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  • DM-Coup im Kraichgau: Boris Stein überflügelt alle Stars

    Triathlon - Eigentlich war Boris Stein eine Woche zu spät dran. Der Eitelborner, der für die RSG Montabaur startet, hatte bereits am ersten Juni-Sonntag den Ironman 70.3 Switzerland angeführt, als ein plötzlicher Erdrutsch die Wettkampfstrecke unpassierbar machte. Boris Stein lag zu diesem Zeitpunkt in Führung, von oben prasselte strömender Regen, und der starke Radfahrer fühlte sich bei unwirtlichen Bedingungen in seinem Element. Dann wurde das Rennen (vernünftigerweise) abgebrochen. Futsch war der Traum vom ersten großen Sieg eines 28 Jahre alten Triathleten, der sich in den vergangenen fünf Jahren kontinuierlich und mit viel Aufwand nach oben gearbeitet hat. "Nach dem Rennen habe ich mich gleich dafür entschieden, eine Woche später bei der Challenge Kraichgau zu starten", erinnert sich Stein eine Woche danach. Er strahlt: Sein erster großer internationaler Sieg ist unter Dach und Fach.

    Ziel erreicht: Boris Stein.
    Ziel erreicht: Boris Stein.
    Foto: Frank Wechsel /

    Der Teilzeitlehrer aus Eitelborn steht im Zielbereich der Challenge Kraichgau auf der Festwiese in Bad Schönborn. Er wird gefeiert als Sieger eines der bedeutendsten Mitteldistanzrennen Europas, das zugleich als Deutsche Meisterschaft gewertet wird. 3500 Teilnehmer sind im Einzelrennen und im Staffelwettbewerb über 1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Radfahren und 21,1 Kilometer Laufen unterwegs. Stein ist in 3:53:07 Stunden der Schnellste, wenngleich viele Zuschauer seinen Namen noch nicht so genau kennen. Mit ruhmreichen Athleten wie dem schnellsten Langstreckler der Welt, Andreas Raelert, dem Olympiastarter Maik Petzold oder auch dem zweimaligen Ironman-Europameister Timo Bracht können die meisten mehr anfangen.

    Auf dem Weg zu seinem größten Triumph: Boris Stein zeigte bei der Challenge Kraichgau der nationalen Elite die Grenzen auf und verteidigte in einem für ihn perfekten Rennen seinen Titel als Deutscher Meister.
    Auf dem Weg zu seinem größten Triumph: Boris Stein zeigte bei der Challenge Kraichgau der nationalen Elite die Grenzen auf und verteidigte in einem für ihn perfekten Rennen seinen Titel als Deutscher Meister.
    Foto: Frank Wechsel

    Für die Experten zeichnen sich im Kraichgau aber frühzeitig Bedingungen ab, die klar für den Eitelborner sprechen. Am Morgen geht ein Unwetter über dem Startbereich am Hardtsee in Ubstadt-Weiher nieder, die komplette Strecke steht unter Wasser. Es ist kalt, Blitze zucken, der Start muss zweimal verschoben werden. "Mein Wetter", beschreibt Stein die Bedingungen hinterher.

    Als das Rennen mit einer Stunde Verspätung startet, ist es immer noch empfindlich kühl. Viele der schmalen Stars frieren schon, bevor es losgeht; bei Boris Stein dagegen steigt die innere Spannung. Er spürt, dass in diesem Rennen etwas geht. Im Vorjahr war er Dritter der Europameisterschaft im Ironman 70.3 in Wiesbaden - auf der gleichen Distanz. Auch im Kraichgau ist die Radstrecke selektiv, die Bedingungen sind wieder anspruchsvoll - und im Wasser läuft es perfekt. Nur gut 45 Sekunden beträgt sein Rückstand auf die Gruppe um Raelert und Bracht, als er aus dem Wasser kommt. Er fliegt durch die Wechselzone und bekommt beim Start des Radfahrens zugerufen: "Nur 30 Sekunden."

    In den vergangenen Jahren hat sich Stein mit viel Aufwand weiterentwickelt. Er hat hart an seiner Schwimmschwäche gearbeitet und seine Stärken auf dem Rad ausgebaut. Die Mitteldistanz ist gerade in den vergangenen beiden Jahren zu seiner Spezialstrecke geworden, die Kombination aus einem extrem anspruchsvollen, längeren Radfahren und schnellem Laufen liegt ihm. Entsprechend lässt es Stein auf dem Rad im Kraichgau angehen: "Das war härter als auf einer Kurzdistanz", lobt Timo Bracht das Tempo des Eitelborners. Der vielfache Ironman-Sieger Bracht fährt einige Kilometer mit Stein mit, muss den 28-Jährigen aber letztlich ziehen lassen. "Ich wollte ungern mit starken Läufern wie Timo Bracht oder Maik Petzold auf die Laufstrecke gehen", sagt Stein später. In 2:10:42 Stunden fährt er die mit Abstand beste Radzeit. "Ich habe mir gedacht, ich muss es einfach probieren." Es gelingt, nach dem Radfahren liegt Boris Stein klar vorn. Und sein langer, dynamischer und zugleich ökonomischer Schritt ist gleich zu Beginn der 21,1 Kilometer langen Laufstrecke ein Signal: Der Sieg geht heute nur über mich.

    "Auf der ersten von drei Laufrunden hatte ich ein bisschen Oberschenkelprobleme", sagt Stein später. Aber der Wille überflügelt alles, der Westerwälder setzt sich immer klarer ab. In 1:15:01 Stunden legt er den schnellsten Halbmarathon aufs Parkett - und feiert den größten Erfolg seiner Karriere.

    Von unserem Redakteur Volker Boch

    Titel für Myriam Klein

    Ihr Ziel, unter fünf Stunden zu bleiben, hat Myriam Klein verpasst. Doch damit konnte die Triathletin der RSG Montabaur gut leben. "Bei diesen schwierigen Bedingungen war nicht mehr drin", sagte die Ausdauersportlerin aus Ransbach-Baumbach. "Wenn man hinterher merkt, dass man Deutsche Meisterin ist, spielt das aber keine Rolle."

    Bei der Challenge Roth lief Klein nach 5:02:24 Stunden als 19. Frau über die Ziellinie und wurde Zweite der Altersklasse W 30. "Ich wusste allerdings nicht, dass die Erste meiner Klasse aus den Niederlanden kommt und ich somit den Titel habe. Das war eine tolle Überraschung am Abend, auch wenn ich durch die ganzen Verzögerung die Siegerehrung verpasst habe." Weniger glücklich waren nach dem Rennen Torsten Reuter und Dirk Wildenberg von der RSG Montabaur. Auf einem kurzen Abschnitt der Radstrecke wurden vermutlich bewusst Scherben gestreut, die für Plattfüße in Serie sorgten. Beide RSG-Sportler waren betroffen und mussten ebenso das Rennen vorzeitig beenden wie der Kadenbacher Triathlon-Profi Markus Fachbach. "Hier hat sich anscheinend jemand einen üblen Streich erlaubt und versucht diese erstklassige Veranstaltung zu sabotieren", so Fachbach. ros

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