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    SimmernNudist vor Gericht: Nacktsein als persönliche Freiheit?

    Es war ein Auftritt, wie man ihn am Amtsgericht im beschaulichen Simmern im Rhein-Hunsrück-Kreis nicht alle Tage erlebt. Angeklagt war ein junger Mann, der im Sommer vergangenen Jahres auf dem Schinderhannes-Radweg zwischen Simmern und Kümbdchen exhibitionistische Handlungen begangen haben soll.

    Jetzt wurde der 57-Jährige wegen zweifachen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.
    Jetzt wurde der 57-Jährige wegen zweifachen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.
    Foto: dpa

    Den Sitzungssaal betrat dagegen eine Person, die sich erst beim dritten Hinschauen als Mann entpuppte: zierliche Gestalt mit femininen Zügen, schulterlange, glatt gekämmte Haare samt Pony, ein rosa Handtäschchen und ein pinkfarbener Pullover.

    Staatsanwältin Nicole Frohn hielt dem 25-jährigen Hartz-IV-Empfänger aus dem Rhein-Hunsrück-Kreis vor, dass er im August nackt über den Radweg spaziert sei und dabei zwei Frauen sein erigiertes Glied präsentiert habe. Ersteres bestritt der junge Mann nicht. „Es ging mir nicht darum, irgendjemanden zu belästigen, sondern nur ums Nacktsein an sich. Das betrachte ich als meine persönliche Freiheit.“ Auf dem Radweg habe er nur FKK machen wollen. „Dabei habe ich mir nichts gedacht.“

    Nackt in der Öffentlichkeit herumzulaufen, stellt tatsächlich keine Straftat dar, sondern höchstens eine Ordnungswidrigkeit. Beim Tatvorwurf des Exhibitionismus kommt zu der Nacktheit auch noch die sexuelle Motivation hinzu. Strafrichter Peter Hüttemann ließ deshalb auch die beiden Zeuginnen zu Wort kommen, die den Nackedei nach der Begegnung auf dem Radweg angezeigt hatten. „Wir waren geschockt“, sagte eine der Damen, „er ist einfach so an uns vorbeimarschiert.“

    „Wir können dem Angeklagten nicht beweisen, dass er sich bewusst präsentiert hat, um sich zu erregen“, geriet selbst Staatsanwältin Frohn ins Grübeln. „Es bleiben zumindest Zweifel, dass er sich tatsächlich in sexueller Motivation auf die Frauen zubewegt hat. Deshalb ist der Angeklagte freizusprechen.“ Dem schloss sich Richter Hüttemann an. Allerdings schrieb er dem Angeklagten noch ins Stammbuch: „Sie müssen auch die Schamgefühle anderer Menschen akzeptieren.“

    Von unserem Redakteur Markus Lorenz

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