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  • Nürburgring-Kehrtwende ohne Beck: Heiße Verhandlungstage enden mit politischem Knall

    Rheinland-Pfalz. Die Spannung war mit Händen zu greifen: Die Pressekonferenz im Innenministerium rangierte weit jenseits von Routine. Kurz nach 13.30 Uhr marschierten gleich drei Ressortchefs in den großen Sitzungssaal mit der Nummer 2.040: Innenminister Roger Lewentz (SPD), Wirtschaftsministerin Eveline Lemke (Grüne) und Finanzminister Carsten Kühl (SPD). Nicht dabei: Ministerpräsident Kurt Beck (SPD).-

    Das Luftbild zeigt den Neubaukomplex des Projekts Nürburgring 2009, im Hintergrund die Nürburg. Die landeseigene Nürburgring GmbH will nun einen Neuanfang rund um die Eifelrennstrecke.
    Das Luftbild zeigt den Neubaukomplex des Projekts Nürburgring 2009, im Hintergrund die Nürburg. Die landeseigene Nürburgring GmbH will nun einen Neuanfang rund um die Eifelrennstrecke.
    Foto: dpa

    Rheinland-Pfalz. Die Spannung war mit Händen zu greifen: Die Pressekonferenz im Innenministerium rangierte weit jenseits von Routine.

    Kurz nach 13.30 Uhr marschierten gleich drei Ressortchefs in den großen Sitzungssaal mit der Nummer 2.040: Innenminister Roger Lewentz (SPD), Wirtschaftsministerin Eveline Lemke (Grüne) und Finanzminister Carsten Kühl (SPD). Nicht dabei: Ministerpräsident Kurt Beck (SPD), den viele Journalisten angesichts der dramatischen Richtungsentscheidung erwartet hätten. Ein Auftritt auf allen Kanälen wäre ihm sicher gewesen. So richteten sich die Kameras auf das rot-grüne Triumvirat.

     

    Lewentz: Enttäuscht von Pächtern

    Roger Lewentz begann mit einem kleinen Prolog („Der Nürburgring ist ein Aushängeschild für Rheinland-Pfalz“), bevor er zum Kern der Sache vorstieß. „In den zurückliegenden Monaten bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass eine gute Zukunft am Ring mit den jetzigen Pächtern nicht möglich ist“, erklärte der Minister. Die Konsequenz: Die nahezu landeseigene Nürburgring GmbH hat den Betreibervertrag und den Konzessionsvertrag für die Formel 1 mit den Pächtern gekündigt. Die Ring-Manager überwiesen bekanntlich bis heute keinen Cent Pacht. Wochenlang wurden Forderungen und Gegenforderungen aufgerechnet. Bis Lewentz und die gesamte Landesregierung den Beschluss fassten, der Nürburgring Automotive GmbH (NAG) den Stuhl vor die Tür zu stellen. Das Ende eines monatelangen Tauziehens?

     

    Die Betreiber reagierten erstaunt und erschüttert auf den Schritt. Glaubt man ihrer Version, war der Nürburgring auf einem guten Weg. Nach dem geplanten Stellenabbau, das haben die Gesellschafter Jörg Lindner und Kai Richter mehrfach versichert, wäre der Komplex wieder hoch profitabel gewesen. Ab Mai 2012 wollten die NAG 600 000 Euro Pacht monatlich überweisen, ließen die Pächter mitteilen.

     

    Betreiber suchten Kompromiss

    Das Betreiberduo war nach Informationen unserer Zeitung bereit, auf die strittige Spielbankabgabe von 3,2 Millionen Euro im ersten Jahr zu verzichten. Sie wollten den Betrag für die weiteren Geschäftsjahre fest zugesagt bekommen. Darauf ließ sich das Land nicht ein.

     

    Sogar die Verhandlungen mit der Formel 1 machten wohl Fortschritte: Chefvermarkter Bernie Eccle-stone soll bis 2023 fünf Eifel-Rennen zugesagt haben. Bei jedem Rennen hätte das Land maximal 9,8 Millionen Euro zuschießen müssen. Zuletzt hatte der Landeszuschuss bei gut 13 Millionen Euro gelegen.

     

    Doch die Wochen des öffentlichen Streits haben bei der Regierung die Erkenntnis reifen lassen, dass mit Lindner und Richter am Ring kein Staat zu machen ist. In den vergangenen Tagen glühten die Telefone. Innen- und Infrastrukturminister Roger Lewentz sprach mehrfach mit dem Geschäftsführer der NAG, Jörg Lindner. Am Samstag, am Sonntag – und auch am Montag. Noch am Donnerstag traf ein letztes Angebot der Pächter per Kurier in der Staatskanzlei ein. Lindner und Richter wurden am Wochenende gleich zwei Mal zu einem Besuch in Mainz aufgefordert, sahen in diesem Treffen aber keinen Sinn. Auch Ex-Wirtschaftsminister Hendrik Hering (SPD) schaltete sich angeblich noch ein. Doch die Züge fuhren weiter aufeinander zu. Im Kabinett fiel am Dienstag der Hammer. Wenig später sprach die landeseigene Nürburgring GmbH die Vertragskündigungen aus. Die NAG kündigte auf dem Fuße juristische Schritte an.

     

    Kühl verkündet Brisantes

    Wirtschaftsministerin Eveline Lemke wirkte bei der Pressekonferenz nicht unzufrieden. Sie hatte schon früh für einen Neustart am Ring plädiert. Finanzminister Carsten Kühl (SPD) erklärte etwas verschlungen, dass das Land präventiv eine 254 Millionen Euro schwere Rücklage aktiviert. Warum? Die Antwort ist brisant: Rot-Grün ist nicht sicher, ob ein neuer Betreiber genug Pacht zahlt, um zu verhindern, dass die Ring-Gesellschaft im Schuldensumpf versinkt.

    Von unserem Redakteur Dietmar Brück

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