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Kempenich will barrierefrei werden

Kempenich -Barriefreiheit für Senioren und alle Menschen mit eingeschränkter Mobilität schaffen, hat sich eine Projektgruppe im Brohltalort Kempenich als Ziel gesetzt. Wo es Schwierigkeiten gibt, wurde bei einer Dorfinskeption mit Rollator in erfahrung gebracht.

Mit Rollator war die 90-jährige Apollonia Graef aus dem nahen Seniorenheim Marienburg mit von der Partie, als die Arbeitsgruppe den Kreuzungsbereich Bahnhofstraße/Burgstraße genauer unter die Lupe nahm.
Hans-Josef Schneider

Eigentlich sollte jeder Kommune daran gelegen sein, dass sich Menschen jeden Alters dort wohlfühlen. In Kempenich geht man seit Jahren erfolgreich den Weg, vor allem die Jüngsten und die Älteren in die Planungen mit einzubeziehen. Ende 2008 bildete sich eine Projektgruppe „Spielleitplanung und Barrierefreiheit“, die mit einer Fragebogenaktion an beiden Kindergärten und der Grundschule startete. Die Komplexität des Themas verlangte nach einem Aufsplittern in Spezialbereiche.
„Kempenich für Senioren – Kempenich barrierefrei“ lautet das Motto der Projektgruppe, die sich fortan mit Interessen und Bedürfnissen der Senioren der Gemeinde beschäftigte. Alle Bürger sollen ohne Beeinträchtigungen am öffentlichen Leben teilnehmen können, so die Zielsetzung. In einer Befragung der über 65 Jahre alten Einwohner erfuhr die von Evi Schüngel geleitete Gruppe, dass die Senioren von Kempenich und Engeln sehr am Ortsgeschehen interessiert sind. Die eindrucksvolle Zahl von 66 Antworten (18 Prozent) beweist dies.
Über die Einkaufsmöglichkeiten und das Freizeitangebot in der Gemeinde wurde überwiegend positives geurteilt. Dennoch gibt es eine Reihe konkreter Anregungen und Verbesserungsvorschläge. Verschiedene Lösungsansätze gilt es nun, in Zusammenarbeit mit Vereinen, Firmen und Institutionen zu konkretisieren und umzusetzen. Älteren Mitbürgern ist ihre Eigenständigkeit wichtig, gleichwohl wird in konkreten Situationen Hilfe benötigt. Information über bereits bestehende Angebote, bedarfsgerechte Ergänzungen, die Einbindung vieler Interessengruppen und eine breite Beteiligung einzelner Bürger – durchaus auch für Einzelmaßnahmen oder eng begrenzte Aufgaben – sind Bausteine, um für ältere Menschen auch künftig Lebensqualität zu garantieren.
Umfassend und auch sehr kritisch waren die Rückäußerungen zum öffentlichen Verkehrsraum. Ältere Menschen, vor allem aber solche mit Mobilitätseinschränkungen bewerten Dinge anders wie junge, gesunde Menschen. Barrierefreiheit heißt das Zauberwort. Mit Eigenleistung sollen nach Auffassung der Experten kostengünstige Maßnahmen zeitnah realisiert werden. Besonders wichtig: Bei bereits vorgesehen Maßnahmen, aber auch bei künftigen Projekten sollten die Impulse aus der Umfrageaktion in die Planungen mit einfließen.
Erstmals praktiziert wird dies beim schrittweisen Ausbau der Ortsstraßen Burgstraße und Bahnhofstraße. Beides sind wichtige innerörtliche Straßen, an ihnen liegt auch der Hauptzugang zum Seniorenheim Marienburg. Auf die Bedürfnisse von Menschen mit Mobilitätseinschränkungen soll mit einer Fahrbahn-Überquerungshilfe im Bereich des Altenheims, mit Bordsteinabsenkungen an Kreuzungsbereichen und vor Eingängen sowie mit sicheren Verkehrslenkungen an Kreuzungsbereichen eingegangen werden.
Die Situation vor Ort wurde mit einem Verkehrsexperten des ADAC Mittelrhein beraten, die Projektgruppe, eine Heimbewohnerin und eine sehbehinderte Bürgerin waren kürzlich bei einer Begehung mit von der Partie. Zusammen mit Rainer Dommermuth, Mitarbeiter der VG-Bauabteilung, wurde der Ist-Zustand analysiert und es wurden Weichen gestellt für die anschließende Überplanung des Straßenbereichs.
„Mit einfließen in unsere Überlegungen werden die geplante Erweiterung des Edeka-Marktes und die Neugestaltung des Kreuzungsbereichs L83/Burgstraße“, macht Ortsbürgermeister Stefan Friedsam deutlich, dass bis zum Baubeginn noch etliche Monate ins Land gehen werden.

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