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  • Nürburgring: Mike Frison kämpft für das größte Fan-Forum

    Köln/Nürburg - Das wichtigste Forum der Nürburgringfans ist in Gefahr: Es ist seit Februar vom Netz und wird es noch bis Mitte Mai bleiben, vielleicht auch für immer. Grund: Betreiber Mike Frison hat Angst, dass der Nürburgring von ihm künftig Zehntausende Euro Ordnungsgeld einfordert. Jetzt befasste sich das Landgericht Köln damit. Frison hat wohl schlechte Chancen.

    Köln/Nürburg - Das wichtigste Forum der Nürburgringfans ist in Gefahr: Es ist seit Februar vom Netz und wird es noch bis Mitte Mai bleiben, vielleicht auch für immer. Grund: Betreiber Mike Frison hat Angst, dass der Nürburgring von ihm künftig Zehntausende Euro Ordnungsgeld einfordert. Der Streit hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt – jetzt befasste sich das Landgericht Köln damit. Frison hat wohl schlechte Chancen.

    Darum geht es: Der Rennsportfan Frison (45) betreibt seit 2000 die Seite 20832.com – die Zahl nennt die Länge der legendären Nordschleife in Metern. 2009 veröffentlichte jemand im Forum der Seite einen Artikel der Eifelzeitung („Zur Not frisst ein ,Deubel' auch Fliegen“). 2011 erhielt Frison Post von Richters Anwälten. Sie forderten, dass er „die falsche Berichterstattung“ entfernt. Das tat er. Die Anwälte forderten aber auch: Er soll sich verpflichten, Aussagen des Artikels nicht mehr zu verbreiten oder verbreiten zu lassen. Das lehnte er ab, schloss aber zur Sicherheit das Forum. Es kam zum Prozess. Die zentrale und folgenschwere Frage: Haftet Frison für Zeitungsartikel, die im Forum erscheinen? Er sagt nein. Richters Anwälte sagen ja.

    Frison argumentiert: Im Forum gibt es 3500 Nutzer. Und er kann nicht überwachen, ob jemand künftig Ähnliches behauptet wie in dem Artikel. Sein Anwalt ergänzt: Frison ist kein Medienprofi, sondern Laie. Er kann nicht alle Artikel überprüfen, bevor sie im Forum erscheinen. Er muss sich auf die Presse verlassen. Ganz anders sehen es Richters Anwälte: Frison befasst sich seit Jahren mit dem Nürburgring. Er hätte folglich erkennen können, dass der Artikel falsch ist.

    Auch das Gericht betonte, es habe große Zweifel daran, Frison als Laien einzustufen. Denn er betreibe das Forum seit Jahren und erreiche eine große Öffentlichkeit. Das Gericht scheiterte damit, den Streit per Vergleich zu beenden. Es gibt sein Urteil am 11. Mai bekannt. Frison will das Forum endgültig schließen, wenn er damit ständig riskiert, hohe Ordnungsgelder zahlen zu müssen.

    Für Frison hat die "Verhandlung mir noch mal vor Augen geführt, weswegen hier mit solch einem großen Aufwand gestritten wird: Der neue Betreiber einer Sportstätte (seit einem Jahr) zerrt das größte und älteste Forum dieser Sportstätte (seit zehn Jahren) vor den Kadi – wegen einem Zeitungsartikel, der vor ziemlich genau zwei Jahren unter dem generischen „News“-Account ins Forum gepostet wurde.“ Frison gehört auch zu den maßgeblichen Unterstützern der Initiative Save the Ring, die angesichts der neuen Ring-Betreiber den Ring in Gefahr sehen.

    Der Streit um das Fan-Forum sorgte in der Presse bundesweit für Aufsehen: Das Deutschlandradio griff das Thema auf und interviewte Mike Frison. Im Gespräch bezeichnete er das Vorgehen Kai Richters als Todesstoß für sein Forum. „Weil: Ich öffne ja nur meine Kneipe. Und was die Leute in der Kneipe sagen: Da hab ich überhaupt keine Kontrolle drauf."

    In einem Interview auf dem Blog Medial Digital von Medienjournalistin Ulrike Langer hatte Frison die Tragweite über den Einzelfall hinaus verdeutlicht: "Jemand, der über die entsprechenden finanziellen Mittel verfügt und für den in Kooperation mit seinen Anwälten einstweilige Verfügungen zur Tagesordnung zählen, kann ungehindert gegen kleine Blogger und Forenbetreiber vorgehen, die natürlich erst mal völlig gelähmt sind."

    Hartmut Wagner

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    Hartmut Wagner

    Prozesse in Koblenz: Hartmut Wagner berichtet aus dem Gerichtssaal. Er freut sich über Anregungen, Tipps oder Kritik per Mail.