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  • Schadstoffe: Behörden flüchten aus dem Koblenzer Schloss

    Koblenz. Herrscht Gesundheitsgefahr im Kurfürstlichen Schloss in Koblenz? Aus der Furcht davor werden die Behördenstuben jedenfalls immer leerer. Von einem "Geisterschloss" ist die Rede - aber auch von einer millionenschweren Generalsanierung.

    Ein kleiner Donnerschlag: Behörden kehren dem Koblenzer Schloss fast fluchtartig den Rücken. Dieses Foto hatte unser Leser Günther Schmidt aus Koblenz allerdings schon im vergangenen Jahr gemacht... 
    Ein kleiner Donnerschlag: Behörden kehren dem Koblenzer Schloss fast fluchtartig den Rücken. Dieses Foto hatte unser Leser Günther Schmidt aus Koblenz allerdings schon im vergangenen Jahr gemacht... 

    Von unserer Chefreporterin Ursula Samary

    Gut 200 Mitarbeiter des Hauptzollamts Koblenz packen die Umzugskartons – ziemlich überstürzt, wie Mitarbeiter sagen. Auch der Zoll sucht Ausweichquartiere. „Es ist alles ganz schnell gegangen“, stellt die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben fest. Das Rechnungsprüfungsamt des Bundesrechnungshofs hat bereits seit Mai die Heim-Telearbeit verstärkt, die Anwesenheit im Südlicher Zirkelbau drastisch eingeschränkt und sucht neue Räume. Was ist da los? 

    Nach Angaben des Bundesrechnungshofs wurden bei Raummessungen Benzol und das in hoher Konzentration gesundheitsschädliche Naphthalin festgestellt. Vorsorglich habe man die Anwesenheit der Mitarbeiter im Schloss daher gedrosselt. Nur der Mittelbau und damit das Herzstück des Schlosses erstrahlt nach einer 3,8 Millionen Euro teuren Sanierung im frühklassizistischen Glanz. Aber hinter der Fassade von Nord- und Südzirkel des in den 50er-Jahren wieder aufgebauten Schlosses liegen Behördenbüros, die ziemlich marode sind.

    Seit der Nachkriegszeit muss die Beamtenstadt Koblenz damit leben, dass in ehemaligen Prachtbauten am Rhein Bundesbehörden residieren – im Schloss wie auch im ehemaligen Grand-Hotel Koblenzer Hof. Seit aber Bundeswehrangehörige Ende 2011 den einsturzgefährdeten Koblenzer Hof eilig räumen mussten, wird diskutiert, ob er wieder als Fünf-Sterne-Hotel zu nutzen ist. Ergeben sich auch im Schloss ganz neue Möglichkeiten in idealer Lage?

    Dies ist für die Hausherrin, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, kein Thema. Die Bima plant eine millionenschwere Generalsanierung, wie der für Bundesimmobilien in Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Saarland zuständige Experte Thomas Hofmann sagt. Die Mieter warteten lange darauf, nach ihrem Geschmack zu lange. Der endgültige Beschluss des Vorstands steht auch noch aus. „Es kann bald passieren“, meint Hofmann ohne genaue Terminangabe. Aber mit der denkbaren Gesundheitsgefahr herrscht jetzt auch Druck. Das aufs Schloss verteilte Hauptamt wollte in den brach liegenden, früher von der Bundeswehr genutzten Nordzirkel ziehen. Aber die Sanierung zog sich hin.

     Nach den Worten von Hofmann wurden dort Arbeiten verschoben, um die Generalsanierung anzupacken. Nach seinen Worten sind Schadstoffe nur „in ganz geringem Maße“ ausgetreten. Sie dringen angeblich aus dem Boden. Hofmann wartet auf ein Gutachten und möchte – anders als der Rechnungshof – die Schadstoffe nicht benennen. Er wolle „nichts hinterm Berg halten“, nur das Prüfergebnis abwarten, versichert er auf Anfrage. Gleichwohl wird deutlich, dass die unklare Schadstoff- und Sanierungslage den Auszug der Bundesbehörden begründet und jetzt auch beschleunigt. „Da zofft man sich auf höchster Ebene“, heißt es auf den Fluren des Zolls, dessen Spitze auch Konsequenzen zieht.

    Ob Gesundheitsgefahr der Grund für den plötzlichen Auszug oder Evakuierung ist, will der Sprecher des Hauptzollamts, Thomas Molitor, nicht bestätigen. Das ist offenbar Sache des Chefs, der in der nächsten Woche erreichbar sei. Nach seinen Worten sucht das Amt aber dringend neue und auch mehr Räume. Denn der Zoll – und nicht mehr die Länder – treibt vom 1. Juli 2014 an die Kfz-Steuer ein. Deshalb will sich das Koblenzer Amt mit ehemaligen Bundeswehr- und Telekom-Angehörigen verstärken. Dafür fehlt noch Platz. Vorerst sollen bisherige Mitarbeiter in die Außenstelle der Finanzkontrolle Schwarzarbeit umziehen, andere Heimarbeit machen.

    Für die Besucher, die durch die Gärten flanieren oder den sanierten Schlossteil besuchen, ändert sich nichts. Den Mitteltrakt samt der Gärten hat die Stadt Koblenz für 30 Jahre gepachtet – mit der Option zu verlängern.

    Im Koblenzer Schloss droht keine GesundheitsgefahrKoblenzer Schloss: Im Mittelteil liegt keine gesundheitsgefährdende Schadstoffbelastung vor
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