Rabona", der auf deutsch weniger klangvoll "Überkreuzschuss" und in Brasilien "Teekessel" heißt.

    Mittlerweile wendet offenbar jeder Fußballer, der internationalen Ruf genießt und etwas auf sich hält, diesen Schuss an. Berühmte Beispiele sind Christiano Ronaldo, Mario Balotelli oder Ricardo Quaresma. Womit wir dann endlich auch bei Wesley Stiltz angekommen wären. "Bei Quaresma habe ich den Trick gesehen. Ich übe ihn seit ich 14 Jahre alt bin", erzählt Stiltz und ergänzt: "Ich habe das auch schon im Training bei der Spvgg Teufelsfels gemacht."

    Mario Balotelli demonstriert den "Rabona"
    Mario Balotelli demonstriert den "Rabona"
    Foto: imago/HochZwei/S

    Stiltz von Perotti inspiriert

    Die Inspiration, den Kunstschuss auch im Spiel zu probieren, lieferte schließlich Diego Perotti. Der Mann vom AS Rom hatte unlängst gegen Viktoria Pilsen per "Rabona" getroffen. "Ich habe mich vor dem Spiel gegen die Niederwörresbacher noch mit einem Kumpel darüber unterhalten", sprudelt es aus Stiltz, ehe er schildert, wie er sein Traumtor in die Tat umsetzte: "Der Ball kam von einem Abwehrspieler flach auf mich zu. Ich habe gesehen, dass der Torwart am Elfmeterpunkt steht. Dann habe ich den Ball ein bisschen gestreichelt und ihn mit rechts hinter dem linken Standbein aufs Tor gelupft."

    Wesley Stiltz traf per Rabona-Chip...
    Wesley Stiltz traf per Rabona-Chip...
    Foto: xxxx

    "Wenn man es drauf hat..."

    Dass ein solcher Schuss auch schiefgehen und man als Schütze schnell als Angeber dastehen kann, ficht Stiltz nicht an: "Ich bin so ein verrückter Vogel, es stand ja schon 2:0 und es war kurz vor Schluss", lacht er und stellt klar: "Wenn man es drauf hat, muss man sich so etwas auch trauen. Und wenn es nicht geklappt hätte, dann hätte es mich auch nicht gejuckt." Doch gegen den SV Niederwörresbach II funktionierte das Kabinettstückchen, und Stiltz bekam Heldenstatus: "Im Verein sind alle ein bisschen durchgedreht", lacht er. Wohl wahr, schließlich war selbst Kurt Fey, der ehrenwerte Vorsitzende, nicht zu bremsen.

    Und ich? Ich habe die Rabona-Bildungslücke geschlossen, obwohl Carsten Beicht vom SV Bundenbach via Facebook erklärte, dass es keine Bildungslücke gewesen sei, um dann mitleidig hinzuzufügen: "Ich denke, fast jeder Fußballer kennt den Begriff..."

    Da tröstet es mich doch sehr, dass im Sinne dieser Definition selbst Ewig-Torjäger Maurizio Poli vom SV Niederwörresbach kein Fußballer ist. Via Facebook gab Poli nämlich zu, dass er den "Rabona" nicht kennen würde, sondern nur den "Brrrt-Schuss"... Doch der ist ein Thema für sich - vielleicht in einer der nächsten Nachspielzeiten...

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