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    Fußballerische Details durch EM bestätigt

    Thomas Tuchel preist die Raute der Italiener und Trainer, die ihre Spieler beim Matchplan nicht überfordern.

    FAZ-Kolumnist Thomas Tuchel zog aus der EM 2012 einige interessante, auch für den Mainzer Trainer verwertbare Erkenntnisse. 
Foto: Harry Braun
    FAZ-Kolumnist Thomas Tuchel zog aus der EM 2012 einige interessante, auch für den Mainzer Trainer verwertbare Erkenntnisse.
    Foto: Harry Braun

    Thomas Tuchel ist ausgesprochen zufrieden. Die dritte Trainingswoche in der langen Sommervorbereitung hat begonnen. Der Trainer des Fußball-Bundesligisten FSV Mainz 05 spürt Begeisterung und Willen in seinem Kader. "Einigen Spielern merkt man total an, dass sie sich vom ersten Trainingstag an etwas vorgenommen haben", erklärte der Fußballlehrer gestern nach der Vormittagseinheit auf dem Rasen des Bruchwegstadions. Selbst bei den nicht sonderlich beliebten Athletikeinheiten am Nachmittag im Kraftraum erkennt Tuchel insgesamt Profis, "die wahnsinnig konzentriert, diszipliniert und leidenschaftlich dabei sind". Der 05-Coach spürt bei den Spielern eine Freude daran, sich verausgaben, physisch alles investieren zu wollen. "Das nehme ich total wahr."

    Steigungswinkel einer Rampe

    Die Spielformen auf sich verändernden kleinen Räumen sind alle Profis gewohnt. Neuzugänge muss Tuchel (noch) nicht integrieren in diese 05-typische Art des komplexen Trainings. Die Abläufe sind bekannt, entsprechend intensiv, tempogeladen, taktisch sicher geht es zur Sache. Umfänge und Intensität der Belastungen verlaufen diesmal mit dem stetigen Steigungswinkel einer Rampe. Am Dienstagmorgen waren die Spielformen so angelegt, dass die Spieler eine bestimmte Laufstrecke nicht erreichten, also wurden in der prallen Sonne noch ein paar Steigerungsläufe ohne Ball angehängt.

    Auf die Testspiele nimmt die Trainercrew in der Belastungssteuerung keine Rücksicht. Am Freitag (18 Uhr) beim Landesligaabsteiger TSV Langenlonsheim-Laubenheim wird Tuchel zwei Formationen auflaufen lassen, die jeweils eine Halbzeit bestreiten. Am Samstag (17 Uhr) beim von den Ex-05-Profis Sandro Schwarz (Chef) und Dennis Weiland (Ko) trainierten Regionalligaaufsteiger FC Eschborn wird Tuchel an dieser Prozedur nichts ändern.

    Im Pressegespräch nahm der Mainzer Cheftrainer gut gelaunt zu einigen Themen Stellung. Ein Schwerpunkt: Die Kurzanalyse der EM 2012. Ein "paar interessante Sachen" sind bei Tuchel, der in den EM-Tagen als Kolumnist bei der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" tätig war, hängen geblieben. In diesen Bereichen fühlte sich die Mainzer Trainercrew in ihrem fußballerischen Ansatz bestätigt. Ein Beispiel. Ein Trainer müsse bei der Erstellung des Matchplans und der Formierung der Startelf nicht immer zeigen, "was er Wichtiges weiß" - wenn es in der Praxis dann nicht zur Mentalität oder zu den Fähigkeiten der Spieler passe.

    Selbstkritischer Ansatz

    Mit diesem durchaus selbstkritischen Ansatz war Tuchel bereits aus der vergangenen Bundesligasaison ausgestiegen. Als er erwähnte, es sei nicht gut, wenn der Trainer mit seinen (fachlich immer fundierten) Entscheidungen der Mannschaft manchmal drei, vier Schritte vorauseile. Damit hob der Fußballarchitekt ab auf Spiele, in denen er seinem Team zu komplizierte taktische Ansätze geschneidert hatte, was dann meist daran ablesbar war, dass das 05-Spiel zu theoretisch, zu verkopft wirkte. Man könnte da von situativer taktischer oder mentaler/emotionaler Überforderung sprechen.

    Wer wollte, konnte Tuchels gestrigen gedanklichen Ausflug zu diesem Thema beziehen auf Joachim Löws ebenso überraschenden wie später heftig kritisierten Match- und Startelfplan für die verlorene Halbfinalpartie der DFB-Elf gegen Italien. Um es klar zu sagen: Tuchel nannte Löw in seinen Ausführungen ausdrücklich nicht, er sagte lediglich: "Das war eine inhaltliche Niederlage." Sein allgemeines Fazit: "Es bleibt die Kunst eines Trainerteams, bescheiden zu bleiben im Ansatz." Erfolgreich bei dieser EM seien jene Mannschaften gewesen, "die sich treu geblieben sind".

    Zum Beispiel die Italiener. Die als einziges Team konstant die Mittelfeldraute am Start hatten. "Die Raute bleibt fies für den Gegner, da fühlen wir uns bestätigt", erzählte Tuchel, der diese Variante gerne auswärts wählt für ein schnelles offensives Umschaltspiel.

    Mit Raute immer gefährlich

    "Da sind dann ein paar Sachen etwas komplizierter zu regeln, aber die Raute passt auf alles." Mit zwei Sturmspitzen und einem Zehner, so Tuchel, "ist man immer gefährlich". Und mit einem Andrea Pirlo, dem italienischen "Sechserzehner" in der Mitte des Feldes, bietet sich die Raute ganz natürlich an.

    Ohne "echten Zehner" im Kader werde es allerdings immer schwer sein, eine Raute mit Leben zu füllen, sagte der 05-Coach. Beiläufig. Das ließe sich interpretieren. Andreas Ivanschitz und Yunus Malli stufte Tuchel in einem anderen thematischen Zusammenhang auch gestern wieder eher als "hängende Spitze" ein. Könnte bedeuten: Mainz 05 sucht auf dem Transfermarkt noch einen echten Zehner...

    Eine Diskussion über die "Typenfrage", also fehlende "Drecksäcke" oder "Ärmelaufkrempler" im DFB-Team, mag Tuchel nicht führen. Löw habe 15, 16 Pflichtspiele hintereinander gewonnen "mit diesen Typen", gegen Italien habe er ein Spiel inhaltlich verloren, "und nicht, weil da Toni Schumachers gefehlt hätten". Allerdings, zum Saisonende hatte Tuchel auch in Mainz angemerkt, unter den möglichen Neuzugängen dürfe sich ruhig der ein oder andere "Aggressionstyp" befinden.

    Wenig aktive Balleroberung

    Eine klare Absage erteilte Tuchel dem favorisierten EM-Defensivtrend, vielbeinig Zonen zu verteidigen, denn eine aktive Balleroberung zu betreiben. Elegant-intelligentes Pressing und Gegenpressing sah man in Vollendung beim Titelverteidiger Spanien; die rustikalere Variante noch bei Italien und Portugal. Der Rest, inklusive der DFB-Elf, wartete in mal mehr, mal weniger tief organisierten Blockstellungen auf Fehler des Gegners; bestenfalls wollte man mit diesem eng gehaltenen Feld noch Fehler provozieren. "Das können wir nicht machen", erklärte Tuchel gestern. Wenn er seiner Mainzer Mannschaft Bilder zeigen wolle von einer als Vorbild dienlichen Defensivarbeit, dann werde er sicher eher Auftritte von Borussia Dortmund wählen. Fanatisches Pressing und Gegenpressing in Reinkultur. Was zudem den Vorteil hat: Über aktive Balleroberung erwischt man den Gegner auch mal defensiv unorganisiert, und dann findet man auch Wege in die Tiefe - was bei dieser EM nicht nur der DFB-Elf fast gar nicht gelang. Reinhard Rehberg


    Das letzte Testspiel vor dem Start in den DFB-Pokal bringt den 05ern noch mal einen attraktiven Gegner ins Haus: Die Tuchel-Elf empfängt am 11. August (Samstag) in der Coface-Arena den spanischen Topklub FC Sevilla, 2006 Gegner der Mainzer im Uefa-Pokal.

    Mainz 05
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