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  • Nachspielzeit von Sascha Nicolay: Weil wir Amateure uns wie Amateure benehmen, feiern sich die DFL und der DFB gegenseitig

    Super verhandelt hat der Deutsche Fußballbund mit der DFL, der Vertretung der deutschen Profifußballklubs, und ihr einen großartigen Erfolg zu Gunsten der Amateurvereine abgerungen. Satte 2,5 Millionen Euro fließen jetzt mehr in die Kassen des DFB, der das Geld sofort und unbürokratisch an seine Vereine an der Basis weitergibt, die finanziell dadurch enorm entlastet werden. Ich hoffe, liebe Leser, Sie hören wie ich wiehere vor Lachen, während ich das schreibe.

     

    Sascha Nicolay.
    Sascha Nicolay.

    Nachpielzeit von Sascha Nicolay

    Vor kurzer Zeit erst haben die Profivereine den am besten dotierten Fernsehvertrag aller Zeiten bekommen. Mehr als eine Milliarde pro Saison wird in Zukunft in den deutschen Profifußball fließen. Davon sind 2,5 Millionen für die Amateurvereine des Deutschen Fußballbunds übrig. Die Kohle ist zweckgebunden für "konkrete Projekte im Rahmen des Masterplans Amateurfußball". Was das genau bedeutet? Vielleicht, dass jeder der 25 000 Klubs im größten Fachverband der Welt einen ordentlichen Spielball im wert von 100 Euro bekommt...

    Wenn es den wenigstens gäbe. Bei den allermeisten der 25 000 Klubs wird von den Profialmosen nichts ankommen. So, wie immer so gut wie nichts vom DFB an der Basis ankommt. Um es wieder einmal knallhart zu sagen. Den Machern beim DFB ist die Basis "wurscht". Sie lassen sich für einen Grundlagenvertrag feiern, der ihnen eigentlich die Schamesröte ins Gesicht treiben müsste.

    Lassen sich gerade für einen neuen Grundlagenvertrag feiern, der den Amateuren zugute kommen soll. DFB-Präsident Reinhard Grindel (links) und DFL-Boss Reinhard Rauball. Dabei müssten alle Amateurklubs nach Unterzeichnung dieses Vertrags auf die Barrikaden gehen. Foto: dpa
    Lassen sich gerade für einen neuen Grundlagenvertrag feiern, der den Amateuren zugute kommen soll. DFB-Präsident Reinhard Grindel (links) und DFL-Boss Reinhard Rauball. Dabei müssten alle Amateurklubs nach Unterzeichnung dieses Vertrags auf die Barrikaden gehen.
    Foto: dpa - picture alliance

    Gut verhandelt wäre es gewesen, wenn der DFB nach Zustimmung zu einem neuen Grundlagenvertrag die Schiedsrichterkosten für alle Amateurspiele übernehmen würde. Etwa 80 000 gibt es davon pro Woche. Setzt man einen recht hohen Durchschnittsbetrag von 100 Euro an, kommen für eine Saison ungefähr 240 000 000 Euro (240 Millionen) zusammen. Viel Geld, natürlich. Aber das wäre gut verhandelt gewesen. Es würde nämlich etwas möglich machen, was konkret bei den "kleinen" Vereinen ankommt.

    Ich weiß natürlich, dass die Profiklubs jetzt aufheulen, dass sie argumentieren, sie müssten konkurrenzfähig bleiben im globalen Vergleich mit anderen Ligen - und sie haben recht!

    Wir Fußballfans wollen ja lieber einen FC Bayern München sehen, der jedes Jahr mit Spielern aus aller Welt die Champions League gewinnt, wollen lieber, dass unser Bundesligaherzensklub Millionen verbrennt für durchschnittliche Spieler, um erst- oder wenigstens zweitklassig zu bleiben. Wir Fußballanhänger sind es, die lieber vor dem Fernseher der Bundesligakonferenz zuschauen, als uns bei einem Bezirksliga- oder Verbandsligaspiel an die Bande zu stellen. Und wir Amateurkicker sind es doch, die lieber ein Bundesligaspiel am Freitagabend in Mainz oder ein Zweitligaspiel in Kaiserslautern gucken gehen, als uns beim Heimatverein im Abschlusstraining auf das Spiel am Sonntag vorzubereiten.

    Wir Fußballfans und wir Amateurfußballer sind es, die den Wahnsinns-Fernsehvertrag, den die DFL abgeschlossen hat, möglich machen und wir sind es auch, die an einem Grundlagenvertrag wie dem aktuellen schuld tragen - weil uns das Profispektakel mit all seinen Begleitumständen wichtiger ist als profanes Vereinsleben mit Amateurfußball und Ehrenamtsarbeit.

    Wir sind es nämlich, die wegen der geldgierigen DFL vor Wut schäumen, die aber gleichzeitig am Sonntagnachmittag vor der Glotze hängen und ein Bundesligaspiel schauen, während der SV Niederwörresbach den SV Bundenbach empfängt oder lieber das nächste Bundesligaevent erleben als uns mit Kickstiefeln auf dem Ascheplatz zu messen. Wir sind es, die uns lieber im Stadion beschallen lassen und das als Stimmung feiern und eher horrende Summen für Pizza, Kochwürste und Bier im Plastikbecher mit Plastikgeld bezahlen statt den TuS Breitenthal gegen den SV Buhlenberg anzukucken - bei Stubbi und Bratwurst vom Feuer.

    Wir dürfen uns nicht wundern, dass der DFB und die DFL einen lächerlichen Grundlagenvertrag wie ein Fußballwunder feiern und dass die Schere zwischen Profifußball und Amateurfußball immer weiter auseinander geht. Wir vermitteln nämlich, dass wir genau das wollen. Wir Amateure benehmen uns auch wie Amateure, sind selbst schuld daran, dass wir finanziell über den Tisch gezogen und deshalb über kurz oder lang zu Grunde gehen werden. Die angesprochene Schere bricht auseinander. Und das ist nicht zum Wiehern vor Lachen, sondern zum Weinen...

    E-Mail an den Autor: sascha.nicolay@rhein-zeitung.net

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