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    MainzTäter mit Kraft des Wortes zur Aufgabe bewegen

    Ein Familienstreit droht im Sommer 1996 in einer blutigen Katastrophe zu enden: Der Vater nimmt sein zwei Jahre altes Kind als Geisel. Als die Polizei zu dem Haus im Westerwald kommt, schießt der Mann auf die Beamten und verschanzt sich. Dennoch spricht er weiter mit den Polizisten und stellt sich etwa zwei Stunden später. Der Einsatz geht ohne Blutvergießen zu Ende.

    Mainz - Ein Familienstreit droht im Sommer 1996 in einer blutigen Katastrophe zu enden: Der Vater nimmt sein zwei Jahre altes Kind als Geisel. Als die Polizei zu dem Haus im Westerwald kommt, schießt der Mann auf die Beamten und verschanzt sich. Dennoch spricht er weiter mit den Polizisten und stellt sich etwa zwei Stunden später. Der Einsatz geht ohne Blutvergießen zu Ende.

    Täter mit der Macht des Wortes zur Aufgabe bewegen - das ist die Mission der Verhandlungsgruppe beim rheinland-pfälzischen Landeskriminalamt (LKA) in Mainz. Ihre Mitglieder leisten ihren "normalen" Dienst an ganz verschiedenen Stellen im Land - bei der Kriminal- oder Schutzpolizei.

    Sie werden gerufen, wenn Verhandlungsgeschick gefragt ist. Das kann bei Geiselnahmen oder Bedrohungen, Amokläufen, Entführungen und Erpressungen sein oder wenn Lebensmüde drohen, sich umzubringen. "Wir wollen dann zunächst herausfinden "Wie ticken die?" und wie können wir die Täter in unserem Sinne beeinflussen", erklärt der Leiter der Verhandlungsgruppe, der namentlich nicht genannt werden möchte. Es habe beispielsweise einen Fall gegeben, bei dem ein Bankräuber Geiseln genommen habe. "Ihm ging es jedoch nicht ums Geld, sondern er wollte seiner Freundin imponieren", berichtet der Polizist. Mit einem verliebten Macho müsse man natürlich anders sprechen als mit einem habgierigen Räuber.

    Die Verhandlungsgruppe zählt zur Abteilung Einsatzunterstützung und steht dem Polizeiführer zur Seite, der alle Fäden in der Hand hält. Die Beamten versuchten zunächst herauszufinden, wie ernst eine Drohung gemeint ist, erklärt ihr Leiter. Um möglichst viele Informationen zu sammeln, sprechen sie - etwa bei einer Geiselnahme - auch mit Angehörigen des Täters oder der Opfer.

    2010 wurde die Gruppe bereits mehr als ein Dutzend Mal zu Hilfe gerufen, in den vergangenen Jahren zwischen 60 und 70 Mal. Bei etwa einem Drittel der Einsätze geht es um angedrohte Suizide. "Vor unseren Augen ist noch nie jemand gesprungen", berichtet der Gruppenleiter. Eine große Anspannung für die Beamten ist jeder Einsatz dennoch aufs Neue. Etwa der Fall einer psychisch kranken Frau in Mainz. Rund zwölf Stunden stand sie nur mit leichter Hose und T- Shirt bekleidet im Freien - teils bei Schneeregen. Dann gelang es den Polizisten, dass sie von selbst aus der Gefahrenzone kam und in Sicherheit gebracht werden konnte.

    Über eine mangelnde Zahl von Interessenten unter den Beamten kann sich die Verhandlungsgruppe nicht beklagen - mehr als 90 Bewerbungen gab es etwa im vergangenen Jahr. Dampfplauderer und Selbstdarsteller sind jedoch völlig fehl am Platz. "Es ist sehr viel wichtiger, zuhören zu können", betont der Gruppenleiter. Ein Neuling muss vor allem gut in die Gruppe passen. "Es ist nicht so, dass wir einen raus schicken und der redet dann mal drauf los", sagt der Spezialist. Jedem Einsatz liegen konkrete Verhandlungskonzepte zugrunde, die in der Gruppe ausgearbeitet wurden.

    Wer dann den direkten Kontakt mit dem Täter oder Lebensmüden aufnimmt, wer in einem bestimmten Fall die Rolle des "Sprechers" übernimmt, hängt von verschiedenen Aspekten ab. Dabei können Geschlecht und Alter, aber auch die Herkunft und etwa ein bestimmter Dialekt entscheidend sein, um einen Draht aufbauen zu können.

    Von Andrea Löbbecke

    - LKA: http://dpaq.de/rPlA6

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