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  • Verkaufspleite: Hahn-Businessplan auf die Schnelle erstellt

    Rheinland-Pfalz. Die Verkaufspleite am Flughafen Hahn nimmt immer skurrilere Züge an. Der Idar-Obersteiner Bernsteinschleifer Hans-Werner Müller hat nun gegenüber dem SWR erklärt, dass er Ende Juli 2015 mit seinem Freund Yu Tao Chou in nur vier Tagen einen ersten Businessplan für den Hunsrück-Airport entworfen hat.

    Foto: Jens Weber

    Von unserem Redakteur Dietmar Brück

    Der ehemalige Frachtpilot Chou soll regelrecht angefixt gewesen sein, als er von dem Verkauf des Flughafens hörte. Der Chinese trat später als Generalbevollmächtigter des vermeintlichen Hahn-Investors Shanghai Yiqian Trading (SYT) auf. Der notarielle Kaufvertrag trägt indes Müllers Unterschrift. Unklar ist, ob der Bernsteinhändler dafür eine größere Provision erhielt.

    Das ungleiche Paar war zunächst offenbar alles andere als gerüstet für den Megakauf. Denn Müller gestand jetzt, "keiner von uns hatte auch nur den blassesten Schimmer gehabt". Selbst Innenstaatssekretär Randolf Stich (SPD) musste einräumen, dass der Hintergrund des einstigen Topfavoriten für den Hahn-Verkauf "in der Tat sehr abenteuerlich klingt".

    Natürlich legte die SYT später einen viel detaillierteren Geschäftsplan vor. Er umfasst 73 Seiten, gespickt mit Zahlen, Szenarien und Diagrammen. Seine Prognosen lassen allerdings auch in der Langfassung erstaunen. Im besten Fall ging die Shanghai Yiqian Trading beispielsweise von bis zu 2,5 Millionen Tonnen Fracht im Jahr aus. Das wäre mehr als das Frachtaufkommen von Megaflughäfen wie Paris oder Frankfurt.

    Irritation um brisante Mail

    Derzeit gibt es zudem Irritationen über eine frühzeitige Warnmail des einstigen CDU-Landesvorsitzenden Johannes Gerster an Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD). Der Christdemokrat - mit gutem Draht zu einem hochkarätigen deutschen Wirtschaftsvertreter in China - hat bereits kurz nach der Präsentation des Hahn-Investors den Hinweis erhalten, dass über die SYT in einschlägigen chinesischen Quellen nichts zu finden ist.

    Am 9. Juni will er eine Warnmail an das Büro von Ministerpräsidentin Dreyer geschickt haben. Gersters Verdacht: "Es gibt die Firma gar nicht." Ihm sei es nicht um Parteipolitik gegangen, so der CDU-Mann gegenüber unserer Zeitung. Zugleich findet er es "überhaupt nicht begreifbar", dass von der Staatskanzlei nicht die kleinste Reaktion erfolgte.

    In der Regierungszentrale indes weiß man nichts von der Mail, wie unserer Zeitung auf Anfrage bestätigt wurde. Nachforschungen in allen relevanten Ordnern und an allen relevanten Stellen hätten kein Ergebnis gezeigt, hieß es. Johannes Gerster will die Mail unglücklicherweise versehentlich gelöscht haben. Er beteuert aber, dass er den Warnhinweis abschickte. Informiert hat er damals übrigens auch seine CDU-Landesvorsitzende Julia Klöckner. Die Mail an sie liegt noch vor. Auch von Klöckner erhielt Gerster keinerlei Rückmeldung.

    Zugleich sickerte durch, dass es in der Landesregierung bereits früh Zweifel an der Integrität der Shanghai Yiqian Trading (SYT) gab, die später mit einem gefälschten Banknachweis aufflog. Innenminister Roger Lewentz (SPD) hatte im Interview mit unserer Zeitung bereits vor Tagen darüber informiert, dass der Verfassungsschutz den Investor überprüft.

    Nun legte das Innenministerium nach. Der rheinland-pfälzische Verfassungsschutz unterrichtete "regelmäßig - auch intern - über die Spionageaktivitäten chinesischer Nachrichtendienste". Die Experten dort wissen, dass ein Flughafen ideal ist, um einen Stützpunkt des Geheimdienstes zu errichten oder Agenten ein- beziehungsweise auszuschleusen, wie aus einem Schreiben der Behörde ans Innenministerium hervorgeht. Ein solches Vorgehen ist laut Verfassungsschutz auch mit vermeintlich privaten Partner möglich. Konkrete Verdachtsmomente hatten die Verfassungsschützer allerdings nicht. Auch sie verweisen auf die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. Das Schreiben liest sich wie eine Standardinformation.

    Finanzministerium blieb kritisch

    Das Finanzministerium schlug indes vor, der SYT mit einer Wirtschaftsdetektei auf den Zahn zu fühlen. Das wollte aber das Innenministerium nicht. Da eine Beteiligung des Verfassungsschutzes keine Erkenntnisse ergab, "erschien laut Innenministerium ein weiterer relevanter Erkenntnisgewinn durch eine Wirtschaftsdetektei über die im Rahmen der genannten, gesondert beauftragten Prüfung durch KPMG hinaus, nicht zu erwarten", hieß es vom Finanzministerium auf Anfrage unserer Zeitung.

    Dabei wechselten die Gesellschafter der Käuferfirma SYT nicht nur häufiger, sondern sogar noch zwei Wochen vor der Unterzeichnung des Kaufvertrags, so die Rheinpfalz. Aus dem Mehrheitsgesellschafter Chao Zhou wurde der Mehrheitsgesellschafter Zhu Qing, wie unserer Zeitung bestätigt wurde. In der ersten Kabinettsvorlage, vorgelegt in der zweiten Maihälfte, tauchte der Edelsteinschleifer Müller übrigens nicht einmal auf.

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