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  • Gesundheit Kritik an Vorstoß der Kassenärzte - Krankenhausgesellschaft schlägt Alternative vor

    Nur gegen Gebühr in die Notaufnahme? Kritik an Vorstoß der Kassenärzte

    Rheinland-Pfalz. Im Kampf gegen überfüllte Notaufnahmen in Krankenhäusern wollen mehrere Kassenärztliche Vereinigungen (KV) jetzt die Patienten zur Kasse bitten. Wer kein wirklicher Notfall ist, soll so dazu gebracht werden, zum Bereitschafts- oder Hausarzt zu gehen.

    Notaufnahme-Station
    Die Krankenkassen bemängeln, dass immer mehr Patienten mit Bagatellerkrankungen direkt in die Notaufnahme gingen.
    Foto: dpa

    Die KV Berlin fordert eine Notaufnahmegebühr: Jeder, der in die Notaufnahme kommt, soll pauschal 20 Euro bezahlen. Ist es ein Notfall, bekommt er sein Geld zurück, sonst nicht. Die KV Sachsen geht noch einen Schritt weiter: Jeder, der nicht mit einem Krankenwagen in die Klinik kommt, soll 20 Euro bezahlen, diese aber nicht erstattet bekommen. Auch die KV Rheinland-Pfalz setzt sich für eine Selbstbeteiligung der Patienten ein, bei den Details sieht Sprecher Rainer Saurwein aber den Gesetzgeber gefordert. Außerdem betont er, dass dies zwar eine jahrelange Forderung des KV-Vorstands ist, dass aber noch nicht klar ist, ob auch der neue Chef Dr. Peter Heinz diese unterstützt.

    Ansturm von Patienten

    Fakt ist, dass die Notaufnahmen seit Jahren mit einem Ansturm von Patienten mit Bagatellleiden zu kämpfen haben, die auch in den 48 rheinland-pfälzischen Bereitschaftspraxen oder schlicht beim Hausarzt hätten behandelt werden können. So berichtet das Katholische Klinikum Mainz, dass in seiner Notaufnahme im vergangenen Jahr 30.000 Patienten behandelt wurden. Doch nur etwa 10 Prozent seien Notfälle gewesen. Ähnliche Eindrücke schildern auch andere Kliniken. Laut KV kommen jährlich 400.000 Patienten in die Bereitschaftspraxen der Ärzte im Land. Das macht 8300 Fälle pro Praxis – deutlich weniger als in den 88 Notaufnahmen. „Wir versuchen, auf die Bereitschaftsdienste aufmerksam zu machen“, sagt Saurwein. „Aber es gibt Menschen, die wir trotzdem nicht erreichen.“

    Aus Sicht von Dr. Gerald Gaß, Chef der Landeskrankenhausgesellschaft, reicht dies nicht: „Statt einer Strafgebühr für Patienten fordern wir, dass die KV ihre Ärztlichen Bereitschaftsdienstzentralen an sieben Tagen pro Woche und flächendeckend verfügbar macht, und zwar möglichst in den Krankenhäusern.“ Dort könnten die hausärztlichen Bereitschaftsdienste eine wichtige Lotsenfunktion wahrnehmen, indem sie entscheiden, ob ein Patient als Notfall behandelt werden muss oder nicht. Zum Teil geschehe dies schon. Doch viele Bereitschaftszentralen seien nur am Wochenende und von Mittwochnachmittag bis Donnerstagsvormittag besetzt – außerhalb der Sprechzeiten vieler niedergelassener Ärzte. Das reiche nicht.

    Bereitschaftszentralen an Kliniken

    Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) sieht auch die Krankenhäuser gefordert, „Patienten mit leichten Erkrankungen bereits am Empfang den richtigen Weg zur Bereitschaftsdienstzentrale zu weisen“. Bereits jetzt sei die weit überwiegende Zahl der Bereitschaftszentralen an Kliniken angesiedelt. Jetzt müsse die KV die Patienten besser informieren, „wo und zu welchen Zeiten sie medizinische Hilfe bekommen“.

    Laut Landesärztekammerchef Dr. Günther Matheis können vorerst auch besonders geschulte Pflegekräfte Patienten in der Notaufnahme lotsen. Um dies flächendeckend sicherzustellen, müssten alle Beteiligten, von der KV bis zur Krankenhausgesellschaft, an einer Lösung arbeiten. Auf keinen Fall dürfe dies auf dem Rücken der Patienten geschehen. Die 2013 abgeschaffte Praxisgebühr hat laut Matheis gezeigt, dass sich Patienten durch diese Zwangsgebühren nicht von unnötigen Arztbesuchen abhalten lassen.

    Für die Gesundheitsministerin birgt die Notaufnahmegebühr sogar die „Gefahr einer Zweiklassenmedizin zwischen denen, die sich einen Arztbesuch in jedem Fall leisten können, und solchen, die vor einer solchen Gebühr zurückschrecken“. Barmer-GEK-Landeschefin Dunja Kleis fordert daher: „Menschen müssen vorbehaltlos darauf vertrauen können, dass ihnen im Krankenhaus geholfen wird, ohne dass vorher klar ist, ob es sich um einen echten oder doch nur um einen vermeintlichen Notfall handelt.“

    Von unserem Redakteur Christian Kunst

     

    Mit Bagatellleiden in die Notaufnahme: Kliniken sind gegen GebührViele sind fehl am Platz: Selbstbeteiligung von Patienten in Notaufnahmen gefordertNotaufnahmen quellen über: Bagatellfälle bringen Krankenhäuser in Bedrängnis
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